Welche Strategie verfolgt Fujifilm auf seiner europäischen Partnertagung?
Die diesjährige Partnerveranstaltung von Fujifilm Business Innovation in Europa sendet ein klares Signal: Es geht nicht mehr darum, sich über Hardware-Spezifikationen und Preise zu behaupten, sondern um die Stärkung der Partner. Im Mittelpunkt stand keine Flut neuer Maschinen, sondern ein komplettes Vorgehensmodell, mit dem Vertriebspartner bei der Transformation ihres Geschäfts unterstützt werden. Quocircas Analyse macht deutlich, dass Fujifilm damit angesichts des Drucks durch Canon, Ricoh und Konica Minolta einen Weg zur Differenzierung einschlägt
Wenn ich mir die Kunden und Projekte ansehe, mit denen ich in letzter Zeit zu tun hatte, ist die Logik dahinter eigentlich ganz einfach: Wenn die Druckvolumina weiter sinken und die Margen schrumpfen, stößt ein Gerätehersteller mit dem weiteren Verkauf von Maschinen absehbar an eine Obergrenze. Fujifilm verlagert den Wertschwerpunkt von der Hardware auf Services und von einzelnen Transaktionen auf die operative Verbesserung seiner Partner. Das ist eine konsequente Reaktion auf die Entwicklung. Für kleine und mittlere Druckereien in Taiwan bedeutet das: Die Beziehung zum Hersteller wird künftig nicht mehr nur aus „Maschine kaufen, Service anfordern, Verbrauchsmaterial bestellen“ bestehen. Entscheidend ist, ob sie Unterstützung für eine vollständige Geschäftstransformation erhalten

Die Druckbranche im „Post-Hardware-Zeitalter“: Wird das serviceorientierte Ökosystem zum wichtigsten Wettbewerbsfeld?
Fujifilm ist nicht der einzige Anbieter, der von Transformation spricht. Der von Quocirca veröffentlichte Bericht zum ACT-Framework stellt drei Dimensionen heraus: „Automatisierung und AI“, „Cloud“ und „technologische Ökosysteme“. Er zeigt klar, dass der globale Druckmarkt von drei sich gegenseitig verstärkenden Kräften geprägt wird: schrumpfenden Druckvolumina, steigendem Margendruck und einer beschleunigten Konsolidierung. Auch Pastor, CEO von Xerox, erklärte in Quocircas Sonderinterview zur 100. Folge, dass sich das Unternehmen vom Gerätehersteller zum Anbieter von IT-Services und AI-Lösungen entwickeln wolle
Legt man diese Entwicklungen nebeneinander, wird die Richtung deutlich: Der Bonus des Hardwareverkaufs ist aufgebraucht. Serviceorientierung und Ökosysteme sind die nächste gemeinsame Wette der führenden Anbieter von Drucktechnik. Für Druckereien in Taiwan ist das keine Sache, die nur die großen Hersteller betrifft. Es wirkt sich direkt darauf aus, welche Leistungen beim nächsten Gerätekauf im Paket enthalten sind. Ob sie eine integrierte Lösung mit Cloud-Workflow, AI-gestützter vorausschauender Wartung und Prozessautomatisierung erhalten, wird wichtiger sein als der reine Maschinenpreis
Warum setzt Fujifilm auf die Stärkung der Partner, statt selbst direkt ins Endkundengeschäft zu gehen?
Eine Frage, die Kunden mir oft stellen, lautet: „Wird der Hersteller an uns vorbei direkt Markenkunden betreuen?“ Die Strategie von Fujifilm gibt darauf eine klare Antwort. Der europäische Markt ist reifer als der taiwanische, und Endkunden sind digitalen Services gegenüber aufgeschlossener. Wenn der Hersteller selbst direkt auf die Endkunden zuginge, wären die Kosten für die Pflege der Vertriebspartnerbeziehungen sogar höher
Im Kern erkennt Fujifilms Modell der Partnerstärkung an, dass Vertriebspartner bei der Betreuung von Endkunden nicht zu ersetzen sind. Nach meinen langjährigen Beobachtungen in Produktionslinien und bei Kunden kann selbst der stärkste Hersteller einen Vertriebspartner nicht ersetzen, wenn es um die unmittelbare Reaktion auf Kundenbedürfnisse in einem stark individualisierten, lokal geprägten Dienstleistungsgeschäft wie dem Druck geht. Genau deshalb macht Fujifilm den Erfolg seiner Partner zum eigenen Erfolg und baut die gemeinsame Transformationsfähigkeit des Ökosystems als entscheidende Wettbewerbshürde auf
Für taiwanische Distributoren und Druckereien ist dieses Signal ernst zu nehmen: Wenn der Hersteller seine Transformationsmethodik, Werkzeuge für die Kundenbetreuung und digitalen Servicekompetenzen teilt, können diejenigen, die diesen Weg mitgehen, deutlich mehr Wachstumsspielraum gewinnen als im Alleingang

Wie sollten kleine und mittlere Druckereien in Taiwan und ihre Markenkunden reagieren?
