Überblick
Klimaneutrales Drucken bedeutet nicht, dass im Prozess keinerlei Emissionen entstehen, sondern dass nach präziser Bilanzierung und maximaler Reduktion die verbleibenden Restemissionen durch den Kauf von CO₂-Zertifikaten ausgeglichen werden, um CO₂-Neutralität zu erreichen
Wenn Kunden zu uns, der Maise Druckerei, kommen, um Nachhaltigkeitsprojekte zu bewerten, empfehlen wir stets, zunächst mit konkreter „CO₂-reduzierter Verpackung" zu starten und den CO₂-Fußabdruck vom Papier bis zur Veredelung klar zu erfassen – das bringt langfristig mehr als das bloße Kaufen von Zertifikaten
ISO 14067 (Produkt-CO₂-Fußabdruck): Ein international anerkannter Standard zur Quantifizierung von Treibhausgasen, mit dem die Gesamtemissionen eines Produkts über den gesamten Lebenszyklus – von der Rohstoffgewinnung über die Fertigung und Logistik bis zur Entsorgung – berechnet werden können, um die tatsächlichen Umweltkosten einer Verpackung greifbar zu machen

Ist klimaneutrales Drucken wirklich emissionsfrei?
In Besprechungen mit Marken in den letzten sechs Monaten war die häufigste Frage: „Können Sie klimaneutrale Verpackungen liefern?"
Tatsächlich gibt es in dieser Branche keine Magie – solange Maschinen laufen und Papier transportiert wird, entstehen Treibhausgase
„Klimaneutral" bedeutet in der heutigen Praxis eigentlich „CO₂-neutral": Zuerst wird der CO₂-Fußabdruck ermittelt, dann werden die Emissionen auf Anlagen- und Prozessebene so weit wie möglich gesenkt, und erst der nicht weiter reduzierbare Rest wird über den Ankauf von Zertifikaten kompensiert
Wenn ein Betrieb nicht einmal die Basisdaten zu Strom- und Verbrauchsmaterialien erfasst hat und trotzdem Klimaneutralität ausruft, hat er meistens nur für einen Persilschein bezahlt
Ich habe Projekte gesehen, die sich als klimaneutral bezeichnen, aber bei näherer Betrachtung keinerlei Prozessoptimierung durchlaufen haben
Echte CO₂-Reduktion in der Verpackung setzt an der Quelle an – Material- und Energieeinsatz verringern – das ist schwieriger, aber langfristig solider als nachträgliche Kompensation
Bei einer typischen kommerziellen Faltschachtel lässt sich zum Beispiel durch den Wechsel von klassischer Glanzfolie zu einer wasserbasierten Lackierung ein konkreter CO₂-Effekt erzielen
Wie berechnet eine Druckerei den tatsächlichen CO₂-Fußabdruck?
Der erste Schritt zur CO₂-Neutralität ist immer die Bestandsaufnahme
Kunden halten die Emissionsberechnung oft für eine Art Geheimwissenschaft – zerlegt man sie, bedeutet sie schlicht, den Produktionsprozess offenzulegen
Wir folgen der ISO 14067 und zerlegen einen Auftrag in drei Phasen:
・Material: CO₂-Faktoren für Rohpapier, Druckfarben und Verarbeitungshilfsmittel
・Produktion: tatsächlicher Stromverbrauch für Druckvorstufe, Druckmaschinen, Stanzen und Klebebinden
・Logistik: Energieaufwand für den Transport vom Papierhersteller zur Druckerei sowie für die Auslieferung der Fertigprodukte an den Kunden
Aus meiner Erfahrung mit kleinen und mittelständischen Druckereien ist die Aufteilung des Maschinenstroms meistens der Knackpunkt
Wenn Sie als Einkäufer einer Marke gerade erst in dieses Thema einsteigen und nicht wissen, wie Sie die Daten lesen sollen, können Sie sich an das Beraterteam der Maise Knowledge Academy wenden
Wir starten mit dem Farb- und Ausschussverbrauch aus dem Auftrag und bauen mit Ihnen eine nachvollziehbare Bilanzierungslogik auf – nur so erhalten die Zahlen Glaubwürdigkeit
Wie erkennt der Markeneinkauf Greenwashing-Fallen?
