Was wurde aus diesem Entwurf gestrichen?
Gestrichen wurden die Hebel, die bis zur Produktion reichen: Die Kontrolle von Primärkunststoff-Produktion und -Verbrauch, Production Reporting, Monitoring und Handlungspflichten nach Wirkungsbewertungen – all das wurde laut einem Bericht von Packaging Insights vom 11. August 2026 von der Environmental Investigation Agency als geschwächt oder entfernt kritisiert
Das Global Plastics Treaty (Globales Plastikabkommen) ist ein vom UN Environment Programme (UNEP) verhandeltes, rechtsverbindliches Abkommen. Einfach gesagt: Staaten wollen ein einheitliches Regelwerk, um die Verantwortung für Kunststoff von Design und Produktion bis zur Entsorgung zu steuern
Die Environmental Investigation Agency (EIA) ist eine NGO, die sich auf Umweltkriminalität und Schadstoffkontrolle fokussiert. Amy Youngman, Referentin für Recht und Politik bei der EIA, kritisierte, dass der Begriff „Production“ in Klammern gesetzt oder ganz gestrichen wurde und auch Monitoring- sowie Bewertungsmechanismen geschwächt wurden
Für mich lässt sich das nicht einfach als konservativere Wende in den internationalen Verhandlungen abtun. Für die Verpackungslieferkette bedeutet die fehlende Herstellerverantwortung zwar, dass im Gesetzestext vorerst eine harte Vorgabe fehlt. Marken müssen sich aber trotzdem derselben Frage stellen: Wie viel Neukunststoff steckt wirklich in der Verpackung, wie viel Rezyklat wird genutzt, und lassen sich die Daten lückenlos belegen?

Warum können Marken nicht warten, bis das Abkommen steht?
Marken können nicht abwarten, bis das Abkommen final steht. Die Einkaufsbewertungen der Kunden sind meist schneller als Gesetze – vor allem FMCG-Kunden aus Europa, den USA und Japan nehmen die Offenlegungskompetenz längst in ihre Lieferantenfragebögen auf
EPR (Extended Producer Responsibility, Erweiterte Herstellerverantwortung) verlagert die Kosten für Recycling, Entsorgung und Deklaration von Verpackungen auf Marken und die vorgelagerte Lieferkette, statt die Last beim Müll enden zu lassen. In den Verpackungsprojekten der letzten Jahre spüre ich deutlich: EPR ist längst kein reines Rechtsthema mehr, sondern ein zentrales Einkaufskriterium
Der Zeitplan muss klar sein. Laut Packaging Insights ist das nächste informelle HODs-Treffen in Bangkok für den 27. bis 30. September 2026 angesetzt; INC-5.4 steuert auf Verhandlungen im Jahr 2027 zu. Marken sollten sich jetzt nicht fragen, wann das Abkommen in Kraft tritt, sondern ob Kunden in diesem Übergangsfenster von 2026 bis 2027 bereits vorab Daten von ihren Lieferanten einfordern
Keine Panik
Für kleine und mittlere Marken bedeutet das nicht, Hals über Kopf alle Packstoffe auf Papier umzustellen. Pragmatischer ist es, bestehende Verpackungen in vier Spalten aufzuschlüsseln: Material, Lieferant, Einsatzzweck und Risiko. So sprechen Einkauf, Design und Druckerei von denselben Daten
Welche Fragen kommen zuerst auf flexible Verpackungen, Etiketten und beschichtetes Papier zu?
