Einführung: Warum das Fehlen von druckbarem Weiß ein reales Problem darstellt
Weiß lässt sich nicht direkt im Standard-Vierfarbdruck erzeugen. Dies ist eines der häufigsten Probleme, auf die Designer beim Druck auf Spezialmaterialien stoßen, das jedoch selten systematisch erklärt wird. Diese Arbeit definiert zunächst die technischen Ursachen dieses Problems, beleuchtet anschließend den aktuellen Stand der Diskussion und deren Lücken und analysiert schrittweise die Mechanismen des Weißdrucks sowie die Richtlinien zur Erstellung der Reinzeichnung
Der Kern des Problems liegt im Prinzip der Farbmischung. CMYK ist ein subtraktives Farbsystem, bei dem Druckfarben von Natur aus lasierend (halbtransparent) sind. Sie erzeugen Farben, indem sie durch übereinander gedruckte Schichten bestimmte Wellenlängen absorbieren und andere reflektieren. Die hellsten Stellen und das „Weiß“ im Druck resultieren aus der Reflexion des Bedruckstoffes selbst. Unsere Analyse zeigt, dass Designer beim Druck auf weißem Papier daher fast nie darüber nachdenken müssen, woher das Weiß kommt: Es wird vom Papier bereitgestellt, nicht von der Druckfarbe
Wenn das Substrat jedoch aus dunklem Papier, schwarzem Karton, transparenten PET-/PP-Folien oder Metallfolien besteht, bricht diese Grundannahme weg. Das Substrat bietet keinen reflektierenden weißen Hintergrund mehr. Jedes Gestaltungselement, das Weiß darstellen oder seine Farbsättigung beibehalten soll, benötigt daher eine zusätzlich aufgedruckte Schicht deckender Weißtinte als farbliche Basis
Für die taiwanesische Industrie gewinnt dieses Thema zunehmend an Bedeutung. Bei Produkten wie kreativen Aufklebern, Premium-Verpackungen, Getränkeetiketten, IT-Zubehör und Mitgliedskarten kommen häufig transparente und dunkle Substrate zum Einsatz. Solche Aufträge werden meist von kleinen und mittleren Druckereien sowie unabhängigen Designern abgewickelt. Der Beitrag dieser Arbeit besteht darin, das fragmentierte Praxiswissen in eine strukturierte Reinzeichnungs-Logik und einen klaren Entscheidungsrahmen überführen. Dadurch wird die Lücke zwischen dem rein praktischen „Wie“ und dem theoretisch fundierten „Warum“ geschlossen

Literaturbericht und aktueller Stand: Vom künstlerischen Diskurs zur technischen Lücke
Die bisherige ernsthafte Auseinandersetzung mit der Farbe „Weiß“ konzentriert sich primär auf geisteswissenschaftliche und künstlerische Disziplinen und weniger auf die Drucktechnik. Diese Lücke soll mit der vorliegenden Arbeit geschlossen werden
Im Kontext der Kunst- und Visuellen Kulturgeschichte gilt „Weiß“ seit langem als spannungsgeladenes Thema. Forschungen zur Fotografiegeschichte über Kunstschaffende wie Margaret Bourke-White zeigen, wie Weiß als visuelle Sprache eingehend analysiert wird [1]. Noch deutlicher wird dies bei der Auseinandersetzung mit dem Thema „Weiß auf Weiß“ (White on White) als eigenständiges Wahrnehmungs- und Ästhetikkonzept, das untersucht, wie sich Weiß auf gleichfarbigem Hintergrund abhebt und Nuancen bildet [2]. Diese Auseinandersetzung verdeutlicht eine fundamentale Tatsache: Die Sichtbarkeit von Weiß ist niemals selbstverständlich, sondern resultiert aus dem Kontrast zum Hintergrund. Dies entspricht exakt der physikalischen Notwendigkeit von Weißdruck
Im Gegensatz dazu ist die Diskussion in der Druckindustrie stark praxisorientiert und fragmentiert. Sie beschränkt sich meist auf isolierte Anleitungen für spezifische Materialien. Typische Themen umfassen den Weißdruck als Grundierung für transparente Medien, die Farbabweichungskontrolle bei Perlmutt-Substraten oder Fehlerquellen beim Überdrucken (Overprint) von reinem Schwarz. Konsens besteht darin, dass Abweichungen zwischen Bildschirmdarstellung und Druckergebnis auf ein Fehlverständnis des Zusammenspiels von Bedruckstoff und Farbauftrag zurückzuführen sind. Die Ansätze unterscheiden sich jedoch: Einige gehen von den Materialeigenschaften aus, andere von den Software-Einstellungen. Eine Zusammenführung beider Aspekte zu einer einheitlichen Logik für die Datenvorbereitung fehlt bislang
