Warum braucht die Branche so dringend „leichtes und steifes“ Papier?
Warum die Suche nach „leichtem und steifem“ Papier die Branche antreibt
Nach meiner langjährigen Beobachtung in der Produktion und im Austausch mit Kunden ist das größte Problem der letzten zwei Jahre der Rohstoffmarkt
Insbesondere bei Zellstoff ziehen sich die nordamerikanischen Produktionskapazitäten seit letztem Jahr zurück. Bis 2025 sank die Produktion von Containerboard bereits um mehr als 5 %, was den Angebotsdruck direkt auf die Kosten der Kunden weitergibt
Markenkunden sind ebenfalls aktiv: Unter dem ESG-Druck fordern sie eine Materialreduzierung bei Verpackungen, die Verwendung leichterer Papiersorten und idealerweise nachhaltige Zertifizierungen
Dies bringt Druckereien in ein Dilemma:
・Traditionell erfordert hochwertiger Druck ein glattes, schweres Papier, um eine stabile Farbwiedergabe zu gewährleisten
・Um jedoch die Steifigkeit (Bulk) und eine haptische Stabilität zu erreichen, muss man normalerweise die Glätte opfern, was die Druckauflösung mindert
In der Vergangenheit bedeutete das Erreichen einer glatten Oberfläche bei leichtem Papier (Lightweight Paper) einen hohen Druck im Kalandrierprozess. Das Ergebnis war eine komprimierte Faserstruktur, die wertvolles Volumen und Steifigkeit einbüßte
Dies ist der Grund, warum Voiths neue Technologie für alle Branchenteilnehmer so relevant ist; sie adressiert diesen fundamentalen Widerspruch

Wie schafft Voith EcoCal HiBulk den Spagat zwischen „beiden Anforderungen“?
Wie Voith EcoCal HiBulk den Spagat schafft
Ich sehe es weniger als eine völlig neue Erfindung, sondern eher als eine intelligente Prozessintegration
Voith kombiniert drei bewährte Technologien und ändert damit den Kalandrieransatz. Das Grundkonzept lautet: „Nicht mit roher Gewalt glätten, sondern die Oberfläche gezielt bearbeiten.“
Der Prozess sieht wie folgt aus:
・Erster Schritt: Kühlung des Papierkerns (MCB Cooler): Zuerst wird der Kern des Papiers mit kalter Luft gekühlt, wodurch die Faserstruktur widerstandsfähiger und formstabiler wird
・Zweiter Schritt: Oberflächenaktivierung (OnQ ModuleCal): Unmittelbar vor dem Eintritt in den Walzenspalt wird die „Oberflächenschicht“ des Papiers durch Dampf präzise erwärmt und befeuchtet, damit die Fasern weich und leichter formbar werden
・Dritter Schritt: Sanfte Kalibrierung: Zum Abschluss erfolgt die Glättung durch eine beheizte Walze. Da nur die Oberfläche weich ist, reicht ein geringerer Druck aus, um sie zu ebnen, während der robuste Kern unberührt bleibt und Steifigkeit sowie Dicke erhalten bleiben
Laut Voiths Produktions-Tests in einer führenden europäischen Papierfabrik verbessert diese Methode die Oberflächenglätte erheblich, während die Steifigkeit und das Volumen erhalten bleiben oder sogar gesteigert werden, um das für hochauflösenden Druck erforderliche Niveau zu erreichen
Welche Herausforderungen erwarten Druckereien bei neuen Papiersorten und warum muss das Farbmanagement neu konfiguriert werden?
Herausforderungen für Druckereien: Warum das Farbmanagement angepasst werden muss
Wenn Vertriebsmitarbeiter Angebote für solche neuen „hochvolumigen Leichtpapiere“ einholen, dürfen Einkauf oder Betriebsleitung nicht nur die Daten betrachten und sie einfach wie herkömmliche gestrichene oder ungestrichene Papiere behandeln
Ich wage zu behaupten: Wenn man die vorhandenen ICC-Profile aus der Datenbank direkt anwendet, weichen die Druckergebnisse massiv vom Monitor-Proof ab
Der Grund ist simpel:
・Kontrollverlust beim Tonwertzuwachs (Dot Gain): Sobald die Farbe auf das Papier trifft, verläuft sie je nach Faserabsorption. Der Grad dieses Tonwertzuwachses hängt direkt von den physikalischen Oberflächeneigenschaften ab – und EcoCal HiBulk verändert genau diesen entscheidenden Faktor
・Veränderung der Farbsättigung: Unterschiedliche Oberflächenstrukturen beeinflussen den Glanz nach der Trocknung sowie die Art und Weise, wie Licht reflektiert wird, was sich direkt auf die wahrgenommene Farbsättigung auswirkt
Wenn in der Druckvorstufe kein spezifisches ICC-Profil für dieses neue Papier erstellt wurde, um das Farbverhalten bereits beim Proofing zu simulieren, wird der Farbunterschied erst in der laufenden Auflage entdeckt – ein Desaster
Im besten Fall endet es mit Kundenbeschwerden, im schlimmsten Fall mit einem kompletten Neudruck. Die Kosten und der Vertrauensverlust sind um ein Vielfaches höher als die eingesparten Kosten für die Testreihen
Wie sollten kleine und mittlere Druckereien sowie Designer mit den Herausforderungen neuer Papiermaterialien umgehen?
