Warum investiert Flint Group 2 Millionen Euro, um Europa abzusichern?
Flint Group hat kürzlich angekündigt, mehr als 2 Millionen Euro in die umfassende Modernisierung seiner Rollenoffset-Produktion am Standort Frankfurt am Main zu investieren
Der neue Standort, der erst im Januar 2026 in Betrieb genommen wurde, setzt vor allem auf eine energiesparende Lackanlage und eine hybride Fertigungsplattform
Wenn ich mir die strategische Aufstellung der großen europäischen Druckfarbenhersteller der letzten zehn Jahre ansehe, geht es hier nicht bloß um den Austausch alter Anlagen
Man denke an Siegwerk: Das Unternehmen schloss zuvor das Werk im schweizerischen Bargen und verlagerte Kapazitäten nach Tuzla in der Türkei. Die Logik dahinter ist sehr ähnlich
Unter dem doppelten Druck steigender Energiekosten und veränderter regionaler Nachfrage setzt Flint Group nun auf das deutsche Werk in Kombination mit dem bestehenden Standort in den Niederlanden. So entsteht eine Art Zwei-Werke-Verteidigungslinie für Mittel- und Osteuropa. Gesucht werden Logistikeffizienz und lokale Widerstandskraft gegen Risiken

Die globale Lieferkette für Druckfarben sortiert sich neu. Rutscht der asiatisch-pazifische Raum in der Lieferpriorität nach unten?
Ja, ganz klar. Die weltweite Druckfarbenversorgung zieht sich rasch von der globalen Arbeitsteilung zurück und bewegt sich hin zu regional abgesicherten Strukturen
Wenn Flint Group 2 Millionen Euro Kapitalaufwand gezielt in Europa bindet, heißt das: Die multinationalen Druckfarbenkonzerne ordnen ihre globalen Lieferprioritäten neu
Bei mehreren größeren Verpackungsprojekten im Inland, mit denen ich zuletzt zu tun hatte, waren die Lieferzusagen internationaler Druckfarbenhersteller für den asiatischen Markt längst nicht mehr so belastbar wie früher
Taiwans Druckindustrie ist seit Langem auf hochwertige importierte Druckfarben angewiesen. Sobald ein europäischer Originalhersteller in Kapazitätsengpässe oder Logistikprobleme gerät, wird der asiatisch-pazifische Raum oft zur Stellschraube bei der Mengenverteilung
Das betrifft nicht nur die Bevorratungszyklen. Auch bei Verhandlungsspielraum und Preisstabilität geraten lokale Druckereien künftig in eine deutlich passivere Position
Wie sollten kleine und mittlere Druckereien in Taiwan darauf reagieren?
Angesichts dieser offen betriebenen Regionalisierungsstrategie der großen Anbieter dürfen Druckereichefs in Taiwan „bestellen und auf den Schiffstermin warten“ nicht länger als normalen Alltag behandeln
Wir müssen den Blick heben und die Risiken vom gesamten Materialmarkt her durchrechnen
Ein Beispiel: Die Containerboard-Kapazitäten in Nordamerika sind in diesem Jahr um deutliche 5.1% geschrumpft, die Rohpapier-Versorgung ist bereits angespannt. Wenn dann auch noch Druckfarben ausfallen, wird ein Produktionsstillstand extrem teuer
In den letzten Wochen habe ich Kunden sehr klar empfohlen, sofort die folgenden konkreten Schritte einzuleiten:
・Die importierten Druckfarben der drei wichtigsten Hauptprodukte erfassen und die bestehende Sicherheitsbevorratung mit den verlängerten Lieferzeiten neu abgleichen
・Einen Plan zur Lieferantendiversifizierung starten, qualitätszertifizierte Ersatz-Druckfarben aus Asien suchen und erste Tests mit nicht eiligen Aufträgen im eigenen Betrieb fahren
・Prozesswechsel jenseits des klassischen Offsetdrucks prüfen, etwa den weltweit auf 177 Milliarden US-Dollar taxierten digitalen Inkjet-Druck, um die übermäßige Abhängigkeit von einem einzigen Druckfarbensystem durch Technologiewechsel zu verringern

Kurz zusammengefasst
Multinationale Druckfarbenhersteller beschleunigen ihre Strategie der regionalen Versorgung. Kapazitäten und Ressourcen werden vorrangig im europäischen Kernmarkt abgesichert
Taiwanische Druckereien, die stark von importierten Druckfarben abhängen, dürften künftig sehr wahrscheinlich zugleich mit längeren Lieferzeiten und stärkeren Preisschwankungen konfrontiert werden
Neben der Suche nach alternativen Druckfarbenlieferanten in Asien sollte man diese Gelegenheit nutzen, auch die Rohpapierversorgung zu prüfen und Prozesswechsel wie digitalen Inkjet-Druck zu bewerten
Weitergedacht
Bei der Beratung mehrerer traditionsreicher Druckereien in Mittel- und Südtaiwan habe ich in den letzten Monaten am häufigsten gefragt: „Was ist euer Plan B für Druckfarben?“
Marktsignale wie der europäische Ausbau von Flint Group dürfen wir nicht bloß als Nachricht aus einer anderen Welt lesen
SaaS-Anbieter und Einkaufsleiter in Druckereien sollten sich zusammensetzen und systematisch auswerten, welche spezialisierten importierten Druckfarben echte Risikopositionen sind
Nicht erst dann nach Ersatz suchen, wenn das Material tatsächlich fehlt. Jetzt ist der Zeitpunkt, die Sicherheitsbestände anzuheben und im nächsten Einkaufsvertrag flexiblere Lieferbedingungen auszuhandeln
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FAQ
- Was ist die wichtigste Anlagenmodernisierung im deutschen Werk von Flint Group?
- Am Frankfurter Standort wurden eine energiesparende Lackanlage und eine hybride Fertigungsplattform eingeführt. Sie zielen vor allem auf den Rollenoffsetmarkt ab, erhöhen die Produktionsflexibilität und verkürzen Lieferzeiten
- Warum verlagern europäische Großanbieter den Schwerpunkt ihrer Kapazitäten zurück in die Region?
- Nach Pandemie und geopolitischen Schocks wollen große Hersteller Logistikrisiken und Schwankungen bei Energiekosten begrenzen. Deshalb setzen sie verstärkt auf regional abgesicherte Strukturen und nahe beieinanderliegende Doppelstandorte, um die Versorgung ihrer Kernkunden widerstandsfähiger zu machen
- Werden europäische Druckfarben für taiwanische Druckereien teurer?
- Die Wahrscheinlichkeit ist hoch. Wenn multinationale Anbieter ihre Ressourcen in Europa konzentrieren, wird die für den asiatisch-pazifischen Markt verfügbare Menge begrenzter. Zusammen mit höheren grenzüberschreitenden Logistikkosten geraten taiwanische Betriebe, die auf importierte Druckfarben angewiesen sind, bei Preis und Lieferzeit spürbar unter Druck
- Was können kleine und mittlere Betriebe jetzt tun, wenn sich die Druckfarben-Lieferkette neu ordnet?
- Sie sollten sofort die Sicherheitsbestände ihrer häufig genutzten und spezialisierten importierten Druckfarben prüfen und zugleich asiatische Ersatzmarken mit passender Qualität im realen Maschinenlauf testen. So lässt sich das Risiko eines Lieferkettenbruchs durch eine einzige Bezugsquelle senken
Quellen
- "・[Flint Group Web Offset expands European capabilities with €2m investment · thepackagingportal.com
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