Warum es beim Großformatdruck nicht mehr nur auf die Maschinengröße ankommt
Was entscheidet heute über den Erfolg im Großformatdruck? Die Antwort ist eindeutig: Ein Zusammenspiel aus Bedruckstoffflexibilität, Präzision im erweiterten Farbraum und geringen CO2-Emissionen. Nach unserem Modell „Drei-Stufen-Druckfreigabe von MINDS“ (MS, High-End-Druckdienstleister für maßgeschneiderte Akzidenzdrucke) achten Markenhersteller heute längst auf mehr als nur Format und Durchsatz. Die erste Hürde ist das Material, die zweite die Farbtreue und die dritte die Einhaltung internationaler Umweltstandards
Großformatdruck (Wide-format printing): Digitale Drucktechnologie für Breiten, die über konventionelle Akzidenzmaschinen hinausgehen (üblicherweise 24 bis über 100 Zoll). Die Hauptanwendungsbereiche umfassen Werbebanner, Fahrzeugvollverklebung (Car Wrapping), Innenarchitektur und Textilien, wobei derzeit ein rascher Trend hin zu energieeffizienten Systemen und umweltfreundlichen Tinten zu beobachten ist
In den letzten ein bis zwei Monaten habe ich deutlich gespürt, dass bei Investitionsgesprächen für neue Großformatdrucker die wichtigste Frage nicht mehr lautet „Wie viele Quadratmeter schafft die Maschine pro Stunde?“, sondern „Wie viele Farben können gedruckt werden und riecht die Tinte unangenehm?“. Ein Blick auf die aktuellen Produktvorstellungen der Hersteller bestätigt dies. MUTOH hat in Europa den XpertJet 1681SR Pro auf den Markt gebracht, eine 8-Farben-Eco-Solvent-Maschine mit erweitertem Rot- und Orangeraum, die sich durch extrem niedrige VOC-Emissionen (flüchtige organische Verbindungen) für Innenräume auszeichnet. Fast zeitgleich wurde in Nordamerika das erste Reggiani NEXT Plus 8-Farben-System von EFI installiert, welches die Farbabstufungen im digitalen Textildruck auf ein neues Qualitätsniveau hebt
Die Debatten der letzten Monate zeigen deutlich, dass sich das Schlachtfeld im LFP-Bereich von der reinen Druckfläche hin zur Farbtiefe und Umweltverträglichkeit verlagert hat. Wenn jede Druckerei Banner mit einer Breite von 64 Zoll oder mehr produzieren kann, wird der Auftrag letztendlich über die Fähigkeit vergeben, anspruchsvolle Sonderfarben exakt nach dem CI-Handbuch des Kunden geruchsneutral zu reproduzieren

Wie verändern sich die Vergabekriterien der Markenhersteller?
Betrachtet man aktuelle Projekte im Messebau und Verpackungsdruck, wird schnell klar: Nachhaltigkeit im Großformatdruck ist mittlerweile ein K.-o.-Kriterium in Pflichtenheften. Dahinter stecken Marketingüberlegungen, vor allem aber der regulatorische Druck sowie Vorgaben aus der vorgelagerten Lieferkette
・ Biobasierte Materialien drängen auf den Markt: Laut den von der Chinesischen Gesellschaft für Druckwissenschaft und -technologie geteilten Trends hat sich biobasierte Verpackung unbemerkt als neuer globaler Standard im Einkauf etabliert. Einkäufer von Markenherstellern fragen heute gezielt mit Mustern aus Pflanzenstärke, PLA und anderen biologischen Substraten mit einzigartiger Haptik direkt bei Druckereien an: „Können Ihre Großformatdrucker dieses Material verarbeiten? Und sind die Tinten biologisch abbaubar?“
・ Massive Veränderungen bei den Rohstoffkosten: Die europäischen Branchendaten für das erste Quartal dieses Jahres verdeutlichen eine harte Realität: Die ökonomische Logik der globalen Altpapierindustrie wird komplett neu geordnet. Veränderte Handelsströme und ein verschärfter Wettbewerb beim lokalen Recycling sorgen dafür, dass die Einkaufspreise und die Lieferstabilität für papierbasierte Großformatmedien täglich schwanken
Wenn der Bedruckstoff nicht mehr die ewig standardisierte PVC-Plane oder das klassische Fotopapier ist, müssen Drucker an der Maschine ständig Farbprofile und Tintenaufträge neu kalibrieren. Aus meiner langjährigen Erfahrung in der Produktion weiß ich: Der Gewinn bei LFP-Aufträgen resultiert heute nicht mehr aus der Maschinenabschreibung, sondern aus dem Know-how bei Materialanpassung und Farbmanagement

