Überblick
Kennst du das aus dem Supermarktregal? Du nimmst eine Packung Tee, drehst sie um, suchst die Zutatenliste und stellst fest: Der QR-Code ist größer gedruckt als der englische Text. Du scannst ihn, landest aber auf einer Login-Seite oder bei einem „Willkommen in unserer Markenwelt“. Wahrscheinlich denkst du dir: Und was sind jetzt die Inhaltsstoffe? Das ist kein Verbraucherproblem, sondern ein Problem der Druckvorstufe. Denn hinter diesem schwarz-weißen QR-Code verschiebt sich gerade still und leise die Verantwortung

Warum ist der QR-Code nicht mehr nur ein „Scann mich, und ich leite dich weiter“?
In den vergangenen zehn Jahren war die Rolle des QR-Codes auf Verpackungen klar: Er war ein Marketing-Einstieg. Man scannte ihn und kam auf eine Shop-Seite, eine Gewinnspielseite oder eine Markenaktionsseite. Als der Segede-Direktor über die Ära des Digital Product Passport (DPP) sprach, brachte er es direkt auf den Punkt: Transparenz wird vom Pluspunkt einer Marke zur Grundanforderung an die Lieferkette [1]. Anders gesagt: Der QR-Code wird gerade von „das, was die Marke dir zeigen möchte“ zu „das, was die Regulierung lesbar machen verlangt“ umgeschrieben
Das ist keine Frage der Formulierung, sondern eine Frage der technischen Schnittstelle. Die europäischen Normungsorganisationen CEN/CENELEC haben die Backend-Spezifikationen des DPP bereits schrittweise in mehrere Bausteine aufgeteilt und veröffentlicht: eindeutige Kennungen, API-Schnittstellen und Systeminteroperabilität [2][3][4][5][6]. Für Fachleute in der Druckvorstufe ist nicht jedes einzelne Dokument der Kernpunkt, sondern die gemeinsame Richtung: Der künftige QR-Code verweist nicht mehr nur auf eine Webseite, sondern auf ein maschinenlesbares und maschinell beschreibbares Datenobjekt. Darin können Materialangaben, CO2-Fußabdruck, Recyclinghinweise oder sogar Wartungsdaten enthalten sein. Identifikation und Abfrage werden von einer „Marketing-Zusatzfunktion“ zur „Compliance-Infrastruktur“
Welches Signal sendet diese eine Teeschachtel von Twinings an die Druckbranche?
In diesem Sommer begann die britische Teemarke Twinings, in ihrer Black-Tea-Serie „barrierefreie QR-Codes“ und GS1 Digital Link QR einzuführen. Spannend ist vor allem, wer daran beteiligt ist: das Royal National Institute of Blind People (RNIB), der AR-Anbieter Zappar und der GS1-Lösungsanbieter io.tt [1]. Es ist das erste Mal, dass eine britische Teemarke diese Technologie in großem Umfang ausrollt. Der Punkt ist nicht „wir ziehen auch mit“, sondern das Designziel: Menschen mit Sehbehinderung oder eingeschränktem Sehvermögen sollen Inhaltsstoffe und Zubereitungshinweise scannen können
Warum ist das für Druckereien in Taiwan und im chinesischsprachigen Markt wichtig? Weil damit zwei Linien adressiert werden, die sich gleichzeitig verschärfen:
・Barrierefreiheit: Der European Accessibility Act der EU ist im Juni 2025 in Kraft getreten. Die Anforderungen an Barrierefreiheit im E-Commerce für Konsumgüter und bei Teilen der Verpackung werden künftig eher größer als kleiner
・Datenstruktur: GS1 Digital Link erweitert eine einfache URL zu einer strukturierten Zeichenkette, die GTIN, Seriennummer und Charge transportieren kann. In der Praxis ist das ein wichtiger Kandidat für die eindeutige DPP-Kennung [4]
Für die Reinzeichnung und Druckdatenerstellung bedeutet das: Die Spezifikationen müssen mindestens drei neue Regeln enthalten. Erstens die kleinste noch sicher scannbare Modulgröße des QR-Codes, zweitens Kontrast und Braille-Kompatibilität im barrierefreien Design, drittens den Einfluss der URL-Länge innerhalb der GS1-Digital-Link-Struktur auf die Fehlerkorrekturstufe. Früher war das ein Ringen zwischen „ästhetischer Vorstellung des Designers“ und „scannt es technisch noch?“. Jetzt kommt als dritte Kraft die regulatorische Ebene hinzu

Von „schön gedruckt“ zu „Daten korrekt“: Wer bezahlt das Upgrade?