Bei flexiblen Verpackungen, Etiketten und beschichtetem Papier wird zuerst nach Materialherkunft und Recyclingfähigkeit gefragt, nicht bloß nach der Druckoptik
PCR (Post-Consumer Recycled, Rezyklat aus Haushalts- und Gewerbeabfällen) stammt aus Kunststoffen, die nach dem Gebrauch durch Endverbraucher recycelt wurden. Der Einkauf nutzt diesen Wert, um zu prüfen, ob wirklich weniger Primärmaterial eingesetzt wird. Primärkunststoff ist dagegen neu aus fossilen Rohstoffen hergestelltes Plastik ohne Rezyklatanteil
In der Praxis greife ich mir zuerst die drei Produktgruppen heraus, bei denen Marken am häufigsten nachhaken:
・Flexible Verpackungen: Folientyp, Verbundschichten, Druckfarben, Kaschierklebstoffe, PCR-Einsatzfähigkeit sowie Einschränkungen beim Lebensmittelkontakt müssen sich lückenlos über Lieferantendokumente belegen lassen
・Etiketten: Obermaterial, Klebstoff, Trägerpapier und Schutzlaminat beeinflussen den Recyclingprozess. Gerade bei Flaschenetiketten reicht die vage Floskel „umweltfreundliches Material“ nicht mehr aus
・Beschichtetes Papier: Bei Papier mit PE- oder PLA-Beschichtung muss das Verhältnis von Papier zu Kunststoff klar aufgeschlüsselt sein. Nur weil es wie Papier aussieht, gilt die Plastikreduktion noch lange nicht als erledigt
Diese Artikel haben ein gemeinsames Problem: Druckereien archivieren oft nur Arbeitsaufträge und Farbangaben. Fragt die Marke nach Polymer Type, PCR Certificate oder Supplier Declaration, müssen die Daten mühsam nachrecherchiert werden – das kostet Zeit und führt schnell zu Widersprüchen

Welche Daten sollten mittelständische Druckereien jetzt aufbereiten?
Mittelständische Druckereien sollten zuerst Herkunftsnachweise strukturieren, statt vorschnell Materialien auszutauschen. Ich nutze die „Drei Mai-Strategy-Materialfragen“, um Datenbestände vorab zu vervollständigen
Eine BOM (Bill of Materials, Stückliste) schlüsselt das Endprodukt in Papier, Folie, Farbe, Klebstoff, Veredelung und Lieferantenversionen auf. Bei Verpackungsprojekten bringt sie weit mehr als jeder ESG-Slogan. Plant eine Marke einen Relaunch ihrer Exportverpackungen, kann MINDS dabei unterstützen, Druckspezifikationen, Materialwahl und Lieferantendokumente vorab abzustimmen – damit nach dem Design-Freeze keine Compliance-Lücken klaffen
Die „Drei Mai-Strategy-Materialfragen“ klingen simpel, wirken aber:
・Woher stammt das Material: Lieferant, Handelsname, Chargennummer und Materialerklärung müssen zusammenpassen
・Was steckt darin: Primärmaterial, PCR, Papierträger, Beschichtung, Druckfarben und Klebstoffe müssen getrennt erfasst werden
・Wie wird das Endprodukt belegt: Fertigungsauftrag, BOM, Revisionsstand, Liefercharge und Kundenfreigaben müssen eine geschlossene Kette bilden
Das reicht fürs Erste
Vielen Druckereien fehlt es nicht am Know-how für nachhaltige Verpackungen, sondern an gebündelten Daten, die zwischen Einkauf, Druckvorstufe, Vertrieb und Lager verstreut sind. Erst wenn diese Daten geordnet vorliegen, lassen sich PCR-Anteile, Monomaterialien, Schichtreduzierungen oder Refill-Konzepte fundiert umsetzen
Wie kommunizieren Marken Nachhaltigkeit, ohne zu übertreiben?
Marken müssen zuerst die Systemgrenzen ihrer Verpackung klar definieren, bevor sie über Verbesserungen sprechen. Die Debatte um das globale Plastikabkommen zeigt deutlich: Ohne transparente Offenlegung verkommen Nachhaltigkeitsaussagen schnell zu leeren Versprechen
ISO 14021 (Umweltkennzeichnungen und -deklarationen – Eigenverpflichtung) verlangt konkrete, überprüfbare Umweltaussagen ohne vage Formulierungen. Wenn Marken auf Verpackungen, Websites oder Katalogen mit Begriffen wie „umweltfreundlich“, „recycelbar“ oder „plastikreduziert“ werben, sollten diese zwingend mit Materialangaben, Prozentwerten, regionaler Gültigkeit oder Recyclingbedingungen belegt sein
Ich empfehle für die Markenkommunikation drei Stufen, statt sofort die perfekte Öko-Story zu behaupten:
・Ist-Zustand: Welche Materialien werden aktuell eingesetzt und welche Komponenten enthalten weiterhin Primärkunststoff?
・Optimierung: Welche Alternativen wurden bereits geprüft, etwa PCR, Schichtdickenreduktion, papierbasierte Lösungen oder Nachfüllkonzepte?