Wie KMUs und Designer mit den Herausforderungen neuer Materialien umgehen sollten
Mein Rat bei neuen Materialien lautet immer: Erst testen, dann versprechen
Für Druckereien:
・Aufmerksamkeit schärfen: Schulen Sie Einkauf und Vertrieb darin, bei Schlagworten wie „leicht“, „hochvolumig“ oder „nachhaltig“ gezielt nach dem Herstellungsprozess und den Papiereigenschaften zu fragen
・In Prozesse investieren: Sparen Sie nicht an Testkosten. Die Erstellung von ICC-Profilen für neue Papiersorten als Standardprozess zu etablieren, ist die beste Investition in Qualität und Professionalität
・Aktive Kommunikation: Suchen Sie das offene Gespräch mit Papierlieferanten und Markenkunden. Machen Sie deutlich, dass für eine präzise Farbwiedergabe Zeit und Ressourcen für Tests in der Druckvorstufe erforderlich sind
Für Designer und Markeneinkäufer:
・Frühzeitige Abstimmung: Sobald Sie sich für ein nachhaltiges Papier begeistern, besprechen Sie dies umgehend mit der Druckerei. Sie kennen die „Eigenheiten“ des Papiers oft besser als Sie
・Erwartungsmanagement: Erklären Sie Ihrem Vorgesetzten oder Kunden, dass neue Materialien zwar vorteilhaft sind, aber möglicherweise längere Proof-Zeiten und ein etwas höheres Budget erfordern, um ein perfektes Endergebnis zu garantieren
・Muster anfordern: Bestehen Sie unbedingt auf digitale Proofs oder Andrucke „auf dem Zielmaterial“. Prüfen Sie Haptik und Farbe mit eigenen Augen und Händen
Dieser Prozess entspricht genau dem Kern der „One-Stop-Integrated-Service“-Philosophie von MINDS Printing. Wir betrachten nicht nur das Design, sondern beziehen Materialwissenschaft, Farbmanagement und Verarbeitungsprozesse von Anfang an ein, um alle vorhersehbaren Risiken auszuschließen
Zusammenfassung der wichtigsten Punkte
・Voiths neue Technologie ermöglicht eine feine Druckoberfläche bei leichtem Papier, ohne die Steifigkeit zu opfern
・Nachhaltigkeit und Kosteneffizienz sind die Haupttreiber; solche hochvolumigen Leichtpapiere werden in Zukunft immer häufiger eingesetzt
・Die direkte Verwendung alter ICC-Profile führt zu massiven Farbabweichungen; für neue Papiersorten ist ein erneutes Proofing und Farbmanagement zwingend erforderlich
・Designer und Druckereien müssen enger zusammenarbeiten und neue Materialien bereits in der Projektphase testen
Weiterführende Gedanken
Dies ist nicht nur eine technologische Veröffentlichung eines einzelnen Herstellers, sondern ein wichtiger Indikator für den Industriewandel: Die Materialwissenschaft sucht nach Lösungen für den langjährigen Konflikt zwischen „Nachhaltigkeit“ und „Qualität“
Für Druckereien liegt die Wettbewerbsfähigkeit der Zukunft nicht mehr allein in neuen Maschinen oder niedrigen Preisen. Es geht darum, wer ein tieferes Verständnis für Materialien besitzt und die Prozessbeherrschung besser im Griff hat. Die Fähigkeit, upstream-seitige Materialinnovationen in stabile, hochwertige Produkte für den Kunden zu transformieren, ist der entscheidende Wettbewerbsvorteil
Für Designer und Marken bedeutet dies einen neuen kreativen Spielraum, um mit umweltfreundlicheren Materialien ebenso raffinierte oder sogar haptisch wertigere Designs zu realisieren. Dies hängt jedoch davon ab, eng mit einem Druckpartner zusammenzuarbeiten, der die Materialwissenschaft versteht und bereit ist, in die Druckvorstufe zu investieren. Andernfalls kann selbst die beste Idee auf der letzten Meile scheitern
Weiterführende Literatur
FAQ
- Was ist Kalandrieren?
- Es ist einer der wichtigsten Prozessschritte bei der Papierherstellung. Dabei wird die Papieroberfläche mithilfe von Walzen geglättet, um sie für den späteren Druck vorzubereiten. Traditionelle Verfahren beeinträchtigen jedoch häufig die Dicke und Steifigkeit des Papiers
- Warum ist das Farbmanagement bei Leichtpapier besonders schwierig?
- Da die Faserstruktur und die Oberflächenrauhigkeit von Leichtpapier die Farbabsorption und Lichtreflexion direkt beeinflussen, unterscheidet sich der Tonwertzuwachs und die Farbsättigung deutlich von Standardpapieren. EcoCal HiBulk verändert die physikalischen Eigenschaften der Papieroberfläche, wodurch alte ICC-Profile ungültig werden
- Ich bin Designer – worauf muss ich bei der Verwendung dieses neuen Papiermaterials achten?
- Kommunizieren Sie bereits in der Entwurfsphase aktiv mit der Druckerei und fordern Sie unbedingt physische Andrucke auf dem neuen Material an. Vertrauen Sie vor der Freigabe nicht allein auf Bildschirme oder allgemeine Farbfächer, da dies bei neuen Materialien riskant ist
Verwandte Artikel
- Ein Branding-Farbsystem aufbauen: Von der Logogestaltung bis zum Druck – Farbmanagement aus einer Hand
- 600 Millionen Euro in französische Werke: Wo liegt der Überlebensweg für kleine und mittlere Wellpappenproduzenten?
- RGB zu CMYK ohne böse Überraschungen: Die Checkliste eines Druckexperten für die Dateikonvertierung
