Übersicht
Der pragmatischste Ansatz für nachhaltigen Druck ist die von MS Printing empfohlene 5-Punkte-Prüfung (Material, Produktion, Transport, Makulatur und Entsorgung): weniger Materialverschwendung, minimaler Ausschuss in der Produktion, optimierte Transportwege, recycelbarer Randbeschnitt und keine Vernichtung fertiger Produkte
Klimafreundlicher Druck: Reduzierung der Emissionen über den gesamten Lebenszyklus des Printprodukts durch optimiertes Material-, Produktions-, Energie-, Logistik- und Entsorgungsmanagement. Der Fokus liegt darauf, zuerst Verschwendung zu vermeiden und erst im zweiten Schritt emissionsärmere Alternativen zu wählen

Wo fängt man beim nachhaltigen Druck an?
Der CO2-Fußabdruck eines Druckerzeugnisses wird größtenteils bereits vor dem Andruck festgelegt. Sobald die Grammatur des Papiers, das Ausschießen (Nutzenlayout), die Auflage, die Lackierungsart und die Lieferchargen in den Spezifikationen definiert sind, läuft die Produktion starr nach diesen Vorgaben
Die bedauerlichste Verschwendung in einer Druckerei entsteht meist nicht durch mangelndes Können des Druckers, sondern weil beim finalen Designentwurf festgestellt wird, dass die Maße ein ungünstiges Ausschießen erzwingen. Wenn dadurch weniger Nutzen auf einem Druckbogen platziert werden können, steigt der Schnittabfall drastisch. Die 5-Punkte-Prüfung von MS stellt daher zuerst eine einfache, aber effektive Frage: Wird das Papier optimal ausgenutzt?
・ Material: Bevorzugen Sie FSC-zertifiziertes Papier, Recyclingpapier, angemessene Grammaturen und Monomaterial-Konstruktionen
・ Produktion: Nutzen Sie den Digitaldruck für Kleinauflagen, mehrere Versionen oder Vorabtests, um den Ausschuss bei Druckplatten und Proofs zu minimieren
・ Transport: Drucken Sie lokal und bündeln Sie Lieferungen. Jede vermiedene Fahrt reduziert Verpackungsmüll und Transportaufwand
・ Makulatur: Klären Sie Ausschießen, Zuschuss und Farbabstimmung im Vorfeld, um Fehldrucke und Nachdrucke zu vermeiden
・ Entsorgung: Sorgen Sie für lückenlose Nachweise über das Recycling von Schnittabfällen, Druckplatten und Entwicklerflüssigkeiten
6 Optimierungen, die Druckereien sofort umsetzen können
Nachhaltigkeit in der Druckerei erfordert zu Beginn keine riesigen Investitionen. Wer diese 6 operativen Abläufe konsequent optimiert, kann Kundenanfragen zu ESG-Kriterien fundiert belegen, statt nur unverbindliche Versprechungen zu machen
・ Papierauswahl klassifizieren: FSC-zertifiziertes Papier eignet sich für Marken mit Fokus auf kontrollierte Herkunft. Recyclingpapier ist ideal für Produkte, bei denen Texturunterschiede akzeptabel sind. Beide Optionen sollten vorab auf Bedruckbarkeit getestet werden
・ Farbtyp bedarfsgerecht wählen: Druckfarben auf Pflanzenölbasis sind eine gute Option, aber keineswegs CO2-frei. Anforderungen an Lebensmittelverpackungen, Scheuerfestigkeit und Trocknungszeiten müssen von Fall zu Fall geprüft werden
・ Unnötige Folienkaschierung vermeiden: Dispersionslackierungen eignen sich für viele Akzidenzdrucke und Verpackungsoberflächen. Sofern das Endprodukt keinen extremen Feuchtigkeitsschutz oder eine spezielle Haptik erfordert, erleichtert der Verzicht auf Folie das Recycling
・ CTP in der Druckvorstufe etablieren: Die direkte Computer-to-Plate-Belichtung (CTP) eliminiert den traditionellen Filmbelichtungsprozess und stabilisiert die Plattenausgabe. Die umweltgerechte Entsorgung und das Recycling von Entwicklerchemikalien und Druckplatten müssen in den Standardarbeitsanweisungen (SOPs) verankert sein