・Grenzen: Lebensmittelkontakt, Barriereeigenschaften, Fettbeständigkeit, Kühlkette oder Mindesthaltbarkeit verhindern eventuell vorerst einen Materialaustausch
Wenn Packstoffspezifikationen, Lieferantenfragebögen und Fachartikel auf der Website auf eine einheitliche Linie gebracht werden müssen, kann das Beraterteam der Mai Strategy Wissensakademie Marken bei der Bestandsaufnahme von Inhalten und Spezifikationen unterstützen. Wer den Mund zu voll nimmt, muss später im Audit nachbessern. Wer präzise bleibt, beweist echte Verantwortung

Das Wichtigste in Kürze
・Auch wenn der Vertragstext verwässert wird: Der Einkauf der Marken lässt deshalb nicht locker
・Noch so schöne Recycling-Versprechen nützen nichts, wenn die Materialherkunft im Lieferantenaudit unklar bleibt
・Die Hürde bei flexiblen Verpackungen liegt nicht nur im Druck – jede einzelne Materialschicht muss nachweisbar sein
・Zuerst BOM und Chargendaten aufbauen, dann über Materialwechsel sprechen – das spart kostspielige Umwege
Weiterführende Gedanken
Für die Druckproduktion lautet der nächste Schritt, Materialzertifikate fest in die täglichen Fertigungsaufträge zu integrieren. Für das Design gilt: Visuelle Gestaltung, Materialauswahl und Deklarationsgrenzen müssen im Entwurf Hand in Hand gehen. Für den Einsatz von AI bieten sich Dokumentenabgleiche, Versionswarnungen und Hinweise auf fehlende Nachweise an – keinesfalls darf AI erfundene PCR-Zertifikate generieren. Und für SaaS-Entwickler liegt der wahre Wert nicht in schicken Dashboards, sondern in sauberen Lieferanten-Datenfeldern, Audit-Logs, BOM-Exporten und dem automatisierten Ausfüllen von Kundenfragebögen
Weiterführende Lektüre
FAQ
- Ist das globale Plastikabkommen bereits in Kraft getreten?
- Das globale Plastikabkommen befindet sich noch in den Verhandlungen. Der Bericht von Packaging Insights vom 11. August 2026 bezieht sich auf das neue Arbeitsdokument („Aid to Negotiations“) und die Kritik von NGOs, nicht auf eine bereits geltende Verordnung
- Warum müssen Marken auf der Hut sein, obwohl die Herstellerverantwortung geschwächt wurde?
- Auch wenn die Herstellerverantwortung im Entwurf aufgeweicht wurde: Markenkunden fordern oft schon vorab Auskunft über Primärkunststoffe, PCR-Anteile, Materialherkunft und Recyclinggrenzen. Der Einkaufsdruck entsteht meist deutlich vor dem Inkrafttreten finaler Gesetze
- Müssen Verpackungsdruckereien jetzt zwingend auf PCR umstellen?
- Flexible Verpackungen lassen sich nicht immer sofort auf PCR umstellen. Aspekte wie Lebensmittelkontakt, Barrierewirkung und Prozessstabilität müssen sorgfältig geprüft werden. Der pragmatischste erste Schritt ist, das Materialbuch und die Lieferantendokumente lückenlos zusammenzustellen
- Gilt beschichtetes Papier automatisch als plastikreduzierte Verpackung?
- Beschichtetes Papier darf nicht allein wegen seiner papierartigen Haptik als fertige Plastikreduktion verbucht werden. Marken müssen Papierträger, Beschichtungsmaterial, Recyclingfähigkeit und Einsatzgrenzen transparent belegen können
Verwandte Artikel
Der wöchentliche Druck-×-KI-Newsletter
Praxiswissen zu Druck und KI, das Designer, Marken und Unternehmen vor dem ersten Schritt gebrauchen können – jede Woche kompakt in einer E-Mail in Ihrem Postfach
MINDS Gratis-Tools
KI-Freistellung, LINE-Sticker-Maker, Rücken- & Ausschieß-Rechner — alles kostenlos, direkt im Browser, ohne Upload.
MINDS Gruppe
Benötigen Sie konkrete Druck- oder Geschenkdienstleistungen?
Vom Wissen zur Umsetzung — das übernehmen die Schwestermarken der MINDS Gruppe: von hochwertigem Druck über Online-Bestellungen bis zu Festtagsgeschenken





