Überblick
Viele meiner Kunden diskutieren heute nicht mehr nur darüber, ob ein bestimmtes Gesetz verabschiedet wird, sondern wohin sich der Trend bei nachhaltigen Verpackungen insgesamt bewegt. Der Druck in dieser Hinsicht wird spürbar realer
Das viel diskutierte EPR-Verpackungsgesetz in New York wurde vor Ende der diesjährigen Legislaturperiode letztlich nicht verabschiedet. Manche mögen deshalb aufatmen, doch ich muss warnen: Betrachten Sie das keinesfalls als Entwarnung. Es verlagert lediglich den Druck von einer regionalen Gesetzgebung hin zu einer allgemeineren Anforderung für den Marktzugang

EPR ist nur das Eintrittsticket: Warum Marken anfangen, sich „freiwillig“ mehr aufzubürden
Basierend auf meiner langjährigen Beobachtung in der Produktion und im Austausch mit Kunden ist die EPR (Extended Producer Responsibility) – ob in Europa oder Kalifornien – bereits eine Grundvoraussetzung für Exportmarken. Sie ist das Eintrittsticket, kein Bonus
Der wahre Druck verschiebt sich nun auf das freiwillige Handeln der Marken. Ein deutlicher Indikator dafür sind die jüngsten Daten zur Kunststoffoffenlegung durch das CDP (ehemals Carbon Disclosure Project). Der Bericht zeigt: Selbst ohne gesetzlichen Zwang geben bereits 43 % der befragten Unternehmen ihre Kunststoffverbrauchsdaten freiwillig preis
Das bedeutet: Markt, Investoren und Verbraucher stimmen mit den Füßen ab. Sie zwingen Marken zur proaktiven Offenlegung ihrer Nachhaltigkeitsbemühungen. Dieser Druck wird unweigerlich auf die gesamte Lieferkette übertragen – insbesondere auf uns als Partner in der Druck- und Verpackungsindustrie
Wie reagieren Marken? Zwei der pragmatischsten Wege: Refill und Lightweighting
Marken sind diesem Druck nicht hilflos ausgeliefert. Aktuelle Trends in der Branche zeigen zwei klare Strategien als bevorzugte Lösungen:
・Weg 1: Refill (Nachfüllsysteme)
Der europäische Verpackungshersteller Elopak setzt hier ein deutliches Zeichen. Sie haben den Karton, der ursprünglich für Milchprodukte gedacht war, für Waschmittel-Nachfüllpackungen optimiert und in den fünf nordischen Ländern eingeführt. Das zeigt: Das „Einweg“-Denken wandelt sich. Verpackungen sollen nun einen zweiten oder dritten Lebenszyklus erhalten
・Weg 2: Lightweighting (Gewichtsreduzierung)
Ein weiteres Beispiel ist der Glasverpackungshersteller Vetropack. Sie haben eine wiederverwendbare, gewichtsreduzierte Weinflasche auf den Markt gebracht. Ein geringeres Gewicht bedeutet einen kleineren CO2-Fußabdruck beim Transport. Für die traditionsbewusste und qualitätsorientierte Weinindustrie ist das ein wichtiges Signal
Hinter beiden Ansätzen – Refill und Lightweighting – steckt die Logik, das „Gesamtvolumen“ zu reduzieren. Der eine reduziert den Gesamtabfall, der andere die Materialmenge und Transportlast. Für Marken ist das die direkteste, messbarste und gegenüber Verbrauchern am leichtesten zu kommunizierende Strategie
Was bedeutet das für die Lieferkette in Taiwan?
