Was will Fujifilm diesmal erreichen?
Den Wettlauf um Hardware-Spezifikationen gegen eine Partner-Enablement-Strategie eintauschen
Fujifilm Business Innovation hat kürzlich in Europa eine Partnerveranstaltung ausgerichtet – die Botschaft ist eindeutig: Weg vom klassischen Hardware-Wettstreit über Druckgeschwindigkeit, Auflösung und Tonerrezeptur, hin zu einer konsequenten Partner-Enablement-Strategie nach dem Motto „Ich helfe dir zu verkaufen, du hilfst mir zu verkaufen". Den strategischen Kernpunkt benennt das Analysehaus Quocirca in der Analyse zu Fujifilms verstärkter Partneraufstellung im europäischen Druckmarkt
Dieser Schritt kommt nicht von ungefähr. Der europäische Druckmarkt steht seit Jahren gleichzeitig unter drei Druckwellen: sinkende Papiernachfrage, schrumpfende Auflagen, Margenverfall. Gleichzeitig stehen die Wettbewerber nicht still:
・Xerox hat offen angekündigt, sich vom „Druckmaschinenhersteller" zum „IT-Dienstleister und Anbieter von KI-Lösungen" zu wandeln. Diese Linie erläutert CEO Pastor persönlich in der 100. Folge des Quocirca-Print-Interviews
・Das neu veröffentlichte ACT-Framework von Quocirca (Automation/AI, Cloud, Tech Ecosystem) erklärt diese drei Kräfte zu den strukturellen Variablen, die über die Zukunft der Druckdienstleister entscheiden. Die vollständige Analyse findet sich im Bericht zum ACT-Framework
・In der Branche macht sich breit das Gefühl breit, dass die Ära des reinen Maschinenverkaufs zu Ende geht – Serviceverträge, Prozess-Abos und Cloud-Management sind die Margenquellen der nächsten Runde
Dass Fujifilm an diesem Punkt auf das Partnernetzwerk setzt, ist faktisch ein Eingeständnis, dass die Decke beim reinen Hardware-Stückverkauf erreicht ist

Warum „Partner-Enablement" und nicht „direkter Vertriebsschlag"?
Das größte Hindernis der Service-Transformation liegt nicht im Produkt, sondern im Kanal
Hinter der Entscheidung von Fujifilm stehen zwei sehr konkrete strukturelle Gründe
Erstens: Der europäische Markt für Druckgeräte wird seit Langem über die Partner getragen, die Vertrieb und Service abdecken – deren Kapillaren reichen tiefer und dichter zum Kunden als jede direkte Werksbeziehung. Wenn der Hersteller nun brutal auf Direktvertrieb umstellt, reißt er genau dieses Netzwerk ein und unterminiert damit die eigene Stärke
Zweitens: Die Umstellung vom Hardware-Verkauf auf Service-Abos lässt sich vom Hersteller zwar kommunizieren, aber die kundenseitige Vertragsanpassung, die Migration in die Cloud und die Einführung von KI-Werkzeugen erfordern lokale Partner, die jeden Kunden einzeln begleiten. In den drei zentralen Umsetzungsproblemen, die Quocirca-Analysten Xerox aktuell attestieren, taucht explizit die Frage auf, „wie man Channel-Partner vom alten Hardware-Verkaufsreflex abbringt". Fujifilm umschifft diese Falle bewusst: Erst werden die Partner zu „Enablement-Adressaten", dann die Kunden zu „Service-Adressaten"
Fujifilm hat auf der Partnerveranstaltung konkrete Transformationsfälle geteilt und betont, dass die eigenen Erfahrungen aus der digitalen Transformation das eigentliche Differenzierungsmerkmal seien. Diese Argumentation lässt sich schwerer kopieren als „unsere Maschine ist schneller" und trifft den Kundenalltag besser als „unser KI-Modell ist stärker"

Wie müssen taiwanesische Mittelständler und Markenkunden das lesen?