In den vergangenen Monaten habe ich mit Druckereien unterschiedlicher Größe gesprochen. Dabei zeigte sich eine gemeinsame Sorge: Alle wissen, dass sie sich verändern müssen, aber niemand weiß genau, wo er anfangen soll. Wenn man Fujifilms europäische Strategie auseinandernimmt, lassen sich drei konkrete Schritte ableiten:
・Rolle im Vertrieb neu bestimmen: Distributoren und Druckereien sollten mit dem Hersteller aktiv über die Inhalte und das Umsatzbeteiligungsmodell einer serviceorientierten Partnerschaft sprechen und die Beziehung vom „Kauf und Verkauf“ zu einer gemeinsamen Geschäftsentwicklung weiterentwickeln
・Die Betreuung der Endkunden vertiefen: Endkunden erwarten nicht nur Druckqualität, sondern auch Prozessintegration und Datenfeedback. Darin liegt der lokale Vorteil, mit dem kleine und mittlere Betriebe größere Anbieter überholen können
・Cloud und Automatisierung frühzeitig aufbauen: Der Quocirca-ACT-Bericht nennt Cloud-Workflows ausdrücklich als Beispiel dafür, dass aus einer Option inzwischen eine Pflicht geworden ist. Wer heute nicht damit anfängt, wird in drei Jahren von Kunden direkt übersprungen
Auch für Einkaufs- und Marketingteams auf Kundenseite verändert sich die Logik bei der Auswahl von Druckdienstleistern. Die Analyse zum Generationen-Gap von PINE New England zeigt, dass Einkäufer aus der Generation Z und aus der Generation der Millennials Anbieter eher über soziale Medien, Online-Portfolios und die visuelle Konsistenz der Marke beurteilen als über Empfehlungen aus dem persönlichen Umfeld. Das bedeutet: Egal, wie stark der Hersteller seine Strategie verändert, eine Druckerei ohne klare digitale Markenidentität kann beim Auswahlprozess ebenfalls übergangen werden
Die Marketingaufgabe der Druckereien: Ist das Direktmailing zurück?
Nach dem Wandel auf Herstellerseite lohnt sich der Blick auf die eigene Marketingstrategie der Druckereien. Ein weiterer Beitrag von PINE New England weist darauf hin, dass einige clevere Druckereien nach der Pandemie Direktmailing wieder zu einem zentralen Marketinginstrument gemacht haben. Der Grund ist sehr pragmatisch: Digitale Werbung ist gesättigt und bringt immer weniger Wirkung, während physische Postsendungen im digitalen Lärm mehr Aufmerksamkeit erzielen und einen messbaren ROI liefern
Für Druckereien in Taiwan ist das ein bemerkenswerter Hinweis: Während die gesamte Branche über digitale Transformation, Serviceorientierung und AI-Unterstützung spricht, könnte ausgerechnet das traditionellste Direktmailing zum Differenzierungsinstrument werden. Die entscheidende Frage lautet nicht, ob Print ersetzt wird, sondern ob eine Druckerei mit dem Werkzeug, das sie am besten beherrscht, ihren Kunden zeigen kann, dass Print weiterhin Wert schafft

Die wichtigsten Punkte
・Fujifilms Strategie der Partnerstärkung zeigt, dass Anbieter von Drucktechnik vom hart umkämpften Hardwaremarkt in den Wettbewerb um serviceorientierte Ökosysteme wechseln
・Die drei im ACT-Framework genannten Kräfte Cloud, AI und Ökosysteme sind in den kommenden drei bis fünf Jahren strukturelle Faktoren, die für das Überleben taiwanischer Druckereien entscheidend sein werden
・Der Vorteil kleiner und mittlerer Betriebe in Taiwan liegt in der Tiefe ihrer Endkundenbetreuung. Sie sollten mit dem Hersteller aktiv über gemeinsame Geschäftsentwicklung statt über reine Beschaffung sprechen
・Die Beschaffungslogik auf Kundenseite hat sich zwischen den Generationen verschoben. Der Aufbau einer digitalen Marke ist für Druckereien zur Überlebensfrage geworden