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass der aktuelle Diskurs zwar theoretische Tiefe im künstlerischen Bereich und praktische Breite in den technischen Anleitungen aufweist, es jedoch an einer Synthese fehlt. Die kunstwissenschaftliche Literatur erklärt, warum Weiß ein Problem darstellt [1][2], während Praxisratgeber zeigen, wie Einzelfälle gelöst werden. Es fehlt ein systematischer Ansatz, der die physikalischen Prinzipien der Farbmischung, die verschiedenen Weißdruck-Technologien und die Reinzeichnungs-Vorgaben verknüpft. Diese Arbeit setzt genau hier an und bietet durch die Dekonstruktion der Mechanismen einen anwendbaren und validierbaren Rahmen
Kernanalyse 1: Die zwei technologischen Hauptverfahren des Weißdrucks und ihre Einsatzgrenzen
Der Weißdruck ist keine einheitliche Technologie, sondern teilt sich je nach Farbauftragsverfahren in zwei Hauptrouten auf. Deren Deckkraft und Detailgenauigkeit stehen in einem direkten Kompromissverhältnis (Trade-off). Das Verständnis dieses Trade-offs ist Voraussetzung für die Wahl des passenden Produktionsverfahrens
Das erste Verfahren ist das klassische Siebdruck-Weiß (Screen Printing White). Hierbei wird eine hochpigmentierte, stark deckende weiße Siebdruckfarbe durch ein Sieb in einer dicken Schicht auf das Substrat gepresst. Der wesentliche Vorteil des Siebdruck-Weiß liegt in der kontrollierbaren Schichtdicke und der hohen Opazität. Es eignet sich ideal für vollflächige Weißdrucke, die dunkle Hintergründe komplett abdecken müssen, wie etwa bei schwarzem Karton oder Glasflaschen. Die Kehrseite sind die Kosten für die Sieberstellung und die Mindestbestellmengen, weshalb sich dieses Verfahren wirtschaftlich erst ab mittleren bis großen Auflagen lohnt
Das zweite Verfahren ist die UV-Digitaldruck-Weißtinte (UV Inkjet White). Hierbei wird die Tinte pixelgenau über digitale Druckköpfe aufgetragen und sofort mittels UV-Licht gehärtet. Der größte Vorteil liegt in der Möglichkeit, feine Details, Verläufe und personalisierte Daten (VDP) ohne Druckplatten- oder Siebherstellung zu realisieren. Dies prädestiniert das Verfahren für Kleinauflagen, Personalisierungen und das Prototyping (Proofing). Die Einschränkung liegt darin, dass die Farbschicht pro Durchgang in der Regel dünner ist als im Siebdruck. Bei sehr dunklen Substraten sind dennoch oft mehrere Druckdurchgänge (Multi-Pass) erforderlich, um die nötige Deckkraft zu erzielen, was sich direkt auf Produktionsgeschwindigkeit und Kosten auswirkt
Die Wahl zwischen beiden Verfahren ist im Kern eine Abwägung zwischen Fläche und Detailgrad. Bei großen Flächen, einfachen Farbblöcken sowie dem Fokus auf hohe Deckkraft und niedrige Stückkosten ist der traditionelle Siebdruck überlegen. Für kleine Auflagen, komplexe Muster, schnelle Lieferzeiten oder variable Daten eignet sich der UV-Digitaldruck besser. In der Praxis schließen sich beide Verfahren nicht aus: Häufig wird im Hybrid-Druck eine vollflächige Weiß-Grundierung im Siebdruck aufgebracht, um danach die Buntdaten mit anderen Druckverfahren überzudrucken
Es ist wichtig zu betonen, dass die Deckkraft von Weißdrucken nicht unbegrenzt ist. Auf dunklen und transparenten Substraten bestimmt die Dicke der Weißschicht direkt die Sättigung und Farbgenauigkeit der darauf gedruckten Buntfarben. Dies bildet die physikalische Grundlage für die folgenden Vorgaben zur Erstellung von Reinzeichnungen und zur Druckreihenfolge

