Warum die Druckweiterverarbeitung im Zeitalter des Personalmangels der wahre Flaschenhals ist
In den letzten sechs Monaten habe ich mehrere Druckereien im Süden und Zentrum des Landes besucht. Die größte Sorge der Inhaber ist oft nicht der Mangel an Aufträgen, sondern das Fehlen von Personal zur Maschinenbedienung. Man meint meist, das Limit der Produktivität liege beim Drucktempo an sich. Die Realität in den Betrieben sieht jedoch anders aus: Wenn Digitaldruckmaschinen bereits mit 100 ppm produzieren, nützt das beste Tempo nichts, wenn nachgelagerte Prozesse wie Zusammentragen, Falzen, Rütteln und Verpacken noch manuell im Schichtbetrieb erfolgen. Zudem hat der US-Verbraucherpreisindex (CPI) im Mai ein Dreijahreshoch erreicht. Dieser Inflationsdruck belastet die Kosten für Verpackungsverbrauchsmaterialien direkt und zwingt uns, die betriebliche Realität kritisch zu hinterfragen. Um Aufträge abzuwickeln und Margen zu sichern, hat das Schließen der Personallücke in der Weiterverarbeitung oberste Priorität

Welche Schmerzpunkte löst die Premiere der Epson-Cobots in der Praxis?
Deshalb habe ich die Aktivitäten von Epson auf der Fachmesse Automate 2026 in den USA aufmerksam verfolgt. Neben den etablierten SCARA- und 6-Achs-Lösungen präsentierte Epson dort erstmals eigene kollaborative Roboter (Cobots). Das größte Problem herkömmlicher Automatisierung is der Platzbedarf – Roboterarme erfordern meist raumfüllende Schutzzäune. Die von Epson vorgestellte SafeSense-Technologie nutzt Sensoren zur präzisen Erfassung von Personen im Arbeitsbereich, wodurch physische Zäune überflüssig werden. Für Druckereien mit begrenzter Stellfläche ist dies ein echter Problemlöser: Die Mensch-Roboter-Kollaboration (MRK) lässt sich somit endlich auch in engen Weiterverarbeitungsbereichen realisieren
Klassische Industrieroboter vs. Cobots: Wie sollten Betriebsleiter abwägen?
Viele Betriebsleiter neigen dazu, Datenblätter hinsichtlich der Maximalgeschwindigkeit zu vergleichen. In der Druckweiterverarbeitung mit kleinen Auflagen und hoher Produktvarianz ist Flexibilität jedoch weit wichtiger als reines Tempo. Betrachten wir die beiden Investitionsansätze im Detail:
・Klassische Industrieroboter: Extrem schnell und mit hoher Traglast, benötigen jedoch Schutzzäune und viel Platz. Ideal für Großaufträge mit identischen Spezifikationen über mehrere Tage
・Kollaborative Roboter (Cobots): Schutzzaunlos und platzsparend. Bediener können jederzeit eingreifen, um Papierstaus zu beheben oder Material nachzufüllen. Optimal für den Akzidenzdruck mit häufigen Auftragswechseln pro Tag
・Versteckte Kostenunterschiede: Die Hardware von Cobots mag in der Anschaffung kostspielig erscheinen, doch da Umbauarbeiten, Schutzzäune und lange Stillstandszeiten für die Einrichtung entfallen, sind die Hürden und Risiken bei der Einführung insgesamt deutlich geringer
Wie gelingt KMU-Druckereien ein pragmatischer Einstieg?
Bei der Transformation sollte man nicht direkt versuchen, mit riesigen Investitionen eine komplett mannlose, vollautomatische Linie aufzubauen. Der schrittweise Einstieg an den richtigen Stellen ist der Königsweg. Ich empfehle, bei den eintönigsten und körperlich anstrengendsten Routinearbeiten in der Weiterverarbeitung anzusetzen. Beispielsweise lässt sich das Be- und Entladen von Kaschiermaschinen oder das Ausbrechen von Stanzabfällen per Roboterarm realisieren, idealerweise in Kombination mit dem von Epson gezeigten IntelliFlex-Zuführsystem und kamerabasierten Führungssystemen. Dank der Epson RC+-Entwicklungssoftware – einer intuitiven Benutzeroberfläche – können auch Schichtleiter ohne Programmier- oder Elektronikkenntnisse Parameter schnell anpassen. Mitarbeiter von stumpfsinnigen Transportaufgaben zu befreien und für die Qualitätskontrolle einzusetzen, ist eine zielgerichtete Investition, die sich sofort auszahlt

Zusammenfassung
・Der eigentliche Flaschenhals liegt nicht im Druck, sondern in der stark manuell geprägten Druckweiterverarbeitung und Verpackung
・Die Epson-Cobots mit SafeSense-Technologie machen Schutzzäune überflüssig und senken die Hürden für die Integration bei begrenztem Platzangebot drastisch
・Klassische Roboter punkten mit Geschwindigkeit, Cobots mit Flexibilität. Letztere eignen sich weitaus besser für die heutigen Kleinauflagen und die hohe Varianz im Druck
・Die Umstellung muss nicht auf einen Schlag erfolgen; fangen Sie mit der Automatisierung monotoner Beschickungsaufgaben mithilfe von kamerabasierten Systemen wie IntelliFlex an
Weiterführende Gedanken
Für Markenartikelhersteller und Agenturen wie MINDS Printing, die die digitale Transformation aktiv vorantreiben, bedeutet die Automatisierung bei ihren Weiterverarbeitungspartnern eine erhebliche Steigerung der Termintreue und Produktqualität. Erst wenn die Druckproduktion nicht mehr durch Personalmangel und menschliche Ermüdungsfehler ausgebremst wird, lässt sich das von SaaS- und Design-Dienstleistern versprochene „agile Delivery“ auf einem soliden Hardware-Fundament verlässlich realisieren. Als nächsten Schritt sollten Betriebsleiter analysieren, an welchen drei Arbeitsplätzen die Fluktuation am höchsten ist – dort bietet sich der ideale Einsatzort für den ersten Cobot-Arm
Weiterführende Links
FAQ
- Wir haben sehr wenig Platz in der Produktion. Wie soll da ein Roboterarm hineinpassen?
- Genau das ist der Vorteil eines kollaborativen Roboters (Cobot). Dank Sicherheitslösungen wie SafeSense entfallen sperrige Schutzzäune aus Metall. Mitarbeiter können direkt neben dem Roboter arbeiten, was den Platzbedarf auf ein Minimum reduziert
- Benötigen wir für die Einführung solcher Systeme eigene Programmierer zur Softwareentwicklung?
- Nein. Der Trend geht klar in Richtung softwaregesteuerter Hardware. Entwicklungsumgebungen wie Epson RC+ setzen auf eine intuitive Bedienung. Nach einer kurzen Einführungsschulung können Schichtleiter eigenständig Produktwechsel vornehmen und Parameter feinjustieren
- Was ist für eine KMU-Druckerei mit begrenztem Budget der sinnvollste erste Schritt zur Automatisierung?
- Vermeiden Sie es, zu Beginn die gesamte Fabrik vernetzen zu wollen. Identifizieren Sie stattdessen den arbeitsintensivsten Schritt in der Weiterverarbeitung – wie das kontinuierliche Beschicken einer Kaschiermaschine oder das Verpacken. Eine punktuelle Automatisierung mit einem Cobot amortisiert sich am schnellsten
Quellen
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