Wenn Marken auf Refill-Systeme und Lightweighting umsteigen, bringt das direkte Herausforderungen und Chancen für unsere Druckereien, Designer und Materiallieferanten in Taiwan:
Erstens werden die Anforderungen an Materialien strenger. Kunden verlangen leichtere, dünnere Materialien, die dennoch Schutz bieten und eine exzellente Druckqualität gewährleisten. Dies stellt unser Wissen in der Materialwissenschaft auf die Probe
Zweitens wird die Frequenz von Designanpassungen zunehmen. Um neue Verpackungsformate zu adaptieren (z. B. flexible Folien für Refill-Beutel oder Etiketten für Leichtglasflaschen), ändern Marken ihre Designs häufiger. Druckereien benötigen daher agilere digitale Prepress-Prozesse und schnelle Prototyping-Fähigkeiten
Drittens muss die Kommunikation in der Lieferkette weiter nach vorne verlagert werden. Designer können sich nicht mehr nur auf Ästhetik konzentrieren; sie müssen bereits in der Entwurfsphase Material, Druckverfahren und Recyclingwege mitdenken. Druckereien müssen sich vom passiven Auftragnehmer zum Berater entwickeln, der nachhaltige Verpackungslösungen bietet
Dieser Wettbewerb prüft nicht mehr nur die Technik einer einzelnen Druckerei, sondern die Integrationsgeschwindigkeit der gesamten Lieferkette von der Konzeption über das Material bis zur Produktion

Zusammenfassung
・EPR-Gesetze sind heute eine Grundvoraussetzung für Exportmarken; der eigentliche Druck kommt vom Markt und der freiwilligen Offenlegungspflicht
・Marken nutzen Plattformen wie das CDP, um ihren Kunststoffverbrauch proaktiv offenzulegen, was neue Standards für den Marktzugang schafft
・Refill und Lightweighting sind aktuell die pragmatischsten und verbreitetsten Wege, um dem Nachhaltigkeitsdruck zu begegnen
・Die taiwanische Lieferkette muss Kompetenz für neue Materialien, agilere Prozesse für Designanpassungen und eine stärkere Beratungskompetenz aufbauen
Weiterführende Überlegungen
Für kleine und mittlere Unternehmen sowie Designbüros in Taiwan ist diese globale Welle nachhaltiger Verpackungen sowohl eine Herausforderung als auch eine Chance für den Wandel. Ich empfehle folgende Ansätze:
・Druck und Fertigung: Wer nur an traditionellem Papier und klassischen Farben festhält, verliert den Anschluss. Sie sollten jetzt beginnen, Mono-Material-Verpackungen, recycelbare Beschichtungen und Etikettenlösungen für gewichtsreduzierte Flaschen zu erforschen. Schlagen Sie diese Ihren Marken-Kunden aktiv vor, um Ihre Trendkompetenz zu beweisen
・Marken und Design: Integrieren Sie schon in der Designphase das Denken in Kreisläufen (Circular Design). Überlegen Sie: Wo landet diese Verpackung, nachdem der Verbraucher sie genutzt hat? Geht sie in den Recycling-Kreislauf, oder ist sie leicht nachfüllbar? Das beeinflusst direkt Ihre Materialwahl und strukturelle Gestaltung
・Komplettlösungen: Der entscheidende Wettbewerbsfaktor in der Zukunft ist die „Integrationsgeschwindigkeit“. Von der Auswahl nachhaltiger Materialien und Circular Design über schnelle digitale Proofs bis hin zur Serienproduktion – Kunden suchen Partner, die Komplettlösungen aus einer Hand bieten, statt sich durch verschiedene Ansprechpartner zu arbeiten. Genau hier liegt der Kernwert von Anbietern wie MINDS Printing
Weiterführende Literatur
FAQ
- Was ist EPR und was hat das mit mir zu tun?
- EPR steht für „Extended Producer Responsibility“ (Erweiterte Herstellerverantwortung). Das bedeutet, dass Marken für das Recycling und die Entsorgung ihrer Produktverpackungen verantwortlich sind. Dieser Druck wird direkt auf Sie als Teil der Lieferkette übertragen, da man von Ihnen umweltfreundlichere und leichter recycelbare Verpackungslösungen verlangt
- Warum sollte ich mir Sorgen machen, wenn das Gesetz in New York nicht verabschiedet wurde?
- Weil Marken nicht auf eine gesetzliche Regulierung warten. Sie legen ihren Kunststoffverbrauch bereits freiwillig über Plattformen wie das CDP offen. Dies etabliert sich zu einer informellen Marktregel und einer neuen Zugangsbarriere, die weit über den Einfluss einer einzelnen regionalen Gesetzgebung hinausgeht
- Wo sollte mein Unternehmen beim Thema nachhaltige Verpackungen anfangen?
- Beginnen Sie damit, Ihre bestehenden Verpackungen zu inventarisieren. Seien Sie ehrlich zu sich selbst: Wie viel Kunststoff verwenden Sie, und wie schwer ist die Verpackung? Man kann nicht steuern, was man nicht messen kann. Eine datengestützte Analyse ist der erste Schritt, um Möglichkeiten für „Refill“ oder „Lightweighting“ zu finden
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