Warum stellen EU-Zollbehörden und Markenhersteller „biobasierte“ Materialien infrage?
Bei den jüngsten Meetings mit Kunden aus dem Europa-Geschäft ging es kaum noch um Preise, sondern vor allem um eine Frage: Gehen unsere Verpackungen überhaupt durch den Zoll?
In den vergangenen Jahren galt „biobasierter Kunststoff“ bei vielen Herstellern als Allheilmittel für nachhaltige Verpackungen. Man glaubte, pflanzliche Rohstoffe garantierten eine reibungslose Zollabfertigung
Eine kürzlich von der EU in Auftrag gegebene Studie zur PPWR (Verpackungs- und Verpackungsabfallverordnung) hat diese Illusion nun jedoch zerstört
Der Bericht stellt unmissverständlich klar, dass die Probleme bezüglich der Recyclingfähigkeit und Toxizität biobasierter Kunststoffe im bestehenden Entsorgungssystem noch keineswegs gelöst sind
Unter den strengen Kriterien der PPWR können biobasierte Materialien daher nicht mehr automatisch mit umweltfreundlichen Alternativen gleichgesetzt werden
Die europäischen Zoll- und Aufsichtsbehörden achten darauf, wo das Verpackungsmaterial letztlich verbleibt und ob dabei Giftstoffe freigesetzt werden, nicht darauf, wie natürlich es bei der Auslieferung klingt

Warum haben L'Oréal und Kraft Heinz es so eilig?
Der Startschuss für diesen Wandel ist längst gefallen, und die Reaktionen der großen Marken zeigen deutlich, wohin die Reise geht
Ein gutes Beispiel sind L'Oréal und Kraft Heinz: Wie im Bericht von Packaging Insights erwähnt, haben beide Unternehmen bereits begonnen, verstärkt in kleinere Pilotprojekte zum Kunststoffrecycling zu investieren
Der Antreiber dahinter ist nicht nur die europäische PPWR, sondern auch das kurz vor dem Inkrafttreten stehende EPR-Gesetz in Kalifornien (SB 54)
Diese globalen Milliardenkonzerne leiden unter enormem Compliance-Druck, da die strengen gesetzlichen Vorgaben das Thema Nachhaltigkeit von einer reinen Marketingausgabe in ein hohes Bußgeldrisiko verwandelt haben
Sie müssen den Regulierungsbehörden fristgerecht nachweisen, dass die flexiblen Verpackungen ihrer Produkte tatsächlich recyclingfähig sind
Dies verändert die gesamte Beschaffungslogik in der Lieferkette grundlegend: Marken kaufen Zulieferern nicht mehr blind „pflanzliche Materialien“ ab, sondern fordern Lösungen, die real in bestehenden Recyclinganlagen verwertet werden können
Wie sollten kleine und mittlere Unternehmen reagieren? Welche Verpackungen sucht der Einkauf?