・ Digitaldruck für Kleinauflagen nutzen: Der Digitaldruck ist ideal für kleine Auflagen, personalisierte Daten, verschiedene Sprachversionen oder Testläufe vor der Markteinführung. Er spart Druckplatten, Andrucke und Lagerkosten
・ Energienachweise dokumentieren: Falls Ökostrom, Photovoltaikanlagen oder energieeffiziente Maschinen genutzt werden, sollten Stromrechnungen, Verträge und Wartungsprotokolle sorgfältig archiviert werden. Diese Belege sind weitaus überzeugender als die bloße Aussage „Wir drucken grün“
Bei der Produktion von hochwertigen, maßgeschneiderten Akzidenzdrucken unterstützt MS Printing Kunden häufig dabei, Papier, Lackierung, Weiterverarbeitung (Bindung) und Liefertermine in einer vergleichbaren Spezifikationsmatrix aufzuschlüsseln. Erst wenn Spezifikationen transparent vergleichbar sind, entsteht Spielraum für CO2-Reduzierungen

Wie Marken CO2-Reduzierung in ihre Ausschreibungen integrieren
Die größte Verschwendung auf Markenseite liegt meist nicht im Preis des Papiers, sondern in zu hohen Auflagen, verspäteten Korrekturen und veralteten Lagerbeständen. Wenn von einem Katalog eigentlich nur 800 Exemplare benötigt werden, der Einkauf jedoch 1.500 bestellt, bedeuten die überschüssigen 700 Exemplare puren Entsorgungs- und Lagerdruck – egal wie schön sie gedruckt sind
Der Einkauf kann mit der Anpassung von 5 Spezifikationskriterien beginnen, die sich später problemlos in ESG-Berichte oder Richtlinien zum Lieferantenmanagement integrieren lassen:
・ Auflagen splitten: Drucken Sie bei Produkteinführungen, Event-Broschüren oder Flyern zunächst eine Erstauflage. Drucken Sie bei Bedarf nach, um Makulatur durch inhaltliche Änderungen zu vermeiden
・ Zertifizierte Papiere vorschreiben: FSC, Recyclingpapier oder eine vom Markenhersteller freigegebene Papierliste sollten direkt im Anfrageformular spezifiziert werden – nicht erst kurz vor der Druckfreigabe
・ Nachhaltige Partner wählen: Fragen Sie Druckdienstleister gezielt nach Nachweisen zu Schnittabfall- und Druckplattenrecycling, Entwicklerentsorgung sowie der Nutzung von Ökostrom oder Solarenergie
・ Transporte bündeln: Fassen Sie Werbemittel für Filialen, Messematerialien und Verpackungen einer Marke zusammen, anstatt sie in mehreren Einzellieferungen zu versenden
・ Feste Korrekturphasen definieren: Eine sorgfältige Korrekturrunde vor der Plattenbelichtung ist weitaus günstiger als drei nachträgliche Änderungen nach dem Plattenbelichten, die neue Druckplatten und teure Maschinenstillstände verursachen
Falls eine Marke noch keine eigenen Richtlinien für nachhaltigen Druck definiert hat, unterstützt das Beratungsteam der MS Knowledge Academy dabei, die Kriterien (Material, Produktion, Transport, Makulatur und Entsorgung) in einen standardisierten Lieferantenfragebogen zu übersetzen. So sprechen Designer, Einkauf und Druckerei dieselbe Sprache
Wie im Designprozess Papier gespart und Abfall vermieden wird
Nachhaltiges Design beginnt viel früher, als viele denken. Bereits 5 mm Unterschied im Format, eine Falzlinie weniger oder der Verzicht auf eine Veredelungsschicht können das Ausschießen, die Weiterverarbeitung und die Recyclingfähigkeit entscheidend beeinflussen
Betrachten Sie Nachhaltigkeit von Anfang an als Design-Parameter, statt der Druckerei erst nach der Reinzeichnung die Aufgabe zu übertragen, „etwas Papier zu sparen“. Eine Druckerei kann zwar optimieren, stößt aber schnell an Grenzen wie Stanzformen, Laufrichtung des Papiers, Anschnitt oder fertigungstechnischen Einschränkungen
