Überblick
Recyclingpapier hat eine raue Oberfläche und einen grau-gelblichen Unterton. Die aufgetragene Druckfarbe verläuft leicht, was zu einem sogenannten „Punktzuwachs“ (Dot Gain) führt und das Druckergebnis stumpf wirken lässt
Um dieses Problem zu lösen, weisen wir Designer in der Minds-Wissensakademie stets darauf hin: Bei der Reinzeichnung müssen Bildkontraste erhöht, auf allzu feine Lichterdetails verzichtet und der Gesamtfarbauftrag streng kontrolliert werden
Unter Punktzuwachs (Dot Gain) versteht man das physikalische Phänomen, bei dem sich beim Farbübertrag von der Druckplatte auf das Papier die Rasterpunkte vergrößern. Durch Druckspannung oder das Saugverhalten der Papierfasern wirken Flächen dadurch dunkler und unscharfer

Warum Druckergebnisse auf Recyclingpapier oft verschwommen wirken
Bei jüngsten Kundenbesprechungen ist das Interesse an ESG und nachhaltigen Verpackungen spürbar gestiegen, wodurch Recyclingpapier für viele Marken zur ersten Wahl geworden ist
Viele denken jedoch, es handele sich dabei lediglich um eine gelblichere Variante von gestrichenem Bilderdruckpapier, und senden die Druckdaten unverändert zum Druck. Das Ergebnis ist dann oft verheerend
Der Zellstoff von Recyclingpapier wird aus Altpapier gewonnen, weshalb die Oberfläche ungestrichen bleibt und die Fasern vergleichsweise grob sind
Die Druckfarbe verhält sich beim Auftragen ähnlich wie Wassertropfen auf Küchenpapier – sie verläuft entlang der Papierfasern, was zum bereits erwähnten Punktzuwachs führt
Zudem entzieht der natürliche, grau-bräunliche Eigenfarbton des Papiers den Druckfarben ihre ursprüngliche Sättigung
Schattenstrukturen, die auf dem Monitor noch transparent und detailreich wirkten, laufen auf Recyclingpapier häufig zu einer zeichnungslosen, tiefschwarzen Fläche zu
Reinzeichnung optimieren: So vermeiden Sie stumpfe Farben und Farbabweichungen
Da sich das Material also anspruchsvoll verhält, müssen wir bereits bei den Daten in der Druckvorstufe ansetzen
Gemeinsam mit dem Beratungsteam der Minds-Wissensakademie habe ich bereits zahlreiche Projekte auf Spezialpapieren betreut. Daraus haben sich einige eiserne Regeln für die Bildbearbeitung auf Recyclingpapier herauskristallisiert:
・Bildkontraste drastisch erhöhen: Da der Punktzuwachs dunkle Bereiche zulaufen lässt und helle Partien abdunkelt, muss der Kontrast bei der Reinzeichnung deutlich stärker als üblich angehoben werden, um dem Saugverhalten des Papiers entgegenzuwirken
・Auf feinste Lichterzeichnungen verzichten: Sehr helle Rasterwerte von 1 % bis 5 % lassen sich auf der rauen Papieroberfläche kaum sauber drucken oder wirken fleckig. Es empfiehlt sich, Lichterbereiche plakativ zu gestalten und sauber zu halten
・Die Papierfarbe mit einkalkulieren: Töne wie Hellblau oder pastellene Violetttöne wirken auf gelblichem Recyclingpapier schnell schmutzig und matt. Die Eigenfarbe des Bedruckstoffs muss bei der Farbwahl zwingend berücksichtigt werden
Zu hoher Farbauftrag? Lösungen durch Reduzierung und Sonderfarben
Neben der Bildoptimierung ist die präzise Kontrolle der CMYK-Werte der entscheidende Faktor
Viele Berufseinsteiger im Design neigen dazu, gesättigte, dunkle Töne durch den Zusammendruck aller vier Prozessfarben zu erzeugen – auf ungestrichenem Papier führt dies jedoch unweigerlich zum Misserfolg
Das Saugvermögen des Papiers ist begrenzt. Zuviel Farbe kann nicht aufgenommen werden, was zu Abschmieren (Ablegen) oder dem Zusetzen der Rasterpunkte führt
