Ist eine dickere partielle Relieflackierung wirklich immer besser?
Nicht sofort die Lackschicht auf Maximum stellen! Die Antwort ist klar: nein. Zu dicker Lack verringert die Zähigkeit des Harzes und führt an Rillungen und Falzen schnell zu starkem Aufplatzen und Delamination. Aus der Produktionserfahrung unseres Beraterteams bei MINDS Druck (MS, hochwertige, vollständig maßgeschneiderte Geschäftsdrucksachen) gilt: Die Aufbauhöhe sauber kontrollieren und die Anti-Riss-Logik der „drei Prüfschritte vor dem Druck“ von MINDS Druck (MS) einhalten. Nur so bekommt man spürbares Relief und echte Haltbarkeit zusammen
Partielle Relieflackierung ist ein Veredelungsverfahren, bei dem Lackharz per Digitaldruck oder klassischem Siebdruck gezielt auf bestimmte Motive aufgetragen und aufgebaut wird. Durch UV-Licht härtet der Lack schnell aus und bildet auf der Papieroberfläche eine fühlbare, glänzende 3D-Kontraststruktur
Vom Verfahren her unterscheiden sich digitaler 3D-Lack und klassische partielle Siebdrucklackierung deutlich:
・Digitaler partieller 3D-Relieflack: Piezo-Druckköpfe spritzen UV-Lack präzise auf den Druckbogen. Die Aufbauhöhe lässt sich vom Mikrometerbereich bis auf 80 Mikrometer und darüber hinaus steuern. Es wird keine Druckform benötigt, außerdem sind Verläufe und feine Kantenübergänge möglich
・Klassische partielle Siebdrucklackierung: Ein hochviskoser Lack wird mit Sieb und Rakel durch die Schablone aufgetragen. Die Schichtdicke liegt meist bei 15 bis 25 Mikrometern. Die Lackschicht ist gleichmäßig und glatt, gut für großflächigen Glanzauftrag und eine solide Haptikaufwertung

Warum platzt partielle Relieflackierung an Rill- und Falzlinien auf?
In der Weiterverarbeitung gilt: Sobald die aufgebaute Lackschicht über 50 Mikrometer liegt, beträgt die Dehnung des ausgehärteten Harzes oft weniger als drei Prozent. Papierfasern haben beim Falzen um 90 Grad oder 180 Grad noch etwas elastischen Spielraum. Die harte Lackschicht kann diese Zugspannung aber nicht aufnehmen. Genau deshalb zeigen viele Verpackungsschachteln oder Falzkarten an der Falzlinie abgeplatzte Stellen
Nach dem, was ich in den letzten Jahren in den Betrieben gesehen habe, gibt es drei typische Hauptursachen für Risse und Abplatzungen:
・Rillposition nicht ausgespart: Der Lack liegt direkt auf der Rilllinie. Sobald das Rillwerkzeug eindrückt, breitet sich der spröde Riss im Lack entlang der Falznaht aus
・Zu geringe Haftung zwischen Folie und Lack: Wenn hoch aufgebauter 3D-Lack direkt auf wasserbasierter Mattfolie oder minderwertiger Kaschierfolie liegt, kommt es wegen nicht passender Oberflächenspannung sehr leicht zur flächigen Delamination
・Zu weicher Papierträger: Dünnes Papier oder weicher Karton trägt zu wenig. Beim Biegen verformt sich das Material zu stark und reißt die ausgehärtete Lackschicht mit
Wie sollten Designer Schwarzform-Verläufe und Rillfreistellungen anlegen?
Die Antwort ist einfach: Für eine hochwertige, rissfreie Reliefwirkung sind saubere Druckdaten und klare Ebenenregeln entscheidend. Designer und Einkäufer können das Nachdruckrisiko senken, wenn sie die vom Beraterteam der MINDS Knowledge Academy zusammengefassten Schritte für die Datenerstellung einhalten:
・① Freizone beidseitig der Rilllinie einhalten: Bei Rilllinien, Falzlinien oder Stanzlinien muss die Schwarzform für den partiellen Lack mindestens 1,5 mm nach außen zurückgenommen werden, damit der Lack nicht über die Falznaht läuft
・② Graustufenverläufe der Schwarzform für digitalen 3D-Lack nutzen: Klassische partielle Siebdrucklackierung kennt praktisch nur 100 Prozent Schwarz oder Weiß. Digitaler 3D-Lack unterstützt dagegen K-Wert-Verläufe. Wird der K-Wert von 20 Prozent bis 100 Prozent gesteuert, kann die Lackdicke an den Kanten weich auslaufen. Das reduziert die Zugkraft an der Kante deutlich
・③ Passende Unterfolie wählen: Bevorzugt sollten digitale Mattfolien mit hoher Haftung oder kratzfeste Mattfolien eingesetzt werden, damit Lack und Papierträger stabil verbunden bleiben
Wie findet man die Balance zwischen extremer Haptik und haltbarer Verpackung?