Kernanalyse 2: Drei entscheidende Parameter bei der Druckdatenerstellung
Der Erfolg des Weißdrucks hängt von drei präzise zu definierenden Parametern ab: dem Weiß-Kanal, der Druckreihenfolge und der Spiegelung der Daten. Das Fehlen eines dieser Parameter kann dazu führen, dass die gesamte Auflage neu gedruckt werden muss
Der erste Parameter ist das Anlegen eines separaten Weiß-Kanals. Die wichtigste Regel lautet: Die weiße Farbe muss auf einer eigenen Ebene angelegt und als Sonderfarbe (Spot Color) mit einer eindeutigen, für die Druckerei erkennbaren Bezeichnung wie „White“ oder „Weiss“ definiert werden. Sie darf nicht als CMYK(0,0,0,0) angelegt sein. Dieser Punkt wird oft übersehen, da im mentalen Modell des Gestalters am Bildschirm oder beim Druck auf weißem Papier „kein Farbauftrag“ mit „Weiß“ gleichgesetzt wird. Im Weißdruck hingegen ist Weiß eine physisch aufzutragende Sonderfarbe, die eine eigene Separation erfordert, da der RIP (Raster Image Processor) andernfalls keine Druckdaten für das Weiß generieren kann
Der zweite Parameter ist die Druckreihenfolge: Wird das Weiß als Unterlegung (erst Weiß, dann Buntfarben) oder als Abdeckung (erst Buntfarben, dann Weiß) gedruckt? Diese Reihenfolge ergibt sich zwingend daraus, von welcher Seite das Endprodukt betrachtet wird. Auf opaken, dunklen Papieren liegt das Weiß fast immer unten (als Grundierung), um die Leuchtkraft der Buntfarben zu gewährleisten. Auf transparenten Substraten hängt die Reihenfolge davon ab, ob die Grafik von vorne betrachtet wird (Weiß hinter den Buntfarben als Hintergrund) oder spiegelbildlich durch die Folie hindurch (die Farbschichten sind dann umgekehrt aufgebaut). Eine falsche Reihenfolge führt dazu, dass die Buntfarben vom Weiß verdeckt werden oder das Weiß unsauber durchscheint
Der dritte Parameter betrifft die Spiegelung (Mirror) bei transparenten Substraten. Wenn das Design von der Rückseite durch die Folie hindurch betrachtet werden soll, müssen die Druckdaten gespiegelt angelegt werden, damit Schrift und Motive auf der Sichtseite lagerichtig erscheinen. Das Problem der Spiegelung entsteht durch das Auseinanderfallen von Bedruckungsseite und Sichtseite – eine Fehlerquelle, die es beim klassischen Papierdruck aufgrund der fehlenden Transparenz so nicht gibt
Zusammen bilden diese drei Parameter das Mindestmaß an Vorgaben für die Erstellung der Druckdaten. Eine frühzeitige Abstimmung dieser Punkte (Name des Weiß-Kanals, Druckreihenfolge, Sichtseite und Spiegelung) mit der Druckerei verhindert den Großteil aller Fehldrucke aufgrund von Kommunikationsfehlern
Kernanalyse 3: Qualitätsmängel beim Weißdruck und ihre Ursachen
Typische Qualitätsmängel beim Weißdruck treten nicht zufällig auf, sondern lassen sich auf spezifische Material- und Prozessmechanismen zurückführen. Nur wer die Ursachen versteht, kann gezielt gegensteuern. In diesem Abschnitt werden drei klassische Fehlerbilder analysiert
Das erste Fehlerbild ist die Vergilbung. Ein Vergilben der Weißtinte nach dem Härten oder bei längerem Gebrauch hängt meist mit der Tintenrezeptur, den Härtungsbedingungen oder Wechselwirkungen mit dem Bedruckstoff zusammen. Aus Sicht des Auftraggebers ist Vergilbung ein Problem auf Prozess- und Materialebene, das sich bei der Datenerstellung kaum beeinflussen lässt. Die Wahl eines zuverlässigen Druckpartners und die Anforderung eines Proofs zur Qualitätsprüfung sind hier die effektivsten Maßnahmen
