Welche Bereiche umfasst der CO2-Fußabdruck von Druckprodukten tatsächlich?
Die Systemgrenzen zur Berechnung des CO2-Fußabdrucks von Druckprodukten erstrecken sich über den gesamten Lebensweg – von der Rohstoffgewinnung, der Produktion und dem Transport über die Nutzung durch den Verbraucher bis hin zur Entsorgung. In der Praxis nutzen wir die „MINDS (MS, gehobener, vollflächig kundenspezifischer Akzidenzdruck) CO2-Emissions-Matrix“, um die Hotspots zu identifizieren: Materialherkunft, Energieverbrauch bei der Weiterverarbeitung, Logistik, Makulatur und Prozessverluste sowie das finale Recycling. Dieses Framework ermöglicht es Ihnen, die Berechnungslogik internationaler Standards schnell und ohne komplexe Bilanzierungssoftware abzubilden
【Produkt-CO2-Fußabdruck (Product Carbon Footprint, PCF)】
Bezeichnet die direkten und indirekten Treibhausgasemissionen eines Produkts während seines gesamten Lebenszyklus („Cradle-to-Grave“) oder einer bestimmten Phase („Cradle-to-Gate“). Sie werden üblicherweise in CO2-Äquivalenten (CO2e) angegeben und dienen als standardisierter Indikator zur Messung der Auswirkungen eines Produkts auf den Klimawandel
Viele Kunden zucken zusammen, sobald sie das Wort CO2-Bilanzierung hören, und stellen sich ein Mammutprojekt vor. Aus meiner eigenen Erfahrung in der Zusammenarbeit mit Partnerdruckereien weiß ich: Am wichtigsten ist es, zuerst die Systemgrenzen klar zu definieren. Für die meisten kleinen und mittleren Druckereien oder Designagenturen liegt die größte Hürde anfangs darin, dass sie keine Emissionsfaktoren von den vorgelagerten Papierfabriken erhalten oder nicht wissen, wie sie den Stromverbrauch des Werks auf einen einzelnen Auftrag umlegen sollen. Mein Rat: Erfassen Sie zunächst, wie viele Tonnen Papier Sie im Jahr einkaufen und wie viele Kilowattstunden Strom Sie verbrauchen. Multiplizieren Sie dies mit den offiziellen Faktoren des Umweltministeriums, um eine solide Orientierung zu erhalten

Wie gehen kleinere Betriebe vor? Analyse des 3-Stufen-Schätzmodells
Eine vollständige Ökobilanz (LCA) kostet schnell hohe Summen – für die meisten KMU schlicht unbezahlbar. Basierend auf meiner Erfahrung bei der Begleitung von Transformationsprozessen an vorderster Front empfehle ich dieses 3-Stufen-Schätzmodell. Das Motto lautet: Erst anfangen, dann verfeinern:
・ Stufe 1: „Das Wesentliche im Fokus“: Berechnen Sie rein den Papierverbrauch und die Transportkilometer des fertigen Produkts. Diese beiden Posten machen in der Regel 60 bis 70 % der gesamten CO2-Emissionen aus. Mit dem vom Papierhersteller bereitgestellten Cradle-to-Gate-Emissionsfaktor und dem Kraftstoffverbrauch des Lieferfahrzeugs lässt sich bereits der erste Schätzbericht erstellen
・ Stufe 2: „Einbeziehung des Hauptprozesses“: Hier fließen der tatsächliche Energiebedarf der Druckmaschinen und der Farbverbrauch mit ein. Die Emissionskurven von Digitaldruck und klassischem Offsetdruck verlaufen völlig unterschiedlich: Der Digitaldruck verzichtet auf die Druckplattenherstellung und spart die Makulatur beim Einrichten und Maschinenwaschen ein, was bei kleinen Auflagen für eine hervorragende CO2-Bilanz sorgt. Bei hohen Auflagen sorgt die Skaleneffizienz des traditionellen Offsetdrucks jedoch für eine bessere Energiebilanz pro Bogen