Da Markenhersteller von einer passiven Haltung zur aktiven Risikovorsorge übergehen, müssen Verpackungs- und Druckdienstleister, die für westliche Marken erreichen, sofort umdenken
Die Zeiten, in denen man Aufträge sichern konnte, indem man ein grünes Blatt auf den Produktkatalog druckte und mit „Hergestellt aus biobasierten Materialien“ warb, sind vorbei
In den letzten Monaten habe ich deutlich gespürt, dass Einkäufer internationaler Konzerne bei den Materialspezifikationen als Erstes nach Daten und Zertifikaten verlangen
・Bereitstellung vollständiger LCA-Berichte (Life Cycle Assessment) zum Nachweis des CO2-Fußabdrucks und der Umweltauswirkungen
・Angabe präziser Recyclingquoten statt vager Materialbezeichnungen
・Nachweis international anerkannter Zertifizierungen für Kompostierung oder Recycling durch Drittanbieter, um Compliance-Anforderungen direkt im Angebot zu verankern
Dies ist zu einer handfesten Handelsbarriere geworden. Wer am schnellsten wissenschaftliche Belege liefert, die den DfR-Richtlinien (Design for Recycling) entsprechen, wird sich in dieser Umstrukturierung der Lieferketten langfristige Aufträge sichern

Zusammenfassung der Kernpunkte
・EU-Studien belegen, dass Recyclingfähigkeit und Toxizität biobasierter Kunststoffe ungeklärt sind; sie gelten im Rahmen der PPWR nicht automatisch als rechtskonforme, umweltfreundliche Materialien
・Marken wie L'Oréal investieren angesichts kalifornischer EPR-Gesetze und neuer EU-Vorgaben verstärkt in physische Recyclingprojekte. Einkaufsstandards verlagern sich klar auf die tatsächliche Recyclingfähigkeit
・Zulieferer müssen den Marketing-Mythos „biobasiert = umweltfreundlich“ ablegen und stattdessen LCA-Berichte sowie Zertifizierungen von Drittanbietern als primäre Instrumente zur Auftragsgewinnung nutzen
Weitere Überlegungen
Für Druckdienstleister und Verpackungsdesigner bietet sich hier die hervorragende Chance, sich vom bloßen Materialverkäufer zum Compliance-Dienstleister zu entwickeln. Wenn Sie Kunden, die unter Regulierungseffekten leiden, proaktiv Verpackungsoptionen mit fundierten LCA-Daten und DfR-konformem Design anbieten, entkommen Sie dem Preiskampf. Es empfiehlt sich, die flexiblen Verpackungen und Folienmaterialien im eigenen Sortiment umgehend zu überprüfen und Produkte auszusortieren, die zwar mit Marketingversprechen glänzen, aber keine Recyclingdaten vorweisen können. Zudem sollte die Einführung automatisierter Systeme zur Verwaltung von CO2-Fußabdrücken und Compliance-Dokumenten in Betracht gezogen werden, damit jedes Angebot direkt regulatorischen Schutz bietet
Weiterführende Literatur
FAQ
- Was sind biobasierte Kunststoffe und warum akzeptiert die EU sie derzeit nicht?
- Biobasierte Kunststoffe sind Kunststoffe, die teilweise oder vollständig aus Biomasse hergestellt werden. EU-Studien zeigen jedoch, dass sie in bestehenden Systemen schwer recycelbar sind und Toxizitätsrisiken bergen, weshalb sie die strengen Kriterien der PPWR nicht erfüllen
- Welche Relevanz hat das kalifornische EPR-Gesetz für taiwanesische Zulieferer?
- Das kalifornische EPR-Gesetz schreibt vor, dass Verpackungen recyclingfähig oder kompostierbar sein müssen. Dies setzt westliche Markenhersteller dem Risiko hoher Strafzahlungen aus, weshalb sie den Compliance-Druck direkt an asiatische Verpackungslieferanten weitergeben
- Was passiert, wenn kleine und mittlere Unternehmen keinen LCA-Bericht vorlegen können?
- Wenn die Beschaffungsstandards großer Konzerne auf harte Daten statt Marketing-Slogans umgestellt werden, werden Auftragshersteller ohne LCA-Berichte oder Zertifizierungen von Drittanbietern direkt aus der engeren Lieferantenauswahl ausgeschlossen
- Mit welchen Verkaufsargumenten sollten Verpackungsmaterialien derzeit beworben werden?
- Verzichten Sie auf vage Werbeaussagen über pflanzliche Herkunft oder Natürlichkeit. Fokussieren Sie sich stattdessen direkt auf die Einhaltung der DfR-Richtlinien (Design for Recycling) und legen Sie konkrete Recyclingquoten sowie Zertifikate zur Schadstofffreiheit vor
Quellen
- "這場賽局的哨聲早已響起,大品牌的動作最能說明市場風向", "以 [Packaging Insights 報導 · packaginginsights.com
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