Warum FESPA einen eigenen Corrugated-Bereich einrichtet
Die diesjährige FESPA Global Print Expo lief vier Tage lang in der Fira de Barcelona, vom 19. bis 22. Mai, mit insgesamt sechs parallelen Sub-Messen: FESPA Global Print Expo, European Sign Expo, Personalisation Experience, WrapFest, Textile – und erstmals Corrugated. Es ist das erste Mal, dass FESPA Wellpappe aus der Nische „eine Anwendung im Großformatdruck" herauslöst und als eigene Messe positioniert
Die Botschaft im Hintergrund ist eindeutig. Wellpappe war bisher die Domäne großer Papierfabriken und erstklassiger Verpackungshersteller – Maschineninvestitionen im zweistelligen Millionenbereich, ein Thema weit entfernt vom Alltag der meisten kleinen und mittleren Druckereien. Doch in den letzten Jahren sind digitale Inkjet-Wellpappmaschinen von B1 und B2 bis hinunter zu kleinen Einzugformaten verfügbar geworden; selbst eine UV-Digitalmaschine plus ein Flachbett-Cutter reichen aus, um eine Kurzauflagen-Linie aufzubauen. Genau diese Lücke besetzt FESPA: eine Messe, auf der mittelständische Corrugated Converter neue Chancen anfassen können, ohne durch das Großevent internationaler Papierkonzerne gehen zu müssen
Die wichtigsten Kennzahlen (offizielle FESPA-Veröffentlichung):
・Der Corrugated-Bereich zog 1.257 Fachbesucher aus 40 Ländern an
・71 % der Teilnehmer waren Direktoren, CEOs, Owner oder Manager
・71 % verfügen über finale Entscheidungsbefugnis
・Das mittlere Beschaffungsbudget der Besucher belief sich auf 177 Mio. €
Dass eine Premieren-Submesse diese Dichte erreicht, hatte FESPA selbst nicht erwartet. Corrugated-Botschafter Nick Kirby sagte nach der Messe öffentlich: „Ich habe lange auf diese Messe gewartet – angesichts der Resonanz vor Ort können wir eine sehr gelungene Premiere bilanzieren."

Welche Probleme der klassischen Prozesse löst digitale Wellpappe wirklich
Die Pain Points klassischer Wellpappkartons kennt jeder, der sie erlebt hat:
・Plattenherstellung erfordert Proof, Farbabstimmung und Rasterwalzen-Lieferzeit – Kurzauflagen rechnen sich schlicht nicht
・Die Mindestauflage liegt schnell bei mehreren Tausend Stück; Marken, die A/B-Tests für Verpackungen, regionale Limited Editions oder saisonale Kurzauflagen fahren wollen, sind damit außen vor
・Von der Designfreigabe bis zum fertigen Karton vergehen zwei Wochen, im schlechtesten Fall ein Monat
・Displays für POS/POP, die „Design plus Konstruktion plus schnelle Iterationen" verlangen, sind mit klassischem Flexodruck kaum machbar
Mit dem Einzug digitaler Wellpappe verändert sich das strukturell:
・Keine Platten: Inkjet-Direktdruck spart Proof- und Rasterwalzenkosten
・Keine Mindestauflage: ein einziges Stück ist druckbar – ideal für Muster, Limited Editions, Aktionszeiträume
・Keine langen Vorlaufzeiten: von der Designfreigabe bis zur Produktion sind 24 bis 48 Stunden machbar
・Variable Daten: jeder Karton mit eigener Seriennummer, eigenem Promotion-Text, eigener Regionalversion – die Maschine steht nicht still
Genau deshalb sind Canon, Durst, EFI, HP und Kongsberg Precision Cutting Systems, die ohnehin Teil der FESPA-Community sind, in diesem Jahr alle eingestiegen. Auch die klassischen Wellpappausrüster Bobst, Koenig & Bauer, ePS und Advantive waren vertreten. Digital und klassisch im selben Messebereich im Dialog – das ist das Bild, das man sich von der Corrugated-Premiere merken sollte
Bobsts Marketing- und Kommunikationsmanager Frederic Goudard bringt es auf den Punkt: „Das ist die zentrale Plattform, um Insights auszutauschen, Trends zu erkunden und Beziehungen zu stärken – Beziehungen, die die Zukunft der Verpackungsindustrie bestimmen."