Wenn das Partnermodell Form annimmt, verändert es direkt den Inhalt des Dialogs zwischen Ihnen und Ihrem Maschinenlieferanten
Zunächst eine Beobachtung, die ich in letzter Zeit regelmäßig bei Kunden vor Ort mache: Wenn mittelgroße Druckereien über eine Geräteaufwertung sprechen, zeigt der Vertriebsaußendienst auf der ersten Folie immer noch ppm-Werte, Auflösung und Toner-Schmelzpunkt. Doch was der Einkauf wirklich fragen will, lautet längst: „Wer automatisiert mir nach dem Maschinenkauf die nachgelagerten Prozesse? Lassen sich meine Kundenservice-Tickets in mein CRM einspeisen? Können meine Energieverbrauchsreports direkt in den ESG-Bericht meines Kunden fließen?" Genau diese Lücke soll die Fujifilm-Partnerstrategie schließen
Für taiwanesische Druckereien im Mittelstand lässt sich die Sache aus drei Blickwinkeln bewerten:
・Der Verhandlungsschwerpunkt bei der Gerätebeschaffung muss sich verschieben: Neben Preis, Spezifikation und Garantie sollte „kann der Hersteller umsetzbare Service-Prozess-Templates liefern?" als Bewertungskriterium aufgenommen werden – etwa standardisierte Kundentickets, Cloud-Backup-Architektur, standortübergreifendes Farbmanagement
・Die eigenen „Service-Fähigkeiten" sind zu inventarisieren: Fujifilm verlangt von Partnern, dass sie Services verkaufen können – also brauchen Sie selbst überhaupt ein verkaufbares Angebot. Mindestens müssen Sie Farbmanagement, Druckzeiten und Verbrauchsmengen digitalisieren, um im Servicevertrag verifizierbaren Wert liefern zu können
・Die Kanalbeziehungen sind neu zu verhandeln: Die Rolle des Händlers wandelt sich vom „Maschine liefern, Garantie abrechnen" zum „Prozessberater und KI-Begleiter". Vertragsstruktur und Erlöslogik werden sich zwangsläufig verändern
Für Markenkunden (die Auftraggeber von Druckleistungen) ist das Signal ebenso klar:
・Die Auswahlkriterien für Drucklieferanten werden breiter: Neben Papier und Druckverfahren zählt zunehmend, ob der Lieferant Cloud-Workflows, KI-gestützte Korrekturprüfung und automatische Nachlieferung beherrscht. Verwandt damit ist das Thema „AI Confidence Gap" aus dem Gespräch zwischen Sharp Europe und Quocirca
・Der Nachhaltigkeitsdruck steigt parallel: Internationale Marken verschärfen die Anforderungen an CO₂-Audits in der Lieferkette, wie die Weiterveröffentlichung der Chinese Academy of Graphic Science and Technology zeigt. Druckereien müssen Energieverbrauch und Materialflüsse in auditierbare Daten verwandeln – sonst fliegen sie aus der Liste qualifizierter Lieferanten

Diese Signale verdienen es, parallel mitgelesen zu werden
Die Neuausrichtung des Gerätemarkts ist kein Solitär von Fujifilm, sondern vollzieht sich strukturell und synchron
・Hochleistungsgeräte setzen sich schneller durch: Konica Minolta hat die AccurioJet 30000 in Großbritannien erstmals installiert – 30.000 Bogen pro Stunde, gemeldet von Print Monthly. Zeitgleich hat HEIDELBERG durch die Überholung einer Speedmaster CX 102 bei ThreeFiveFour in Großbritannien die Kapazität verdoppelt und die Druckzeit halbiert – der Fall wird im Print Monthly beschrieben. Der Markt für generalüberholte Gebrauchtmaschinen nimmt Form an
・Der Verbrauchsmaterial-Krieg verschärft sich: Fujifilm, Ricoh und Brother haben im Mai Firmware-Updates veröffentlicht, die kompatible Chips aussperren – doch das chinesische Unternehmen Zhono hat nach eigenen Tests bestätigt, dass seine Chips davon unberührt sind, wie Imaging Solution berichtet. Der Firmware-Schlagabtausch zwischen Originalherstellern und kompatiblen Verbrauchsmaterialien wird kurzfristig nicht abreißen
