Warum man bei der Produktionsplanung jetzt auf den Energiemarkt schielen muss
In letzter Zeit höre ich bei Budgetgesprächen mit Kunden fast nur noch Klagen
Die massiven Kapazitätsrückgänge bei Zellstoff und Karton in Nordamerika halten die Materialkosten aufgrund des knappen Rohpapiers ohnehin auf einem hohen Niveau
Zusätzlich haben die Strompreisschwankungen der letzten Jahre die Energiekosten direkt unter die Top 3 der größten Ausgabenposten vieler Druckereien katapultiert
Die französische Druckgruppe Riccobono verbraucht an ihren 11 Standorten jährlich fast 50 GWh Strom
Angesichts explodierender Energiepreise entschieden sie sich, nicht mehr passiv zu bleiben, sondern den Stromeinkauf so strategisch wie den Papierkauf anzugehen
In Zusammenarbeit mit dem Energiemanager Mint Energie brachen sie im ersten Schritt mit den traditionellen Festpreis-Pauschalverträgen
Stattdessen überwachen sie nun die Marktpreise und kaufen Stromkontingente in Tranchen nur dann ein, wenn die Bedingungen günstig sind
Diese Logik entspricht exakt dem Vorgehen bei Termingeschäften oder dem Rohstoffeinkauf

Check der Produktionszyklen: Wo verstecken sich die Energiefresser?
Um die Einkaufsstrategie zu ändern, muss man zuerst wissen, wie man Strom tatsächlich verbraucht
Riccobono betrachtete nicht nur den Hauptzähler, sondern unterzog die Verbrauchsdaten von 2700 Messpunkten einer gründlichen Analyse
Dabei stellten sie fest, dass jede Produktionslinie einen völlig eigenen Rhythmus hat
Standorte für den Zeitungsdruck sind klassische Nachtschwärmer, deren Verbrauchsspitzen sich in der tiefen Nacht konzentrieren
Andere Werke wiederum fressen tagsüber enorme Mengen Strom
Aus meiner über zehnjährigen Erfahrung in der Betriebsberatung weiß ich, dass viele erfahrene Werksleiter die Auftragsplanung rein intuitiv angehen
Wenn man jedoch die Lastspitzen der einzelnen Maschinen auf einem Dashboard visualisiert, kann man präzise disponieren und energieintensive Druckvorgänge in Zeiten mit niedrigeren Strompreisen verschieben
Dank dieser Datentransparenz konnte Riccobono das Dilemma der blinden Ausgaben endlich hinter sich lassen
Wie ein optimierter Stromvertrag Millionen-Gewinne generiert
Manchmal verstecken sich die direktesten Einsparmöglichkeiten in den unscheinbarsten Vertragsklauseln
Ich sage Markenartiklern oft: „Farbreduzierung ist bares Geld“ – die Umstellung einer Verpackung von 6 auf 4 Farben senkt direkt die Kosten
Dasselbe Prinzip gilt für das Energiemanagement
Nicolas Vermogen, Direktor für Energiemanagement bei Mint Energie, wies auf einen blinden Fleck hin: die bereitgestellte Leistung
Allein durch die Anpassung der abonnierten Leistung (vergleichbar mit der Vertragskapazität in Taiwan) für zwei ihrer Werke sparte Riccobono jährlich 50.000 Euro (ca. 1,75 Mio. TWD) an unnötigen Kosten ein
Dies erforderte keine teuren Investitionen in neue Anlagen, sondern lediglich den Abgleich der Verträge mit den tatsächlichen Verbrauchsdaten
Neben der Vertragsoptimierung prüft die Gruppe am Standort Gallargues die Installation von Photovoltaik-Anlagen, womit der Strombezug jährlich um weitere 25 % gesenkt werden soll
Wie sollten KMU in Taiwan auf den Druck von ESG und Strompreisen reagieren?
In letzter Zeit wird viel über den CO2-Fußabdruck im Druckwesen gesprochen. Ich sage immer, man muss dies in die drei Knotenpunkte „Material – Produktion – Logistik“ zerlegen
Im Bereich „Produktion“ ist der Stromverbrauch direkt an die CO2-Emissionen und die Produktionskosten gekoppelt
Viele taiwanische Betriebe denken, sie seien zu klein für ein komplexes Monitoring
Doch die Erfahrung von Riccobono zeigt: Der Hebel zur Kostensenkung liegt oft in den Details, die man als selbstverständlich ansieht
Es geht nicht nur um die Stromrechnung, sondern darum, den Kunden die Kompetenz für eine nachhaltige Produktion zu beweisen
Anstatt passiv auf die nächste Strompreiserhöhung zu warten, sollten Sie jetzt Stromrechnungen und Produktionspläne abgleichen
Sie werden garantiert Spielräume finden, um sofort „überschüssiges Wasser“ aus Ihren Kosten zu pressen

Wichtige Zusammenfassung
・Schließen Sie keine starren Pauschalverträge ab; kennen Sie Ihren Tag-Nacht-Rhythmus, um vorteilhafte Einkaufsstrategien zu entwickeln
・Überprüfen Sie die vertraglich vereinbarte Leistung Ihres Werks; die Reduzierung überschüssiger Kapazitäten wandelt Kosten direkt in Nettogewinn um
・Führen Sie Dashboards zur Visualisierung des Verbrauchs ein; das Verschieben energieintensiver Prozesse in Nebenzeiten ist sofort umsetzbar
・PV-Anlagen und Energiespeicher sind kein ökologischer Schmuck, sondern Investitionen mit einem realen Kostensenkungspotenzial von 25 %
Weiterführende Gedanken
In einer Ära niedriger Margen können wir Gewinne nicht mehr allein durch das reine Auftragsvolumen generieren, sondern müssen sie durch internes Management sichern
Für transformationswillige Betriebe ist die Einführung eines Systems, das Prepress, Druck und Betriebsmanagement vernetzt, der entscheidende Schlüssel
Die One-Stop-Integration, wie sie das MINDS-Team anbietet, hilft Kunden dabei, diese verstreuten Produktionsdaten zu erfassen
Wenn Sie klar sehen, welche Druckmaschine zu welchem Zeitpunkt am meisten Strom verbraucht, haben Sie die Basis für Verhandlungen mit Energieversorgern, für eine optimierte Planung und für überzeugende CO2-Berichte, die internationale Marken überzeugen
Energiemanagement ist kein notwendiges Übel, sondern ein absoluter Wettbewerbsvorteil
Weiterführende Literatur
FAQ
- Wir sind nur eine mittelständische Druckerei. Lohnt sich der Aufwand bei unserem Stromverbrauch überhaupt?
- Absolut. Allein der Abgleich der vertraglich vereinbarten Leistung mit dem tatsächlichen Spitzenverbrauch führt oft zu einer sofortigen Ersparnis bei den Grundgebühren
- Was können wir in der Produktion sofort tun, abgesehen von Vertragsänderungen?
- Verlegen Sie energieintensive Arbeitsschritte so weit wie möglich in Nebenzeiten und stellen Sie sicher, dass Maschinen im Standby-Modus konsequent in den Energiesparmodus wechseln
- Achten Markenartikler wirklich darauf, ob eine Druckerei Energie spart?
- Nach meiner Erfahrung setzen immer mehr internationale Marken den CO2-Fußabdruck auf die Agenda der Lieferantenbewertung. Wer konkrete Daten zur Stromeinsparung vorlegen kann, sichert sich leichter langfristige Aufträge
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