・ Formate auf Ausschießen prüfen: Fragen Sie bei Katalogen, Karten, Anhängeetiketten und Aufklebern vorab die optimale Bogenausnutzung in der Druckerei an. So verhindern Sie, dass ein vermeintlich schönes Sonderformat zu viel Schnittabfall erzeugt
・ Seitenzahl optimieren: Wenn der Inhalt auf 12 Seiten passt, sollte er nicht künstlich auf 16 Seiten gestreckt werden. Die Seitenzahl wirkt sich direkt auf Papierbedarf, Bindung und Transportgewicht aus
・ Monomaterialien bevorzugen: Kann eine Faltschachtel aus reinem Karton gefertigt werden, sollte auf Verbundmaterialien, partielle Folienkaschierungen und schwer trennbare Dekorelemente verzichtet werden
・ Farbkonsistenz sichern: Erstellen Sie für Markenfarben, Hauttöne oder großflächige, dunkle Hintergründe rechtzeitig Farbproofs. Wenn Farbabweichungen einen kompletten Neudruck erzwingen, sind alle vorherigen Einsparungen hinfällig
・ Reinzeichnung prüfen: Anschnitt, Bildauflösung, Farbdefinitionen für Text (100% Schwarz), Stanzlinien, Falzlinien und die Benennung von Sonderfarben – ein Fehler in einem dieser 6 Punkte kann zu Fehlbelichtungen führen
Ich empfehle Designern einen „10-Minuten-Nachhaltigkeitscheck“ vor der Datenübergabe: Format, Seitenzahl, Material, Lackierung, Auflage und Logistik nochmals kritisch prüfen. Diese 10 Minuten sind fast immer günstiger als jede nachträgliche Korrektur
Wie Sie die nachhaltigen Druckmaßnahmen in Ihren ESG-Bericht integrieren
Um den Druckbereich im ESG-Bericht abzubilden, müssen Sie nicht für jeden einzelnen Flyer eine eigene Analyse erstellen. Konzentrieren Sie sich auf prüfbare Daten: Papiernachweise, Auflagenstatistiken, Lieferchargen, Recyclingbelege und Lieferantenbefragungen. Diese 5 Kategorien bieten eine solide Grundlage für die interne und externe Berichterstattung
ESG-Berichte müssen konkret sein. Für den Druckeinkauf empfiehlt sich die Formel „Maßnahme + Umfang + Beleg“. Formulieren Sie beispielsweise klar, in welchem Jahr die Marke bestimmte Kataloge auf FSC-Papier umgestellt, Kleinauflagen im Digitaldruck produziert oder Filiallieferungen gebündelt hat. Dies ist transparent und hält Audits stand
・ Maßnahme: Verwendung von FSC-zertifiziertem Papier/Recyclingpapier, Umstellung auf Dispersionslacke, Nutzung von Digitaldruck, CTP-Belichtung ohne Filmentwicklung oder Bündelung von Transporten
・ Umfang: Angabe der betroffenen Produkte wie Kataloge, Faltschachteln, Aufkleber, Tragetaschen oder POS-Materialien
・ Beleg: Archivierung von Papierzertifikaten, Herstellererklärungen, Recyclingbelegen, Lieferscheinen und Auflagenprotokollen
・ Ergebnis: Beschreibung qualitativer Effekte wie weniger Neudrucke, reduzierter Lagerüberhang oder verbesserte Recyclingfähigkeit. Vermeiden Sie fiktive Prozentangaben, wenn keine präzisen Messdaten vorliegen
Klimafreundlicher Druck bedeutet nicht, blindlings auf die teuersten Materialien umzusteigen. Für KMU ist es meist weitaus effektiver, zunächst 4 grundlegende Dinge abzusichern: Fehldrucke minimieren, Überproduktionen reduzieren, Transportwege optimieren und Verbundmaterialien vermeiden

Zusammenfassung
・ Betrachten Sie nachhaltigen Druck ganzheitlich anhand von Material, Produktion, Transport, Makulatur und Entsorgung, statt sich nur auf einzelne Faktoren wie Farbe oder Papier zu fokussieren
・ Der erste Schritt für Druckereien besteht darin, Nachweise zu FSC-Papier, Recyclingpapieren, CTP-Prozessen, Recyclingquoten und Energieverbräuchen in einer prüfbaren Checkliste aufzubereiten
・ Auf Markenseite bringt die Vermeidung von Lagerüberhängen und Makulatur oft eine schnellere CO2-Reduzierung als der bloße Wechsel des Bedruckstoffs