・Auch bei den eigenen Marketinginstrumenten müssen Druckereien umdenken: Im digitalen Lärm kann Direktmailing gerade deshalb zum Differenzierungsinstrument werden
Weiterführende Gedanken
Die Branchensignale der vergangenen zwei Wochen zeigen: Der Transformationsdruck in der Druckindustrie ist von der Frage „ob“ in die Frage „wie es wirksam gelingt“ übergegangen. Auf Seiten der Druckproduktion sollten Verantwortliche zunächst die Lücken in der Servicefähigkeit ihrer Vertriebskanäle erfassen und proaktiv mit den Geräteherstellern einen Rahmen für serviceorientierte Partnerschaften aushandeln. Sie sollten nicht warten, bis der Hersteller selbst ins Geschäft einsteigt und sie nur noch reagieren können. Grafikdesign- und Markenteams sollten bei der Auswahl eines Druckdienstleisters die „Fähigkeit zur Integration von Cloud-Workflows“, die „Transparenz des Online-Portfolios“ sowie „Online-Bewertungen und Präsenz in sozialen Medien“ als Kriterien aufnehmen. Genau darauf achten Einkäufer aus der Generation Z. Für AI- und SaaS-Anbieter liegt dort der eigentliche Einstiegspunkt: Druckereien fehlt selten ein weiteres Tool. Was fehlt, ist die Begleitung, die nach der Einführung dafür sorgt, dass das Geschäft ihrer Kunden wächst. Darin liegt der eigentliche Einstiegspunkt für Technologie-Dienstleister in die Druckbranche. Wenn du gerade bei der Transformation feststeckst und nicht weißt, an welchem Punkt du anfangen sollst, kann dich das Beraterteam der Mai Strategy Wissensakademie dabei begleiten, die aktuelle Situation zu erfassen und konkrete Maßnahmen für die nächsten drei bis sechs Monate zu planen
Weiterführende Lektüre
FAQ
- Welche konkreten Auswirkungen hat Fujifilms europäische Partnertagung auf Druckereien in Taiwan?
- Fujifilm verlagert den Schwerpunkt von der Hardware auf die Stärkung der Partner und ein serviceorientiertes Ökosystem. Künftig können taiwanische Vertriebspartner statt reiner Maschinenwartung Unterstützung bei der Geschäftstransformation erhalten. Die Beziehung entwickelt sich vom Kauf und Verkauf zur gemeinsamen Geschäftsentwicklung
- Was bedeutet das „Post-Hardware-Zeitalter“ in der Druckbranche?
- Es bedeutet, dass die Wachstumsprämie aus dem Hardwareverkauf vorbei ist. Cloud-Workflows, AI-Automatisierung und die Integration technologischer Ökosysteme werden zu den drei zentralen Wettbewerbsdimensionen, die über das Bestehen eines Anbieters entscheiden. Das ist die Kernaussage des Quocirca-ACT-Framework-Berichts
- Haben kleine und mittlere Druckereien in Taiwan in dieser Transformation noch eine Chance?
- Ja, aber die Chance liegt in der Tiefe der Endkundenbetreuung, nicht im Preiskampf mit einer Flut von Maschinen. Kleine und mittlere Betriebe punkten mit lokaler Kommunikation und schneller Reaktion. Entscheidend ist, Cloud und automatisierte Prozesse frühzeitig aufzubauen
- Auf welche neuen Kriterien sollten Markenkunden bei der Auswahl einer Druckerei achten?
- Neben der klassischen Qualität und dem Preis sollten sie die Fähigkeit zur Integration von Cloud-Workflows, die Transparenz des Online-Portfolios und die Präsenz in sozialen Medien berücksichtigen. Einkäufer aus der Generation Z bewerten Anbieter zunehmend anhand dieser Kriterien
- Können Druckereien heute noch Direktmailing als Marketing einsetzen, oder wirkt das zu altmodisch?
- Gerade darin liegt eine Chance zur Differenzierung. Nach der Sättigung digitaler Werbung erzielen physische Direktmailings im digitalen Lärm mehr Aufmerksamkeit und einen messbaren ROI. Einige Druckereien setzen sie deshalb wieder als zentrales Marketinginstrument ein
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