・Zwei unterschätzte Nebenlinien: Nachhaltigkeit und Fachkräfte. UFlex arbeitet in Indien mit dem UN Global Compact zusammen, um Plastikverpackungsprogramme für Abfallarbeiter in Delhi voranzutreiben – Meldung bei Labels & Labeling. In Großbritannien warnt YPIPP, dass der Rekordtiefstand der Jugendarbeitslosigkeit langfristig zu einer Qualifikationslücke in der Druck- und Verpackungsindustrie führen wird, nachzulesen bei Print Monthly
・Der Generationsbruch im Einkauf tritt offen zutage: PINE New England weist darauf hin, dass Millennials und Gen Z bei der Beschaffung gezielt Druckereien ohne digitale Markenidentität überspringen, siehe Warnsignal Generationenlücke. Diese Beobachtung und Fujifilms Wette auf das Partnernetzwerk liegen am selben Kurvenverlauf – nur an gegenüberliegenden Enden
・Industrieller Druck blüht in vielen Segmenten: Verpackung, Textil, Dekor-Folie, Keramik und Elektronik stehen gleichzeitig unter dem Eindringdruck des digitalen Inkjet – Überblick im Praxisleitfaden von Industrial Print Magazine
Legt man diese Signale nebeneinander, ergibt sich ein klares Urteil: Die Service-Transformation der Druckmaschinenhersteller ist keine Einzelentscheidung eines Herstellers, sondern die strukturelle Reaktion auf fünf gleichzeitig wirkende Kräfte: Auflagenschwund, Margenverfall, Kanalumbau, Fachkräftelücke und Wandel im Beschaffungsverhalten der Generationen. Fujilms Partner-Enablement ist nur die am offensten ausgespielte Karte dieser Reaktion

Zusammenfassung der Kernpunkte
・Fujifilm verlässt den Hardware-Spezifikationswettlauf und setzt auf das Partnernetzwerk – eine direkte Antwort auf sinkende Auflagen und Margenverfall in Europa, nicht eine Marketingaktion eines einzelnen Herstellers
・Der eigentliche Engpass der Service-Transformation liegt im Kanal, nicht im Produkt; Partner-Enablement liegt näher an der Realität als eine brutale Umstellung auf Direktvertrieb
・Taiwanesische Druckereien müssen den Beschaffungsschwerpunkt von „Maschinenspezifikationen" auf „Prozess-Templates und Servicefähigkeiten" verschieben, sonst bleiben Upgrades auf halbem Weg stecken
・Markenkunden erweitern ihre Auswahlkriterien für Drucklieferanten – Nachhaltigkeit und KI-gestützte Prozessfähigkeiten sind von der Kür zur Pflicht geworden
・Der Generationsbruch im Einkaufsverhalten und die Jugendarbeitslosigkeit als Qualifikationsrisiko sind zwei unterschätzte Nebenlinien, die die Kundenstruktur der nächsten drei bis fünf Jahre direkt prägen werden
Weiterführender Denkanstoß
Aus taiwanesischer Perspektive lohnt es sich, weniger die Veranstaltung selbst zu studieren als vielmehr die Tatsache, dass Fujifilm damit die Wertverteilung zwischen den vier Akteuren „Hersteller – Kanal – Druckerei – Markenkunde" neu definiert. Die Umsetzung empfiehlt sich auf drei Ebenen:
・Erstens: Jede Druckerei sollte zunächst ein eigenes „Service-Audit" durchführen und mindestens Auftrags-, Energie- und Materialflüsse digitalisieren – sonst lässt sich auch ein Partner-Enablement von Herstellerseite nicht sinnvoll andocken
・Zweitens: Die Vertragsstruktur zwischen Händlern und Druckereien muss neu verhandelt werden. Honorare für Prozessberatung, KI-Einführung und Cloud-Abos gehören explizit in die Verträge – statt den Hebel weiterhin auf die Hardware-Garantie zu setzen