Das zweite Fehlerbild ist ein ungleichmäßiger Farbauftrag (Wolkigkeit oder Streifenbildung). Im Digitaldruck liegt dies häufig an einer zu geringen Anzahl von Druckdurchgängen (Passes) oder verstopften Düsen. Im Siebdruck resultiert es meist aus falschem Rakeldruck oder einer ungeeigneten Gewebefeinheit des Siebes. Auf dunklen Substraten ist dies besonders kritisch, da jede Unregelmäßigkeit im weißen Untergrund durch die darüber liegenden Buntfarben hindurchscheint und zu sichtbaren Farbdifferenzen führt
Das dritte Fehlerbild ist das Durchscheinen des Substrats aufgrund mangelnder Deckkraft der weißen Farbe, wodurch die Buntfarben dunkel und stumpf wirken. Dies ist das kritischste Qualitätskriterium im Weißdruck und resultiert direkt aus der physikalisch begrenzten Deckkraft der Tinte. Gegenmaßnahmen in der Produktion umfassen die Erhöhung der Farbschichtdicke, zusätzliche Druckdurchgänge oder die Anpassung des Weiß-Kanals. Da dies jedoch die Produktionskosten und -zeiten erhöht, muss das Verhältnis von Substratdunkelheit und Budget bereits in der Designphase kalkuliert werden
Gemeinsam ist diesen drei Fehlerbildern, dass die Probleme zwar in der Produktion auftreten, die Ursachen und wirtschaftlichen Entscheidungen jedoch in die Phase der Datenerstellung und Auftragserteilung zurückreichen. Dies bestätigt unsere These, dass der Weißdruck keine nachträgliche Veredelung ist, sondern als grundlegende Farbvariable von Beginn an in den Design- und Datenerstellungsprozess einbezogen werden muss
Bedeutung für die taiwanesische Design- und Druckindustrie
Der Wert der Weißdruck-Technologie zeigt sich darin, wie sie die Arbeitsabläufe und Kostenstrukturen von kleinen und mittleren Druckereien, Designern und Markenherstellern verändert. Diese Auswirkungen werden im Folgenden differenziert dargestellt
Für kleine und mittlere Druckereien stellt die Kompetenz im Weißdruck ein wichtiges Unterscheidungsmerkmal im Wettbewerb dar. Empfehlenswerte Maßnahmen sind: die klare Kommunikation der angebotenen Weißdruck-Verfahren (Siebdruck vs. UV-Digitaldruck) samt geeigneter Substrate, Mindestbestellmengen und Optionen für die Anzahl der Druckdurchgänge. Zudem sollten standardisierte Leitfäden zur Erstellung der Druckdaten zum Download bereitgestellt werden. Die Etablierung eines Freigabeprozesses mittels Andruck (Proof) zur Überprüfung der Deckkraft bei dunklen oder transparenten Substraten minimiert das Risiko von Fehldrucken durch Vergilbung, Streifenbildung oder Durchscheinen. Auf der Kostenseite sorgt eine transparente Berücksichtigung von Weiß-Fläche und Druckdurchgängen in der Kalkulation dafür, dass Margen nicht durch unterschätzten Aufwand geschmälert werden
Für Designer bedeutet dies, den Weißdruck fest im mentalen Modell der Datenerstellung zu verankern. Konkret: das Anlegen eines separaten Sonderfarbkanals mit korrekter Benennung direkt beim Dokumentenaufbau, die vorherige Absprache der Druckreihenfolge und Sichtseite mit der Druckerei sowie das Bereitstellen gespiegelter Daten bei transparenten Medien. Diese Schritte erfordern kaum zusätzlichen Zeitaufwand, schließen jedoch das größte Fehlerrisiko aus. Prozessdisziplin sichert hier Lieferzeiten und Kosten
Für Markenhersteller beeinflusst der Weißdruck die Budgetplanung und das Zeitmanagement. Aufgrund des zusätzlichen Weißdruck-Durchgangs sind Produkte auf dunklen oder transparenten Substraten teurer und erfordern längere Produktionszeiten als Standarddrucke auf weißem Papier. Eine frühzeitige Abstimmung verhindert Missverständnisse beim Einkauf. Die Freigabe sollte stets anhand eines physischen Andrucks (Proof) und nicht nur per Bildschirmfreigabe (Softproof) erfolgen, da dies die effektivste Methode zur Qualitätssicherung ist
Zusammenfassend zeigt sich für alle drei Parteien: Qualität und Kosten werden maßgeblich in der Phase der Datenvorbereitung und Auftragserteilung entschieden, nicht erst an der Druckmaschine. Einheitliche Standards für Druckdaten und eine konsequente Proof-Kultur sind die Schlüssel zur Reduzierung der Gesamtkosten entlang der gesamten Wertschöpfungskette

