Warum investieren mittelständische Etikettendruckereien gerade jetzt 4 Millionen Euro in die Expansion?
Nach meiner Beobachtung in der Produktion in den letzten Jahren werden mittelständische Druckereien meist durch zwei Faktoren zu hohen Investitionen gezwungen: erstens durch verschärfte Umweltauflagen und zweitens durch den Fachkräftemangel sowie Kapazitätsengpässe
Die niederländische Etiketten- und Verpackungsdruckerei Rembrandt hat kürzlich ein Investitionsprogramm in Höhe von 4 Millionen Euro angekündigt
Dieses Kapital wird zielgerichtet eingesetzt: für digitale Drucksysteme, Automatisierung der Weiterverarbeitung (Finishing) und die Erweiterung der Produktionsstätte
Im Vergleich zu den milliardenschweren Investitionen multinationaler Papierkonzerne ist die Situation von Rembrandt deutlich näher an der Realität mittelständischer Druckereien
Für Unternehmen, die auf Lebensmittel, Getränke sowie Gesundheits- und Schönheitsprodukte spezialisiert sind – Bereiche, die häufige Anpassungen und schnelle Jobwechsel erfordern –, ist eine Investition von 4 Millionen Euro quasi das Ticket für den Markt der nächsten fünf Jahre
Dies zeigt, dass sie erkannt haben, dass die Gewinnmargen bei der standardisierten Massenproduktion schrumpfen und sie durch Automatisierung die Marge bei individualisierten Aufträgen sichern müssen

Wie verändert die europäische Verpackungsverordnung PPWR die Konfiguration von Produktionslinien?
Das Thema, das derzeit für intensivste Diskussionen in der Branche sorgt, sind zweifellos die Auswirkungen der europäischen PPWR (Packaging and Packaging Waste Regulation)
Der Investitionsplan von Rembrandt unterstreicht deutlich, dass sie sehen, wie sich der Markt rasant von Kunststoffverpackungen hin zu papierbasierten Materialien entwickelt
Deshalb rüstet das Unternehmen nicht nur seine Linien für Nassleimetiketten auf, sondern investiert verstärkt in Maschinen für die Verarbeitung von Vollpappe (Solid Board)
Dies bestätigt meine Einschätzung: Wenn Nachhaltigkeit zur verbindlichen Anforderung wird, bestimmt der Wandel der Verpackungsstruktur direkt über den Erfolg der Produktionslinie
・Der Wechsel von Kunststoff zu Karton erfordert den Einsatz anderer Weiterverarbeitungs- und Stanzmaschinen
・Auch die Einkaufsstrategien auf Kundenseite ändern sich; Markenartikler suchen vermehrt nach integrierten Lohnverarbeitern, die sowohl Etiketten als auch Faltschachteln verarbeiten können
Für Druckereien, die Aufträge aus Europa annehmen oder unter dem Druck der grünen Lieferketten ihrer Markenkunden stehen, ist dies ein unmissverständliches Signal für die notwendige Umstrukturierung der Produktion
Wohin bei Platzmangel? Was uns das neue Standortkonzept über die versteckten Logistikkosten verrät
Viele Branchenexperten achten bei Investitionsmeldungen nur auf die High-End-Maschinen, übersehen dabei aber den Wert des Faktors „Raum“
Rembrandt kauft nicht nur neue Technik, sondern verlagert die Karton-Produktionslinie vom bestehenden Standort Aarschot in den Logistikpark am Nieuwlandlaan, nur wenige Kilometer entfernt
Die neue Anlage erstreckt sich über rund 6.000 Quadratmeter, was für einen mittelständischen Betrieb ein beachtlicher Spielraum ist
Noch entscheidender: Der neue Standort bietet eine Lagerkapazität für 4.000 Paletten
In der Druckproduktion sind der Transport und die Zwischenlagerung von Halbfabrikaten zwischen den Maschinen oft ein „schwarzes Loch“, das die Marge auffrisst
・Durch die Bündelung von Produktion und Logistik können ineffiziente innerbetriebliche Transportwege und Arbeitszeiten deutlich reduziert werden
・Ausreichende Pufferflächen eliminieren Kapazitätsengpässe, die bei der parallelen Produktion vieler kleinerer, individualisierter Aufträge entstehen
Diese Strategie, Produktionsplanung und Logistiklayout ganzheitlich zu betrachten, ist der wahre Kern der betrieblichen Effizienzsteigerung

Zusammenfassung der wichtigsten Punkte
・Investitionen mittelständischer Druckereien sollten sich auf die Optimierung von Rüstzeiten und die Automatisierung der Weiterverarbeitung konzentrieren, statt nur die grundlegende Kapazität auszubauen
・Die europäische PPWR zwingt die Branche zur Umstellung von Kunststoff- auf Kartonverpackungen; technologische Upgrades sind hierbei unumgänglich
・Die Optimierung der Intralogistik und Lagerfläche ist ein entscheidender Schritt, um die Gesamteffizienz zu steigern und versteckte Kosten zu senken
・In einem hart umkämpften Markt wird die Fähigkeit, Etiketten und Kartonverpackungen integriert verarbeiten zu können, zum entscheidenden Wettbewerbsvorteil bei der Auftragsakquise
Weiterführende Überlegungen
Für mittelständische Druckereien im Bereich Verpackungsdesign ist die Entscheidung von Rembrandt ein realistischer Maßstab
Man sollte nicht versuchen, mit den Großen beim Kapital oder über den Preis bei Standardprodukten zu konkurrieren, sondern die eigene Flexibilität bei der Verarbeitung verschiedener Materialien (insbesondere ökologischer Karton) prüfen
Bei der Planung der nächsten Investitionsphase in Standort oder Maschinen sollte das Budget nicht allein der Druckmaschine zugutekommen. Es ist zwingend erforderlich, auch den internen Logistikfluss und die Kapazitäten für automatisierte Weiterverarbeitung zu bewerten – nur so lassen sich die Margen im individualisierten Markt sichern und eine nahtlose Service-Integration bieten
Weiterführende Literatur
FAQ
- Warum investieren europäische mittelständische Druckereien derzeit massiv in Hardware?
- Dies wird vor allem durch Umweltauflagen wie die europäische PPWR getrieben. Die Nachfrage nach Kunststoffalternativen (wie Vollpappe) steigt rapide, zudem dient Automatisierung dazu, die Effizienz bei der Weiterverarbeitung signifikant zu steigern
- Müssen sich Druckereien Sorgen wegen der Umstellung von Verpackungsmaterialien machen?
- Wer Exportaufträge ausführt oder internationale Marken beliefert, steckt bereits mitten in diesem Prozess. Markenhersteller gewichten die Fähigkeit eines Lieferanten, alternative Materialien zu verarbeiten, aufgrund regulatorischer Compliance immer höher
- Was wird bei der Planung von Erweiterungen oder Upgrades am häufigsten übersehen?
- Oft wird nur der Platzbedarf der Maschinen berechnet, während der Bedarf an Zwischenlagerplätzen für Halbfabrikate bei diversifizierten Kleinserien unterschätzt wird. Dies führt zu Ineffizienz im Materialfluss und verborgenen Betriebskosten