Das ist der Abschnitt, über den Marken und Lohnfertiger am schnellsten streiten. Früher war das schlimmste Ergebnis eines falschen QR-Codes, dass Verbraucher ihn nicht scannen konnten und eine Beschwerde schrieben. Heute kann das schlimmste Ergebnis sein, dass ein Produkt beim EU-Zoll hängen bleibt oder das Rücknahmesystem ein Bußgeld verhängt
Marken müssen neu kalkulieren: Der QR-Code und die dahinterliegende Datenplattform sind jetzt ein „Compliance-Asset“, kein „Marketingmaterial“. Das bedeutet:
・Die Druckvorstufe muss in ein Versionsmanagement eingebunden werden. GTIN, URL und Fehlerkorrekturstufe jeder Charge brauchen einen nachvollziehbaren Audit-Trail
・Auf der Produktionsseite müssen Mindestfarbdichte, Passergenauigkeit und Streuverhalten der Oberflächenmaterialien neu validiert werden. Denn URLs nach GS1 Digital Link sind in der Regel 3- bis 5-mal länger als klassische Kurz-URLs, wodurch die Anzahl der Module deutlich steigt
・Das Designteam muss lernen, im Layout einen festen QR-Bereich einzuplanen. Er darf nicht in einen Falz geraten, nicht von Heißfolienprägung verdeckt werden und nicht durch matte Kaschierung unlesbar werden
Aus Branchensicht werden zuerst Marken mit hohem EU-Exportanteil aufrüsten müssen, etwa Lebensmittel, Getränke, Kosmetik und Textilien. Danach folgen die Druckereien, die für diese Marken produzieren. Die Kundenstruktur der taiwanischen Exportverpackungs-Lieferkette macht es nahezu unvermeidlich, dass zwischen der zweiten Jahreshälfte 2026 und der ersten Jahreshälfte 2027 kollektiv neue Druckdatenversionen entstehen
Was sollte ich jetzt tun, damit die Druckvorstufe diese Compliance-Welle auffangen kann?
Kurz gesagt: Nicht warten, bis Markenkunden anklopfen. Drei Schritte lassen sich sofort vorbereiten:
・Erster Schritt: Prüfe die Exportziele deiner bestehenden Kunden. Sobald mehr als 10% in die EU gehen, ist DPP kein Zukunftsthema, sondern ein laufendes Thema der nächsten zwei Jahre. Erstelle eine Liste dieser Kunden, gehe proaktiv auf sie zu und sprich mit ihren Sustainability- oder Compliance-Verantwortlichen
・Zweiter Schritt: Lege in den Reinzeichnungs- und Druckdatenspezifikationen technische Felder für GS1 Digital Link an. Warte nicht, bis das erste Projekt kommt. Baue intern eine SOP für QR-Code-Erzeugung und -Validierung auf, einschließlich URL-Struktur, Fehlerkorrekturstufe ab M, Mindestgröße und Ruhezone
・Dritter Schritt: Nimm Barrierefreiheit in die Designprüfung auf. Kontrast, Schriftgröße, Braille oder Audio-Unterstützung waren früher vor allem Anforderungen in öffentlichen Ausschreibungen oder bei barrierefreien Websites. Künftig werden sie auch in Designbriefings für Konsumgüterverpackungen auftauchen [1]
Im Kern geht es nicht um den QR-Code selbst, sondern darum, dass Verpackung als Informationsträger neu definiert wird. Fachleute in der Druckvorstufe wurden bisher als Wächter über Layout und Farbe ausgebildet. In den nächsten zwei Jahren müssen sie lernen, auch Daten-Schnittstellen zu prüfen. Das ist kein einfacher Weg. Aber wer die Regeln zuerst in seine SOP schreibt, sichert sich in der nächsten Auftragsrunde die Führungsrolle

Die wichtigsten Punkte
Die Rolle des QR-Codes auf Verpackungen entwickelt sich vom Marketing-Einstieg zum Compliance-Zugang. Der DPP ist der wichtigste Treiber dahinter
Die EU hat über CEN/CENELEC bereits Standards für eindeutige DPP-Kennungen, APIs und Interoperabilität veröffentlicht. Die Druckvorstufe muss beginnen, sich daran anzubinden
GS1 Digital Link und barrierefreie QR-Codes werden gleichzeitig zum Standard. Das wirkt sich auf QR-Größe, Fehlerkorrektur und Layout aus
Kunden mit hohem EU-Exportanteil werden zwischen der zweiten Jahreshälfte 2026 und der ersten Jahreshälfte 2027 die dringendste Upgrade-Gruppe sein
Druckvorstufenbetriebe sollten GS1-Digital-Link-SOPs und Barrierefreiheitsprüfungen frühzeitig in ihre Reinzeichnungs- und Druckdatenspezifikationen aufnehmen, um sich einen Compliance-Vorsprung zu sichern
Weitergedacht