Fazit und Grenzen der Untersuchung
Diese Untersuchung ging den Fragen nach, warum weiße Elemente auf dunklen und transparenten Substraten nicht im Standard-Vierfarbdruck erzeugt werden können und wie die Weißdruck-Technologie sowie die Erstellung von Reinzeichnungen systematisch gelöst werden können. Die Arbeit zeigt, dass Weiß beim subtraktiven Druck prinzipiell durch den Bedruckstoff bereitgestellt wird. Fehlt dieser weiße Hintergrund, muss eine deckende Weißtinte gedruckt werden. Beim Weißdruck besteht ein technologischer Trade-off zwischen Siebdruck und UV-Digitaldruck bezüglich bedruckter Fläche und Detailgenauigkeit. Der Erfolg der Druckdatenerstellung hängt von den drei Parametern Weiß-Kanal, Druckreihenfolge und Spiegelung ab, während Qualitätsmängel meist prozessbedingt durch Härtung und Deckkraft entstehen
Diese Studie unterliegt klaren Einschränkungen:
・Erstens: Die verfügbare Literatur befasst sich hauptsächlich mit der Farbe „Weiß“ im künstlerisch-kulturellen Kontext [1][2]. Technische Angaben auf Ebene des Druckingenieurwesens beruhen primär auf Branchenstandards und eigenen Analysen, weshalb direkt zitierbare quantitative Quellen fehlen. Leser sollten konkrete Werte (wie die Anzahl der Druckdurchgänge oder Mindestdeckungsraten) als projektspezifische Parameter betrachten, die durch Andrucke verifiziert werden müssen, und nicht als universelle Fixwerte
・Zweitens: Diese Untersuchung enthält keine empirischen Vergleiche spezifischer Tintenmarken, Parameter von Härtungsanlagen oder Umgebungsvariablen
Für zukünftige Forschungsarbeiten wird empfohlen, empirische Vergleichsdaten für gängige taiwanesische Substrate (wie dunkle Feinpapiere, PET-/PP-Folien und Perlmuttpapier) im Zusammenspiel mit Weißdruckverfahren zu erheben. Eine Quantifizierung der Deckkraft und Farbabweichungen bei unterschiedlichen Druckdurchgängen würde das derzeit stark erfahrungsbasierte Wissen im Weißdruck in eine standardisierte und vergleichbare technische Datenbasis überführen
Zusammenfassung der Kernpunkte
・CMYK ist ein subtraktives Farbsystem mit lasierenden Farben. Weiß wird regulär durch den Bedruckstoff bereitgestellt. Dunkle und transparente Medien besitzen keinen weißen Hintergrund, weshalb deckende Weißtinte als Basis benötigt wird
・Weißdruck verläuft über zwei Verfahren: Siebdruck (hohe Deckkraft, große Flächen, hohe Mindestauflagen) und UV-Digitaldruck (hohe Detailgenauigkeit, variable Daten, Kleinauflagen, oft mehrere Druckdurchgänge bei dunklen Medien). Es ist eine Abwägung zwischen Fläche und Detailgrad
・Drei Parameter bei der Datenerstellung: Weiß muss auf einem separaten Sonderfarbkanal angelegt und als „White“ oder „Weiss“ benannt werden (nicht als CMYK-Nullwerte), Festlegung der Druckreihenfolge (unten oder oben) und Bereitstellung gespiegelter Daten bei transparenten Substraten
・Qualitätsmängel wie Vergilbung, Wolkigkeit und Durchscheinen entstehen in der Produktion, doch Kosten und Entscheidungen fallen bereits bei der Datenvorbereitung und Auftragserteilung. Weißdruck ist als grundlegende Designvariable zu planen
・Qualitäts- und Kostenentscheidungen liegen weit vor dem eigentlichen Druckprozess. Einheitliche Datenstandards und physische Proofs sind entscheidend zur Kostenreduzierung für Druckereien, Designer und Markenhersteller
Weiterführende Überlegungen