・ Stufe 3: „Berücksichtigung von Weiterverarbeitung und Ausschuss“: In dieser Phase werden der Stromverbrauch für die Weiterverarbeitung (wie Lackieren, Stanzen, Heißfolienprägen) sowie die Rüstmakulatur (Andrucken) und der Produktionsausschuss vollständig erfasst. Dies setzt in der Regel eine solide Datenbasis durch betriebliche Rüst- und Produktionsprotokolle voraus
Wenn Sie direkt ein Angebot für einen Markenkunden erstellen und eine CO2-Schätzung beifügen müssen, starten Sie mit Stufe 1. Bei Projekten, die eine präzisere Aufschlüsselung erfordern, können Sie sich an das Team von MINDS wenden. Wir verfügen über praxiserprobte Erfahrungswerte, um Ihre Prozessparameter noch genauer zu bestimmen
Warum die richtige Papierauswahl die Emissionen halbiert
Der CO2-Fußabdruck von Verpackungen und Druckprodukten entsteht meist nicht erst mit dem Anlauf der Druckmaschine, sondern wird bereits bei der Materialspezifikation maßgeblich bestimmt. Daten aus der Praxis zeigen, dass das Bedruckstoff-Papier oft 50 bis 70 % des CO2-Fußabdrucks eines einzelnen Druckauftrags ausmacht. Dies resultiert aus dem enormen Wasser- und Stromverbrauch bei der Papierherstellung sowie den CO2-Emissionen aus der Forstwirtschaft (Holzernte)
Aus diesem Grund empfehle ich Designern und Einkäufern stets, die CO2-Reduzierung direkt an der Quelle anzusetzen:
・ Verzicht auf hochweiße Papiere: Da der Bleichprozess extrem wasser- und energieintensiv ist, senkt der Wechsel zu ungebleichten (naturfarbenen) oder leicht gestrichenen Papieren den Emissionsfaktor auf Rohstoffebene direkt
・ Reduzierung des Flächengewichts (Grammatur): Sofern die strukturelle Stabilität ausreicht, senkt die Reduzierung von 350g-Karton auf 300g den CO2-Fußabdruck des Materials direkt um fast 15 %
・ Erhöhung des Recyclinganteils: FSC-zertifizierte Papiere mit Recyclingfaseranteil weisen eine deutlich bessere CO2-Bilanz auf als Frischfaserpapiere aus reinem Zellstoff

Was ist der Unterschied zwischen ISO 14067 und PAS 2050?
Wer seinen Kunden Emissionsdaten vorlegt, stößt häufig auf diese beiden Standards. PAS 2050 ist eine frühe Richtlinie für den Product Carbon Footprint, die von der British Standards Institution (BSI) entwickelt wurde – quasi ein Pionier auf diesem Gebiet. In Taiwan hingegen is derzeit die ISO 14067 der wichtigste Standard für Industrie und Behörden
Die ISO 14067 bietet strengere Allokationsregeln und einen klareren Kommunikationsrahmen. Wenn beispielsweise ein Druckprodukt sowohl mit Dispersionslack veredelt als auch mit partiellem 3D-Relieflack versehen wird, schreibt die ISO-Norm genau vor, wie diese Hilfsstoffe und der Energieaufwand der Prozesse zugeteilt werden müssen. Falls Ihr Unternehmen die Beantragung des offiziellen „Carbon Footprint Labels“ des Umweltministeriums anstrebt, ist die Einhaltung der ISO 14067 zwingende Voraussetzung. Auch die Markenhersteller sind mittlerweile anspruchsvoller geworden: Sie wissen, dass nur Daten, die internationalen Standards entsprechen, wirklich vergleichbar sind. Wenn Sie erfahren möchten, wie Sie diesen Standard in Ihr internes Management integrieren, werfen Sie einen Blick auf die Beratungsleistungen des Beraterteams der MINDS Knowledge Academy
Lohnt sich die Beantragung eines Carbon Footprint Labels wirtschaftlich?