Für die Druckproduktion ist DPP kein Thema für neue Maschinen, sondern für neue Prozesse. In der nächsten Phase lohnt sich die Investition in eine zentrale Plattform zur QR-Code-Erzeugung und -Validierung, in APIs zur Anbindung an Datenquellen der Marken sowie in ein Versionsmanagement für GTIN, Seriennummer und Charge. Für das Design bedeutet es, dass Layoutregeln neu geschrieben werden müssen: Der QR-Bereich darf nicht länger als „übrige Ecke“ behandelt werden, sondern muss wie eine Zutatenliste Teil des strukturierten Designs werden. Für SaaS und AI liegen die Chancen in zwei Bereichen: erstens in Design-Plugins, die QR-Codes nach GS1-Digital-Link-Spezifikation automatisch erzeugen und vor dem Druck simulieren; zweitens in AI-Systemen, die Druckdaten mit Compliance-Datenbanken abgleichen und Fehldrucke frühzeitig erkennen. Das eigentliche ungelöste Problem lautet: Wenn der QR-Code zu einer Datenschnittstelle wird, die maschinell korrekt gelesen werden muss, während die Qualitätskontrolle vieler kleiner und mittlerer taiwanischer Druckereien noch beim visuellen Farbabgleich steht, dann ist genau diese Lücke der entscheidende Schmerzpunkt dieser Compliance-Welle
Quellen
[1] Der QR-Code auf Verpackungen wird vom Marketing-Einstieg zum Compliance-Zugang
[2] Digitaler Produktpass - Application Programming Interfaces (APIs) für Lifecycle-Management und Auffindbarkeit des Produktpasses. DOI: 10.3403/30516701u
[3] Digitaler Produktpass - Application Programming Interfaces (APIs) für Lifecycle-Management und Auffindbarkeit des Produktpasses. DOI: 10.3403/30516701
[4] Digitaler Produktpass - eindeutige Kennungen. DOI: 10.3403/30516457
[5] Digitaler Produktpass - Systeminteroperabilität. DOI: 10.3403/30516704u
[6] Digitaler Produktpass - eindeutige Kennungen. DOI: 10.3403/30516457u

FAQ
- Warum verändert sich die Rolle des QR-Codes auf Verpackungen vom Marketing-Einstieg zum Compliance-Zugang?
- Weil der Digitale Produktpass der EU (DPP) verlangt, dass Produktdaten maschinenlesbar sind. Der QR-Code wird damit von einem Link auf eine Aktionsseite zu einem Zugang zu einem Produktlebenslauf-Datenobjekt. Das ist ein regulatorisch getriebenes Schnittstellen-Upgrade [1]
- Was ist GS1 Digital Link, und worin unterscheidet es sich von einem normalen QR-Code?
- GS1 Digital Link ist ein URL-Standard, der strukturierte Daten wie GTIN, Seriennummer und Charge transportieren kann. Europäische Normungsorganisationen sehen ihn als praxisnahen Kandidaten für die eindeutige DPP-Kennung [4]
- Welche Vorbereitungen muss die Druckvorstufe für DPP treffen?
- Dazu gehören reservierte QR-Bereiche in den Druckdatenspezifikationen, definierte Mindestgrößen und Fehlerkorrekturstufen, Versionsmanagement für GTIN und URL sowie die Aufnahme von Barrierefreiheit wie Kontrast, Braille oder Audio-Unterstützung in die Designprüfung [1]
- Was ist ein barrierefreier QR-Code, und hat er mit DPP zu tun?
- Ein barrierefreier QR-Code nutzt stärkeren Kontrast, Braille oder Audioführung, damit auch blinde Menschen und Menschen mit eingeschränktem Sehvermögen Inhalts- und Gebrauchsinformationen erhalten. Twinings hat diese Lösung bereits großflächig auf britischen Teeverpackungen eingeführt; sie passt zur Richtung der DPP-Anforderungen an Zugänglichkeit [1]
- Wann sollten taiwanische Druckereien spätestens mit der Umstellung beginnen?
- Marken mit hohem EU-Exportanteil werden voraussichtlich zwischen der zweiten Jahreshälfte 2026 und der ersten Jahreshälfte 2027 in die Phase neuer Druckdatenversionen eintreten. Druckvorstufenbetriebe sollten SOP-Aufbau und Mitarbeiterschulung spätestens bis Ende 2026 abschließen
Quellen
- 包裝上的 QR Code 正從行銷入口變成合規入口 · packaginginsights.com
- Digital Product Passport - Application Programming Interfaces (APIs) for the product passport lifecycle management and s · doi.org
- Digital Product Passport - Application Programming Interfaces (APIs) for the product passport lifecycle management and s · doi.org
- Digital product passport - Unique identifiers · doi.org
- Digital Product Passport - System interoperability · doi.org
- Digital product passport - Unique identifiers · doi.org
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