Was diese Signale für taiwanesische Mittelständler konkret bedeuten
Übersetzt man die 1.257 Besucher, 177 Mio. € Budget und 71 % hochrangige Entscheider in die Situation Taiwans, sehe ich drei Signale:
Erstens: Der Marktschwerpunkt verlagert sich von „Volumen" zu „Wert"
Taiwans Wellpappe-Verpackungshersteller sind seit über einem Jahrzehnt auf Volumen und niedrige Margen in der Lohnfertigung getrimmt – die Marge hängt am Papier- und Frachtpreis. Die Besucherstruktur der FESPA zeigt: Europäische und amerikanische Marken zahlen heute bereitwillig höhere Stückpreise für „schnelle Reaktion, Designqualität und variable Daten". Scodix-COO Amit Shvartz erklärte vor Ort unumwunden, sein Unternehmen sei auf der Messe, um „Verbindungen zu Schlüsselentscheidern aufzubauen, Kundenbeziehungen zu vertiefen und die neuesten Innovationen zu zeigen". Dass ein Anbieter für digitales Finishing die Wellpappmesse als Schlüsselstandort behandelt, zeigt: Der Markt kauft Mehrwert – nicht den Karton selbst
Zweitens: Die Einstiegsschwelle für digitale Wellpappmaschinen ist auf das Niveau angekommen, das Mittelständler stemmen können
Canon, Durst und EFI haben in Barcelona allesamt UV-Digitalmaschinen im mittleren Produktionsformat für Wellpappe ins Rampenlicht gerückt, kombiniert mit Kongsberg-Flachbettcuttern. Damit lässt sich eine Kurzauflagen-Linie im Grunde aus einer Druckmaschine plus einem Cutter zusammensetzen. Für taiwanesische Mittelständler ist die Investitionsschwelle nicht mehr das frühere „verbissen mehrere Millionen investieren", sondern wieder eine UV-Direktdruckmaschine plus Peripherie
Drittens: Die Schnittstelle vom Kartonagen-Lohnfertiger zum Markenverpacker ist geöffnet
Displays für POS/POP wurden traditionell so gefertigt, dass der Verpackungshersteller die Konstruktion und die Druckerei die Bedruckung lieferte – jeder machte seinen Teil, dann wurde zusammengefügt. Digitale Wellpappe erlaubt es einem einzelnen Anbieter, von der Konstruktion bis zur Oberfläche in einem Durchgang zu produzieren; die Zwischenstationen fallen weg. Für taiwanesische Mittelständler heißt das: Man muss nicht den Volumenaufträgen der großen Verpackungshersteller hinterherjagen, sondern den „One-Stop-Workflow von Design bis Regal" der Markenkunden. Mathew Faulkner, Marketing- und Innovationsdirektor bei Canon EMEA, brachte es vor Ort treffend auf den Punkt: „FESPA ist die beste Bühne, um die On-Demand-Produktivität des Digitaldrucks über zahlreiche vertikale Märkte hinweg zu zeigen."

Wie taiwanesische Anbieter in den nächsten 24 Monaten reagieren können
Betrachten Sie die FESPA nicht als Nachricht, sondern als Auftragssignal-Landkarte. Konkrete Schritte, die sich umsetzen lassen:
・Untersuchen Sie Ihre bestehenden UV-Bogen- oder UV-Roll-to-Roll-Maschinen: Lassen sie sich durch neue Tinte, Platten oder Druckköpfe so umrüsten, dass sie Wellpappen-Obermaterial bedrucken? Viele Maschinen teilen sich Plattformen – ein Modul für dickeren Substrattransport reicht oft schon, um Wellpappe zu bedrucken
・Identifizieren Sie 2 bis 3 lokale Markenkunden und pilotieren Sie Kurzauflagenserien für Limited Editions, Aktionszeiträume und regionale Varianten. Kaufen Sie nicht zuerst eine Maschine, sondern validieren Sie über Outsourcing die Preisstruktur
・Investieren Sie in einen Flachbett-Cutter, ergänzend zur bestehenden Linie, und positionieren Sie „Display plus POS/POP in einem Durchgang drucken und schneiden" als Kernprodukt – genau das ist der Sweet Spot, den klassische Verpackungshersteller am schwersten bedienen und den Digitaldruckereien am leichtesten besetzen können
・Bauen Sie parallel den internen Workflow vom Design bis zum Druck auf, sodass „Korrektur bis Maschine" innerhalb von 24 Stunden gelingt. Das ist der eigentliche Wettbewerbsvorteil digitaler Wellpappe – wichtiger als jede Maschine
・Behalten Sie Nachhaltigkeit und FSC-zertifizierte Substrate im Blick. Europäische Käufer werden ihre Anforderungen an Recyclingpapier und CO₂-arme Beschichtungen weiter verschärfen – wer die Material-Lieferkette früh aufsetzt, gewinnt Aufträge leichter

Zusammenfassung
・Digitale Wellpappe öffnet Kurzauflagen, Limited Editions und Verpackungen mit variablen Daten erstmals für Mittelständler – die klassische Plattenschwelle ist kein Limit mehr