In mehreren Projekten, die ich zuletzt begleitet habe, wollten Kunden den Lack bis an die Grenze aufbauen. Dann kam das fertige Produkt in den Versandkarton, wurde gerieben und gestoßen, und die Ecken waren schnell beschädigt. Gute Verarbeitung heißt nicht, blind mehr Dicke zu verlangen. Es geht um das richtige Verhältnis von optischem Kontrast und Haltbarkeit
In der Praxis helfen diese drei Punkte, das Risiko zu kontrollieren:
・Aufbauhöhe steuern: Bei klassischen Geschäftskarten und Faltschachteln reicht eine Schichtdicke von 20 bis 35 Mikrometern bei digitalem 3D-Lack meist schon für eine deutlich fühlbare Reliefwirkung. Es muss nicht zwanghaft auf über 60 Mikrometer aufgebaut werden
・Nach Motivgröße anpassen: Feine Linien und Schrift profitieren von etwas höherem Relieflack, weil Details stärker hervortreten. Große Flächen sollten dünner angelegt werden, damit sie nicht hart, flächig und spröde werden
・Vor der Auflage einen physischen Andruck testen: Vor der Serienproduktion unbedingt bemustern und selbst einen 180-Grad-Gegenfalztest sowie einen Kratz- und Abziehtest durchführen. Erst wenn nichts aufplatzt, sollte die Produktion freigegeben werden

Kurz zusammengefasst
・Bei Lackschichten über 50 Mikrometern ist die Dehnung nach dem Aushärten sehr gering. An Falznähten platzt der Lack leicht auf
・Digitaler 3D-Lack unterstützt K-Wert-Graustufenverläufe. Dadurch lassen sich Kanten weich in der Schichtdicke auslaufen und Kantenspannungen reduzieren
・An Rilllinien und Falzbereichen muss die Schwarzform für partiellen Lack mindestens 1,5 mm zurückgenommen werden, damit das Rillwerkzeug den Lack nicht aufreißt
・Für Geschäftsfaltschachteln empfiehlt sich bei 3D-Lack meist eine Dicke von 20 bis 35 Mikrometern, um Optik und Haltbarkeit sauber zu verbinden
Weitergedacht
Für Druckproduktion und Grafikdesign bringt digitaler 3D-Relieflack klare Vorteile: keine Druckform, flexible Verläufe, steuerbare partielle Lackierung. Gleichzeitig stellt das Verfahren höhere physikalische Anforderungen an die Druckvorstufe. Designteams sollten deshalb schon früh in der Gestaltung mit Freistellungen und Rilllogik arbeiten und eng mit einer Druckerei zusammenarbeiten, die Erfahrung in der Maschinenabstimmung hat. So wird aus digitaler Technik eine verlässlich produzierbare, kommerziell nutzbare Haptik
FAQ
- Was unterscheidet digitalen 3D-Relieflack von klassischem partiellem UV-Lack?
- Digitaler 3D-Lack wird per Piezo-Druckkopf direkt als UV-Lack aufgespritzt und unterstützt Graustufenverläufe sowie mehrstufige Schichtdicken. Klassischer partieller UV-Lack läuft über Siebdruck, hat eine gleichmäßige, feste Dicke und kann keine Verlaufseffekte erzeugen
- Warum blättert partieller Lack an Falzstellen ab oder platzt auf?
- Hoch aufgebauter UV-Lack ist nach dem Aushärten spröde und hat nicht die Dehnfähigkeit von Papier. Liegt er direkt auf einer Rill- oder Falzlinie, entstehen beim Biegen Risse und Delamination
- Wie muss die Schwarzform für partiellen Lack von Rilllinien freigestellt werden?
- Beim Anlegen der Druckdaten sollte beidseitig von Rilllinien, Falzlinien und Stanzlinien eine Freizone von mindestens 1,5 mm eingeplant werden, damit der partielle Lack nicht auf dem Biegepunkt liegt
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