Wie kleine und mittlere Druckereien reagieren und Margen sichern können
Gegenüber kapitalkräftigen Konzernen, die ein technologisches Wettrüsten veranstalten, haben kleine und mittlere Druckereien oft flexiblere Überlebensstrategien. Statt auf Messen blind High-End-Spezifikationen nachzujagen, sollten Investitionen gezielt dort getätigt werden, wo sie die konkreten Probleme des bestehenden Kundenstamms lösen
Der Ansatz des US-amerikanischen Farm Bureau ist hierfür ein sehr praxisnahes Beispiel. Vor dem Kauf eines neuen Flachbettdruckers trafen sie eine pragmatische Entscheidung: Auf einer Fachmesse führten sie mit ihren eigenen Medien praktische Tests direkt an der Maschine durch. Bei der heutigen Fülle an unterschiedlichen Öko-Bedruckstoffen ist das Testen eigener Materialien vor dem Maschinenkauf der einzige Weg, spätere Produktionskatastrophen zu vermeiden
Falls Sie sich fragen, wie Sie Ihre Großformat-Systeme modernisieren oder die Bedruckbarkeit neuer umweltfreundlicher Substrate bewerten sollen, hilft Ihnen ein Gespräch mit dem Beratungsteam der MINDS Knowledge Academy. Wir bieten praxiserprobte Methoden von der Maschinenevaluierung über Materialtests bis hin zur Farbstandardisierung, die Ihnen teure Fehlinvestitionen ersparen. Und falls Sie kurzfristig keine großen Investitionen tätigen möchten, steht Ihnen die High-End-Produktion von MINDS (MS) als flexible Kapazitätsunterstützung zur Verfügung
Es sei jedoch betont, dass neuere Druckköpfe und Tinten allein nicht mehr ausreichen, um sich vom Wettbewerb abzuheben. Der von Quocirca veröffentlichte Bericht Marktübersicht für Cloud-Print-Services macht deutlich, dass AI-Integration und Cloud-Architekturen zu den neuen Markteintrittsbarrieren gehören. Im LFP-Alltag müssen automatisches Ausschießen, Schnittpfadoptimierung zur Verschnittminimierung und Farbmanagement über softwaregestützte Workflows gelöst werden, um die Margen zu sichern

Wichtige Erkenntnisse
・ Die Auswahlkriterien für Großformatdrucker verschieben sich von reiner Druckbreite und Geschwindigkeit hin zu erweiterten Farbräumen und der Kompatibilität mit umweltfreundlichen, VOC-armen Tinten
・ Die Nachfrage nach biobasierten und nachhaltigen Materialien seitens der Markenhersteller wird zur festen Vorgabe. Nur Druckereien, die das Farbmanagement auf diesen neuen Substraten beherrschen, sichern sich margenstarke Aufträge
・ Hardware-Investitionen erfordern zwingend vorherige Praxistests mit eigenen Materialien. Zudem müssen Cloud- und AI-gestützte Ausschieß- sowie Farbmanagement-Software eingesetzt werden, um Materialverluste zu minimieren und Gewinne zu maximieren
Denkanstöße
Für Druckdienstleister und Designer entscheidet sich der Erfolg im LFP-Bereich in den nächsten sechs Monaten daran, wer zuerst ICC-Profile für neue umweltfreundliche Bedruckstoffe erstellt und standardisiert. Designer werden immer häufiger außergewöhnliche Materialien anfragen. Die SaaS- und ERP-Systeme der Druckereien müssen in der Lage sein, den Verschnitt und die Preise für diese Spezialmedien schnell zu kalkulieren. Es empfiehlt sich, bereits nächste Woche die Lagerbestände zu sichten, umweltschädliche Medien auszusondern und Testdrucke auf Bio-Substraten mit ausgewählten Stammkunden durchzuführen, um die passenden Produktionsparameter frühzeitig parat zu haben
Weiterführende Literatur
FAQ
- Worauf sollte man beim Kauf eines neuen Großformatdruckers derzeit am meisten achten?
- Achten Sie nicht nur auf Druckbreite und Geschwindigkeit. Bewerten Sie vorrangig die Umweltzertifizierungen der Tinten (z. B. niedrige VOC-Werte), die Erweiterungsmöglichkeiten für Sonderfarben (wie Rot, Orange oder Neonfarben) sowie die Toleranz der Maschine gegenüber dickeren oder unkonventionellen umweltfreundlichen Bedruckstoffen
- Werden Nachhaltigkeit und Umweltvorschriften den Markt für Großformatdruck tatsächlich so schnell beeinflussen?
- Definitiv schneller als gedacht. Viele Markenhersteller müssen Exportvorschriften oder interne ESG-Ziele einhalten. Sie fordern heute selbst für einfache Werbebanner bei Inhouse-Events recyclingfähige Materialien sowie wasserbasierte oder Eco-Solvent-Tinten. Wer das nicht anbieten kann, erhält oft gar nicht erst die Chance zur Angebotsabgabe
- Wie lässt sich das Risiko minimieren, wenn Kunden vermehrt neuartige, unbekannte Öko-Bedruckstoffe anfragen?
- Bestehen Sie konsequent auf einer Andruckfreigabe. Nutzen Sie das Maschinenevaluierungsmodell der MINDS Knowledge Academy, um im Vorfeld gemeinsam mit dem Händler die Grenzen verschiedener Materialien auszutesten. Kalkulieren Sie bei ungewöhnlichen Bedruckstoffen den zusätzlichen Aufwand für die Farbkalibrierung sowie den erhöhten Ausschuss direkt in Ihr Angebot ein, statt diese Kosten selbst zu tragen
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