・Die FESPA-Corrugated-Premiere mit 1.257 Besuchern, 71 % hochrangigen Entscheidern und einem mittleren Budget von 177 Mio. € zeigt: Europäische und amerikanische Markenkunden verschieben ihren Beschaffungsschwerpunkt von „Volumen" zu „Wert"
・Digitale Wellpappmaschinen plus Flachbett-Cutter sind bereits eine für Mittelständler finanzierbare Linien-Kombination – entscheidend ist nicht die Hardware, sondern der Workflow „Design bis Maschine in 24 Stunden"
・Die Chance für taiwanesische Anbieter liegt nicht im Kampf um große Kartonagen-Volumina, sondern in der neuen Workflow-Kette „Display plus Markenverpackung plus Kurzauflage"
・Nachhaltigkeit und zertifizierte Substrate sind die unsichtbare Eintrittskarte für europäische und amerikanische Aufträge – je früher man das aufsetzt, desto besser
Weiterführende Überlegungen
Aus meiner Erfahrung in Produktion und Kundenarbeit wird die Welle der Wellpappen-Digitalisierung nicht an der Druckstufe haltmachen, sondern weiter nach oben ziehen: Designteams der Marken müssen sich an einen Rhythmus ohne Proof- und Plattenvorlauf gewöhnen, Verpackungsdesigner müssen „wie wird das auf dicker Pappe gedruckt statt auf gestrichenem Papier" mitdenken, und Druckereien müssen ihre Rolle von „Lohnfertiger" zu „Berater für Markenverpackungen" neu definieren. Für MINDS ist genau jetzt der richtige Zeitpunkt, Pre-Press-Design, Druckvorstufe, digitale Wellpappe und Flachbett-Cutting als integrierte One-Stop-Linie zu bündeln – damit der Kunde nicht mehr drei, sondern nur noch einen Ansprechpartner braucht. Für taiwanesische Mittelständler ist dies nicht der Moment zum Abwarten, sondern um im kleinsten Rahmen ein bis zwei Marken-Kurzauflagen zu pilotieren und Preisstruktur sowie Liefertreue zu validieren. Wenn europäische und amerikanische Einkäufer bis 2027 digitale Wellpappe in ihre reguläre Supply Chain aufnehmen, werden Anbieter ohne Projekterfahrung vor der Tür bleiben
Weiterführende Lektüre
FAQ
- Was ist FESPA Corrugated – und warum findet es in diesem Jahr erstmals statt?
- FESPA Corrugated ist der Wellpappen-Bereich, den die FESPA Global Print Expo 2026 in Barcelona erstmals eigenständig eingerichtet hat. Er lief vom 19. bis 22. Mai 2026 parallel zu fünf weiteren Sub-Messen und soll mittelständischen Wellpappen-Verarbeitern eine eigene Plattform bieten, die Wachstumschancen des Digitaldrucks im margenstarken Kurzauflagen- und Display-Geschäft bündelt
- Wo ist der digitale Wellpappendruck dem klassischen Flexodruck überlegen?
- Digitaler Wellpappendruck nutzt Inkjet-Direktdruck: keine Platten, kein Proof, keine Mindestauflage. Von der Designfreigabe bis zur Produktion sind 24 bis 48 Stunden machbar, und jedes Stück lässt sich mit individuellen variablen Daten versehen – ideal für Limited Editions, regionale Varianten, A/B-Tests bei Verpackungen und Display-Kurzauflagen
- Ist der Einstieg in digitale Wellpappe für taiwanesische Mittelständler nicht zu früh?
- Angesichts der UV-Digitalwellpappmaschinen im mittleren Format, die Canon, Durst und EFI in diesem Jahr auf der FESPA in den Vordergrund gestellt haben, liegt die Einstiegsschwelle bei einer UV-Direktdruckmaschine plus Flachbett-Cutter. Empfehlung: Piloten Sie zunächst im Outsourcing 2 bis 3 Marken-Kurzauflagen, validieren Sie die Preisstruktur und entscheiden Sie dann über einen Maschinenkauf
- Warum sind POS/POP-Displays der Sweet Spot für digitale Wellpappe?
- Displays verlangen Designqualität, Konstruktion und schnelle Iterationen – mit klassischem Flexodruck kaum zu leisten. Digitale Wellpappe erlaubt es einem einzelnen Anbieter, vom Obermaterial bis zur Konstruktion in einem Durchgang zu drucken und zu schneiden. Damit entfallen die Schnittstellenkosten zwischen Verpackungshersteller und Druckerei – ein margenstarkes Produkt, das für Mittelständler besonders leicht erschließbar ist
- Worauf ist bei europäischen und amerikanischen Aufträgen für digitale Wellpappe zu achten?
- Neben Maschine und Linienkonfiguration ist die Lieferkette für nachhaltige und FSC-zertifizierte Substrate frühzeitig aufzusetzen. Die Anforderungen europäischer Käufer an Recyclingpapier und CO₂-arme Beschichtungen werden weiter steigen – das ist die unsichtbare Eintrittskarte für Aufträge
Quellen
- "・[FESPA Corrugated 首秀成功:數位印刷如何重塑瓦楞包裝與展示架價值鏈 · fespa.com
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