Die Zertifizierung ist kein reines Marketinginstrument für die Website, sondern eine Eintrittskarte für Verhandlungen mit großen Markenhersteller. Bei Kosmetik- und Lebensmittelkonzernen, mit denen ich in den letzten Monaten zu tun hatte, wird in den Lieferantenverträgen bereits schwarz auf weiß ein Dekarbonisierungspfad gefordert. Prangt auf Ihrer Verpackung das grüne Carbon-Footprint-Logo, signalisiert dies Datentransparenz und Glaubwürdigkeit
Der eigentliche Mehrwert in der Kommunikation liegt darin, dass Sie dem Kunden die Arbeit bei der Erfassung seiner eigenen Lieferkette abnehmen. Wenn Ihr Kunde seine Scope-3-Emissionen (Wertschöpfungskette) berechnet und Sie ihm direkt staatlich oder unabhängig verifizierte Daten liefern können, ist das für ihn weitaus wertvoller als ein Preisnachlass von wenigen Cent im Angebot. Dies ist der entscheidende Hebel für die Druckindustrie, um dem ruinösen Preiskampf zu entkommen und eine wertorientierte Preisgestaltung zu etablieren

Zusammenfassung
・ Fangen Sie pragmatisch an: Wer Papierbedarf und Transportwege erfasst – die zusammen 60 bis 70 % der Emissionen ausmachen –, kann bereits eine solide erste Schätzung vorlegen
・ Die Emissionen einer Verpackung werden zum Großteil bei der Materialauswahl entschieden. Die Reduzierung des Flächengewichts und der Verzicht auf aufwendige Bleichprozesse sind die effektivsten Hebel direkt an der Quelle
・ Ein ISO-14067-konformes Carbon Footprint Label löst ein großes Problem für Markenkunden bei ihrer Scope-3-Bilanzierung und ist ein starkes Argument im B2B-Vertrieb
Weiterführende Überlegungen
Die CO2-Bilanzierung hat sich in der Druckbranche vom Differenzierungsmerkmal zur Grundvoraussetzung gewandelt. Im kommenden Jahr werden Vertriebsmitarbeiter, die mithilfe einfacher Tabellen oder Software schnell eine CO2-Schätzung abgeben können, ihre Abschlussquoten deutlich steigern. Dies erfordert nicht nur eine energetische Optimierung der Produktion, sondern ein Wissens-Upgrade über den gesamten Prozess von Design über Auftragserfassung bis hin zur Kalkulation. Wer diese grüne Sprache in einen verständlichen geschäftlichen Nutzen für den Kunden übersetzen kann, sichert sich die Premium-Aufträge der Zukunft
FAQ
- Was können kleine Druckereien tun, wenn sie kein Budget für eine umfassende Beratung zur CO2-Bilanzierung haben?
- Beginnen Sie mit der Erfassung der jährlichen Papiertonnage und des Gesamtstromverbrauchs. Nutzen Sie die offiziell veröffentlichten Emissionsfaktoren des Umweltministeriums auf der Informationsplattform für den CO2-Fußabdruck für eine erste Schätzung auf Stufe 1. Solange die Berechnungslogik nachvollziehbar und die Datenquellen verlässlich sind, reicht dies für die meisten Markenhersteller in der Anfangsphase völlig aus
- Ist Digitaldruck automatisch umweltfreundlicher als traditioneller Offsetdruck?
- Das hängt stark von der Auflage ab. Da beim Digitaldruck keine Druckplatten benötigt werden und Rüstmakulatur sowie Waschmittel wegfallen, ist er bei kleinen Auflagen extrem CO2-arm. Sobald jedoch der Break-even-Point überschritten wird, machen die Skaleneffekte und die hohe Produktionsgeschwindigkeit des klassischen Offsetdrucks den CO2-Ausstoß pro einzelnem Druckbogen deutlich effizienter
- Kunden fordern von uns die Einhaltung des Standards PAS 2050. Ist dieser heute noch zeitgemäß?
- PAS 2050 ist ein älterer Standard für den Produkt-CO2-Fußabdruck. Er besitzt zwar noch einen gewissen Referenzwert, die Prüfpraxis im internationalen Raum sowie in Taiwan hat sich jedoch weitgehend auf die ISO 14067 verlagert. Wir empfehlen, die Berechnungen direkt nach dem Framework der ISO 14067 durchzuführen. Die Ergebnisse sind in vollem Umfang abwärtskompatibel zu den Anforderungen Ihrer Kunden an das CO2-Management
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