・Drittens: Die Beschaffungsseite der Markenkunden muss „Cloud-Workflow, KI-gestützte Korrekturprüfung, Nachhaltigkeitsdaten" als Auswahl-KPI aufnehmen. Ob Sie das tun, entscheidet, ob Sie in drei Jahren noch auf der Lieferantenliste stehen. Wenn Sie gerade an einem Knotenpunkt zwischen Maschinen-Upgrade und Service-Transformation stehen, kann das Beraterteam der MS Knowledge Academy konkret entlang Ihrer Auftragsflüsse, Vertragsstrukturen und Beschaffungs-Schnittstellen eine Bestandsaufnahme durchführen. Für hochwertige, voll individualisierte kommerzielle Druckprojekte steht Ihnen MS Druck (MS) als begleitender Umsetzungspartner zur Seite
Weiterführende Leseempfehlungen
・Fujifilm stärkt seine Partnerbasis im europäischen Druckmarkt
・Xerox-CEO Pastor erläutert die integrierte KI-Strategie
・Bericht zum ACT-Framework von Quocirca
・Die drei großen Umsetzungsprobleme von Xerox' Channel-Refit
・Sharp Europe und Quocirca über den AI Confidence Gap
・Konica Minolta AccurioJet 30000 erstmals in Großbritannien installiert
・ThreeFiveFour nimmt generalüberholte Speedmaster CX 102 in Betrieb
・Zhono-kompatible Chips trotzen dem Mai-Firmware-Update
・UFlex- und UNGCNI-Nachhaltigkeitsprogramm für Plastikverpackungen
・YPIPP warnt vor Qualifikationslücke in der britischen Druckbranche
・Generationenlücke: Jüngere Beschaffende ignorieren traditionelle Druckmarken
・Praxisleitfaden für industriellen Druck
・CO₂-Druck steigt: Nachhaltige Verpackungen werden Pflichtfach
FAQ
- Warum setzt Fujifilm auf Partner-Enablement, statt sich direkt zum IT-Dienstleister zu wandeln?
- Weil der europäische Druckgerätekanal seit Langem von Partnern getragen wird, die Vertrieb und lokalen Service verantworten – eine brutale Umstellung auf Direktvertrieb würde das eigene Kanalnetz zerstören. Partner-Enablement ist die gangbare Route, weil die Service-Transformation vor Ort verlangt, dass Partner jeden Kunden einzeln bei Vertragsumbau, Cloud-Migration und KI-Einführung begleiten. Das kann der Hersteller allein nicht kommunizieren, das schaffen nur die Partner
- Welche unmittelbaren Auswirkungen hat Fujifilms Schritt auf taiwanesische Druckgerätehändler?
- Die Rolle des Händlers verschiebt sich vom Liefern und Garantie-Abrechnen hin zum Prozessberater und KI-Begleiter – Vertragsstruktur und Erlöslogik verändern sich entsprechend. Händler sollten jetzt prüfen, ob sie digitalisiertes Farbmanagement, Cloud-Backup und standardisierte Kundenticket-Prozesse tatsächlich liefern können, sonst fallen sie aus der neuen Partnerbewertung der Hersteller
- Was verändert sich für mittelständische Druckereien durch die Service-Transformation ganz konkret?
- Der Schwerpunkt der Beschaffungsverhandlungen wandert von Hardwarespezifikationen hin zu Service-Prozess-Templates und überprüfbarer Wertlieferung. Druckereien müssen Aufträge, Energie und Verbrauchsmaterialien selbst digitalisieren, um im Servicevertrag überhaupt etwas abliefern zu können – sonst bleibt das Upgrade auf halber Strecke stecken
- Welche neuen Bewertungskriterien sollten Markenkunden (Auftraggeber) bei der Auswahl von Drucklieferanten heute anlegen?
- Neben Papier und Druckverfahren gehören mindestens Cloud-Workflow, KI-gestützte Korrekturprüfung sowie auditierbare Energie- und Verbrauchsdaten auf den Bewertungszettel. Die Rückverfolgbarkeit von Nachhaltigkeitsdaten wandelt sich rasant von der Kür zur Zulassungsvoraussetzung – wer sie nicht liefert, fliegt aus den Lieferantenlisten internationaler Marken
- Was ist der erste und wichtigste Schritt für eine Druckerei im Partner-Enablement-Modell?
- Zunächst die eigenen Auftrags-, Energie- und Materialflüsse zu digitalisieren. Ohne diese Datenschicht lassen sich weder Partner-Enablement des Herstellers noch neue Vertragsstrukturen sinnvoll andocken – sie ist die Grundvoraussetzung jeder Service-Transformation
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