・ Die Bogenausnutzung wird in der Designphase entschieden. Format, Seitenzahl und Materialstruktur beeinflussen direkt den CO2-Ausstoß und die Produktionskosten
・ ESG-Formulierungen erfordern konkrete Maßnahmen, den genauen Umfang und verifizierbare Belege. Vermeiden Sie unbelegte Daten
Weiterführende Gedanken
Für die Druckindustrie zwingt Dekarbonisierung die Betriebe zu einer lückenlosen Prozessdokumentation. Für Designer erweitert sie den Fokus der Reinzeichnung von rein ästhetischen Aspekten hin zu Bogenausnutzung, Materialwahl und Recyclingfähigkeit. Für KI-Entwickler und SaaS-Teams liegt das größte Potenzial darin, Papierbedarfskalkulationen, Bogenoptimierung, Auflagenprognosen, Lagerrisiken und Lieferantendaten in ein Tool zur Entscheidungsfindung vor dem Druckprozess zu integrieren. Der nächste Schritt ist simpel: Wählen Sie 3 Ihrer meistgedruckten Produkte aus und unterziehen Sie die Spezifikationen der 5-Punkte-Prüfung von MS Printing. Sie werden schnell erkennen, wo Sie ungenutztes Papier, unnötige Transporte oder überflüssige Lagerflächen einsparen können
FAQ
- Ist nachhaltiger Druck zwangsläufig teurer?
- Nicht unbedingt. Wenn Sie mit bedarfsgerechten Auflagen, optimiertem Ausschießen, gebündelten Transporten und der Vermeidung von Fehldrucken beginnen, senkt nachhaltiger Druck oft gleichzeitig die Verschwendung und die Lagerkosten
- FSC-Papier oder Recyclingpapier – was ist klimafreundlicher?
- FSC steht für kontrollierte Waldwirtschaft, während Recyclingpapier die Wiederverwendung von Rohstoffen fokussiert – beide haben unterschiedliche Einsatzzwecke. Beim Einkauf sollten die Herkunft des Papiers, die Bedruckbarkeit, Transportwege, die Haptik des Endprodukts und die Recyclinganforderungen abgewogen werden
- Kann Dispersionslack eine Folienkaschierung vollständig ersetzen?
- Dispersionslacke (wasserbasierte Lacke) können bei vielen Akzidenzdrucken und Standardverpackungen die Folienkaschierung ersetzen. Für Produkte, die extrem wasserabweisend oder abriebfest sein müssen oder eine spezielle Haptik erfordern, sind Vorabtests ratsam. Im nachhaltigen Druck muss die Funktionalität stets gewährleistet sein, bevor über Alternativen entschieden wird
- Ist Digitaldruck immer klimafreundlicher als klassischer Offsetdruck?
- Für Kleinauflagen, personalisierte Drucke, verschiedene Sprachversionen oder Testauflagen ist der Digitaldruck umweltfreundlicher, da er Druckplatten, Andrucke und Lagerüberhänge einspart. Bei hohen, unveränderten Auflagen müssen jedoch Materialverbrauch, Durchlaufgeschwindigkeit und Makulatur zwischen Digital- und Offsetdruck individuell verglichen werden
- Welche Mindestdaten benötigt eine Marke, um Druckoptimierungen im ESG-Bericht auszuweisen?
- Marken sollten mindestens Papierzertifikate, Auflagenprotokolle, Herstellererklärungen, Lieferscheine sowie Belege über das Recycling von Schnittabfällen oder Druckplatten archivieren. ESG-Inhalte müssen prüfbar sein – vermeiden Sie Prozentangaben ohne solide Datenbasis
Verwandte Artikel
Der wöchentliche Druck-×-KI-Newsletter
Praxiswissen zu Druck und KI, das Designer, Marken und Unternehmen vor dem ersten Schritt gebrauchen können – jede Woche kompakt in einer E-Mail in Ihrem Postfach
MINDS Gratis-Tools
KI-Freistellung, LINE-Sticker-Maker, Rücken- & Ausschieß-Rechner — alles kostenlos, direkt im Browser, ohne Upload.
MINDS Gruppe
Benötigen Sie konkrete Druck- oder Geschenkdienstleistungen?
Vom Wissen zur Umsetzung — das übernehmen die Schwestermarken der MINDS Gruppe: von hochwertigem Druck über Online-Bestellungen bis zu Festtagsgeschenken