Daher muss der maximale Gesamtfarbauftrag (TAC – Total Area Coverage) streng limitiert werden. Für Recyclingpapier empfiehlt sich ein maximaler Farbauftrag zwischen 240 % und 260 %
Der Gesamtfarbauftrag (Total Area Coverage) definiert sich als die Summe der Prozentwerte der vier CMYK-Druckfarben, die an einer Stelle übereinandergedruckt werden
Während gestrichene Papiere Werte von über 300 % vertragen, muss dieser Wert bei Recycling- und Naturpapieren bewusst reduziert werden, um Makulatur zu vermeiden
Bei Projekten, die extrem gesättigte Farben erfordern, führt das reine Übereinanderdrucken von CMYK oft zu Problemen. Hier muss die Designstrategie angepasst werden
Minds Printing empfiehlt bei der Abwicklung solcher anspruchsvollen, kundenspezifischen Akzidenzprojekte in der Regel zwei Ansätze:
・Einsatz von Sonderfarben (Spot Color): Durch das Anmischen einer speziellen, gesättigten Druckfarbe entfällt das Risiko, das durch das Zusammendrucken und Verlaufen der vier Prozessfarben entsteht, vollständig
・Großflächige Farbelemente nutzen: Klare, geometrische Farbflächen statt feiner Bildverläufe wirken auf Recyclingpapier oft besonders edel und vermitteln einen präzisen Retro-Look

Zusammenfassung
・Recyclingpapier hat eine raue, saugfähige Oberfläche, wodurch Punktzuwachs unvermeidbar ist. Der Kontrast bei der Reinzeichnung muss daher deutlich stärker angehoben werden als bei gestrichenem Bilderdruckpapier
・Verzichten Sie auf schwache Lichterdetails unter 5 %, um ein unruhiges, fleckiges Druckbild zu vermeiden
・Begrenzen Sie den CMYK-Gesamtfarbauftrag strikt auf unter 260 % oder nutzen Sie direkt Sonderfarben, um die Farbsättigung aufrechtzuerhalten
・Betrachten Sie den natürlichen grau-gelblichen Unterton des Papiers als fünfte Farbe und meiden Sie zarte Pastell- oder Hellblautöne, die leicht schmutzig wirken können
Weiterführende Überlegungen
Nachhaltige Verpackungen aus Recyclingpapier erfordern mehr als nur den Austausch des Bedruckstoffs; sie setzen physikalisches Grundwissen sowohl im Design als auch in der Produktion voraus
Statt sich erst an der Druckmaschine über das Druckergebnis zu ärgern, sollten Einschränkungen wie der „Papierunterton“ und der „Punktzuwachs“ bereits in der frühen Entwurfsphase Teil der visuellen Strategie sein
Wird künftig KI zur Bildgenerierung im Designprozess eingesetzt, sollten bereits die Prompts feine Farbverläufe und zu dunkle Szenen vermeiden, um von Anfang an Bilddaten zu erzeugen, die für ungestrichene Materialien optimiert sind
FAQ
- Was ist Punktzuwachs und warum tritt er auf Recyclingpapier besonders stark auf?
- Das Vergrößern der Rasterpunkte durch das Verlaufen der Druckfarbe auf dem Papier. Da Recyclingpapier ungestrichen und grobfaserig ist, besitzt es ein starkes Saugverhalten, wodurch das Verlaufen weitaus ausgeprägter ist als bei gestrichenem Bilderdruckpapier
- Wie hoch sollte der Gesamtfarbauftrag (TAC) bei Recyclingpapier eingestellt werden?
- Es wird empfohlen, den Wert zwischen 240 % und 260 % zu halten. Dadurch wird verhindert, dass ein zu hoher Farbauftrag das Papier überfordert und zu Abschmieren (Ablegen) oder einem verwaschenen Druckbild führt
- Wie lassen sich auf Recyclingpapier sehr gesättigte Farben erzielen?
- Verzichten Sie auf den CMYK-Zusammendruck und setzen Sie stattdessen direkt auf Sonderfarben (Schmuckfarben) oder nutzen Sie klare, großflächige Farbelemente, um das Design zu betonen
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