Heutzutage gibt es am Markt jede Menge Umweltlabels und CO₂-Reduktions-Claims – als Einkäufer tappt man schnell in eine Falle
Um zu beurteilen, ob ein Lieferant Greenwashing betreibt, muss man dessen CO₂-Bilanzbericht und die Reduktionsaussagen genau prüfen
In den letzten Jahren habe ich für ausländische Kunden zahlreiche Lieferantenunterlagen gesichtet – ein häufiges Problem ist eine unklar abgegrenzte Bilanz
Manche Berichte berücksichtigen nur den Strom der Druckereimaschinen, schließen aber den weitaus größeren Anteil der Rohpapiere und der Weiterverarbeitung aus – solche Zahlen sehen gut aus, sind aber substanzlos
Bei der Prüfe solcher Berichte sollten Sie auf einige praktische Details achten:
・Bilanzgrenzen prüfen: Der Bericht muss klar auflisten, welche Prozessphasen und Transportwege einbezogen wurden
・Reduktionsmaßnahmen ansehen: Gibt es Belege für den Austausch alter, energieintensiver Anlagen oder den Umstieg auf Ökostrom?
・Herkunft der Zertifikate verfolgen: Wird CO₂-Neutralität beansprucht, muss nachweisbar sein, dass die Zertifikate von einer international anerkannten Stelle stammen und gültig sind
Wo startet man mit CO₂-reduzierter Verpackung?
Wer als Unternehmen nachhaltig agieren will, sollte nicht zuerst viel Geld in Zertifikate stecken, sondern bereits in der frühen Produktplanung den Reduktionsmechanismus anstoßen
Aus meiner langjährigen Beobachtung an der Linie und beim Kunden lässt sich sagen: Ist die Konstruktion erst einmal fertig und das Stanzwerkzeug freigegeben, bleibt beim Thema Emissionen oft nur noch der Kompromiss beim Papier
Greift man früher ein, steigt die Chance, mit minimalem Aufwand maximale CO₂-Reduktion zu erzielen
Bei hochwertigen, voll kundenspezifischen Druckprojekten wenden wir von Beginn an die „Maise Fünf-Felder-CO₂-Reduktions-Map" an:
・① Maximaler Strukturabbau: nicht benötigte Inlays oder Kunststoff-Blister entfernen
・② Materialmonokultur: sicherstellen, dass die Verpackung unkompliziert in den Papier-Recycling-Kreislauf fließen kann
・③ Optimale Maße: Format und Zuschnitt auf die Maschinenbogengröße abstimmen, um Papierverschnitt zu minimieren
・④ Grüne Oberflächenveredelung: Heißfolienprägung oder Blindprägung statt vollflächiger Laminierung
・⑤ Leichtgewicht in der Logistik: Materialstärke reduzieren, um Transportenergie zu senken
So entsteht nicht nur eine prüffähige CO₂-arme Verpackung, sondern häufig sparen Kunden auf diesem Weg auch versteckte Logistik- und Materialkosten

Zusammenfassung
・Klimaneutrales Drucken bedeutet CO₂-Neutralität: erst maximale Reduktion, dann Ausgleich der Restemissionen über Zertifikate
・Bei Lieferantenberichten genau auf die Bilanzgrenzen achten – fehlen Rohpapier und Weiterverarbeitung, ist das meist ein Greenwashing-Alarm
・Die Weichen für CO₂-reduzierte Verpackungen werden in der frühen Produktplanung gestellt; Strukturvereinfachung und Materialmonokultur liefern hier den größten Hebel
Weiterdenken
Für Marken und Designer, die grüne Beschaffung einführen wollen, geht es nicht darum, dem Null-Emissionen-Etikett hinterherzulaufen – entscheidend ist ein klares Verständnis der Material-, Produktions- und Logistikbilanz
Wer bereits beim Stanzlayout den Bogenfaktor und die Recyclingfähigkeit mitdenkt, ist bei der tatsächlichen CO₂-Reduktion ganz vorne mit dabei
FAQ
- Was ist CO₂-neutrales Drucken?
- Nach der Bilanzierung des Produkt-CO₂-Fußabdrucks gemäß ISO 14067 und der Umsetzung von Prozessreduktionen werden die nicht vermeidbaren Restemissionen durch den Kauf international anerkannter CO₂-Zertifikate ausgeglichen, sodass die Netto-Emissionen rechnerisch bei null liegen
- Gilt die Verwendung von Recyclingpapier automatisch als CO₂-reduzierte Verpackung?
- Nicht zwangsläufig – ist der Transportweg des Recyclingpapiers sehr lang oder die Verpackung mit nicht recycelbarer Glanzfolie veredelt, kann der CO₂-Fußabdruck höher ausfallen als bei lokal produziertem Frischfaserpapier; Struktur und Oberflächenveredelung müssen gesamthaft bewertet werden
- Können auch kleine und mittelständische Unternehmen ohne Budget für CO₂-Zertifikate nachhaltig agieren?
- Auf jeden Fall – der Fokus auf konkreter Reduktion, etwa die Optimierung von Verpackungsmaßen zur Verschnittvermeidung oder der Austausch energieintensiver Anlagen, bringt messbaren ökologischen und wirtschaftlichen Nutzen, ganz ohne den Kauf von Zertifikaten
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