Für Druckereien bietet der Weißdruck eine Möglichkeit zur gewinnbringenden Differenzierung im Service. Es lohnt sich, implizites Know-how durch standardisierte Datenrichtlinien und Freigabeprozesse zu institutionalisieren. Für Designer stellt die Integration von Weiß-Kanal, Druckreihenfolge und Spiegelung in die Standard-Prüfliste der Druckdaten eine kostengünstige und lohnende Investition dar. Der Einsatz von AI und SaaS bietet die Chance, Software-Tools zur automatischen Vordatenprüfung (Preflight) zu nutzen. Diese können häufige Fehler wie falsch als CMYK(0,0,0,0) angelegtes Weiß, fehlende Weiß-Kanäle oder nicht gespiegelte Daten bei transparenten Medien erkennen und Empfehlungen für die Anzahl der Druckdurchgänge basierend auf der Substratfarbe geben. Dadurch lässt sich die manuelle Abstimmung in eine regelbasierte automatisierte Validierung überführen. Die größte Herausforderung bleibt der Mangel an quantitativen Deckkraft- und Farbwert-Referenzen für lokale Substrate. Dies stellt eine Forschungslücke dar und bildet die notwendige Datenbasis für Entwickler von Preflight-Automatisierungslösungen
Literaturverzeichnis
[1] Glenn C. (2003). [Bourke-White [White], Margaret](https://doi.org/10.1093/gao/9781884446054.article.t010623). Oxford Art Online. DOI: 10.1093/gao/9781884446054.article.t010623
[2] Teil I: Weiß auf Weiß. White on White/Black on Black. DOI: 10.5771/9780742568730-15
[3] White J., Canada., White J. (1919). Naturschutz im Jahre 1918 / von James White.. DOI: 10.5962/bhl.title.20783
[4] WEISS GEGEN WEISS. Busing and Backlash. DOI: 10.2307/jj.7968101.9
[5] White A., White A. (1906). Autobiographie von Andrew Dickson White. DOI: 10.5962/bhl.title.17508
FAQ
- Warum kann der CMYK-Vierfarbdruck kein Weiß drucken?
- CMYK ist ein subtraktives Farbsystem, bei dem die Farben lasierend (halbtransparent) sind und durch Absorption des Lichts wirken. Die hellen Bereiche und das Weiß entstehen durch den reflektierenden Untergrund des Bedruckstoffs. Wenn das Substrat dunkel oder transparent ist und somit keinen weißen Hintergrund bietet, muss eine deckende Weißtinte gedruckt werden, um Weiß darzustellen
- Wie wird der Weiß-Kanal bei der Erstellung der Reinzeichnung angelegt?
- Das Weiß muss auf einer separaten Ebene angelegt und als Sonderfarbe mit einer für die Druckerei verständlichen Bezeichnung wie „White“ oder „Weiss“ benannt werden. Es darf nicht als CMYK(0,0,0,0) angelegt sein, da der RIP sonst keine Weiß-Daten ausgeben kann. Zudem sollte vorab geklärt werden, ob das Weiß als Unter- oder Überlegung gedruckt wird
- Wie wählt man zwischen traditionellem Siebdruck-Weiß und UV-Digitaldruck-Weiß?
- Für große, vollflächige Weißdrucke mit hoher Deckkraft und niedrigen Stückkosten bei mittleren bis großen Auflagen eignet sich der Siebdruck. Für feine Details, Farbverläufe, variable Daten, Kleinauflagen oder schnelles Prototyping ist der UV-Digitaldruck die bessere Wahl. Bei dunklen Medien erfordert der Digitaldruck oft mehrere Durchgänge für eine ausreichende Deckkraft
- Warum müssen Druckdaten für transparente Medien gespiegelt angelegt werden?
- Da Bedruckungsseite und Sichtseite voneinander abweichen können. Wenn das Motiv durch die Folie hindurch betrachtet wird, müssen die Daten gespiegelt werden, damit Schriften und Abbildungen auf der Sichtseite richtig herum und lesbar erscheinen und Spiegelschrift vermieden wird
- Was tun, wenn das Weiß durchscheint und die Farben dunkel wirken?
- Dieses Durchscheinen entsteht durch unzureichende Deckkraft der weißen Farbe auf dunklen Bedruckstoffen. Die Lösung besteht darin, die Schichtdicke oder Anzahl der Druckdurchgänge des Weißdrucks zu erhöhen oder den Weiß-Kanal anzupassen. Dies erhöht jedoch Kosten und Zeitaufwand. Es empfiehlt sich daher, das Zusammenspiel von Substratfarbe und Budget bereits im Designprozess zu bewerten und physische Proofs einzufordern
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