Für präzise Markenfarben: Pantone oder eigene CMYK-Produktion?
Viele Kunden fragen uns: Auf dem Bildschirm wirkt das LOGO klar und leuchtend, auf der Visitenkarte sieht es dann aber stumpf und grau aus. Soll man dafür wirklich das Budget zusammenkratzen und eine Pantone-Sonderfarbe dazunehmen?
Die kurze Antwort: Liegt eure zentrale Markenfarbe im fluoreszierenden Bereich, bei Spezialmetallictönen oder in einem Farbraum, den CMYK schlicht nicht sauber erreicht, und ist die Auflage jedes Mal groß genug, dann nehmt direkt Pantone. Besteht das Layout dagegen aus vielen Verläufen, Fotos oder ist das Budget knapp, ist eine eigene CMYK-Produktion die bessere Wahl
Bei der Mai Strategy Wissensakademie beginnt der Aufbau eines Markenfarbsystems für kleine und mittlere Unternehmen immer mit der Prüfung, wo die Farbe tatsächlich im Farbraum liegt
Viele glauben, ein festgelegter Pantone-Code löse das Problem. So einfach ist es nicht. Unterschiedliche Papiere nehmen Farbe extrem unterschiedlich auf. Derselbe Pantone-Code kann auf gestrichenem Bilderdruckpapier ganz anders wirken als auf stark saugendem Offsetpapier

Wann Sonderfarben teurer werden und trotzdem schiefgehen
Jede zusätzliche Sonderfarbe bedeutet in der Produktion ganz real eine weitere Druckplatte sowie zusätzlichen Aufwand für das Anmischen der Farbe
Manchmal wird viel Geld ausgegeben und das Ergebnis ist trotzdem eine Katastrophe. Meist liegt es daran, dass diese typischen Reinzeichnungsfallen nicht vermieden wurden
・Verlaufs- und Transparenzfalle: Pantone ist eine reale Druckfarbe. Wird eine Sonderfarbe in der Designdatei als Verlauf oder halbtransparent angelegt, wirken die gerasterten Flächen auf der Maschine oft schmutzig und trüb
・Uneinheitliche Farbnamen: Das ist einer der häufigsten Fehler, die ich in der Produktion sehe. Wenn in einer AI-Datei gleichzeitig „PANTONE 185 C“ und „Pantone 185C“ vorkommen, kann das RIP-System sie als zwei unterschiedliche Farbauszüge interpretieren und Fehler erzeugen
・Farbverschiebung über Materialien hinweg: Eine Pantone-Farbe korrekt anzumischen ist das eine. Sie auf Kraftpapier oder Kunststoffverpackung zu drucken, ist etwas ganz anderes. Die Farbe des Bedruckstoffs frisst die Sättigung der Sonderfarbe direkt weg
Statt blind Geld für zusätzliche Platten auszugeben, sollte man zuerst mit dem Beratungsteam der Mai Strategy Wissensakademie klären, ob das Material überhaupt zu dieser Sonderfarbe passt und ob sie für eure Produktverpackung sinnvoll ist
Nur eigene CMYK-Produktion: Wie bleibt die Farbe stabil?
Wenn das Budget keine Sonderfarbe zulässt, ist eine eigene CMYK-Produktion aktuell die Lösung mit dem besten Verhältnis aus Kosten und Ergebnis
Eigene Produktion bedeutet: Farbführung und Druckdruck dieser Maschine werden nur auf deine Datei abgestimmt. Anders als beim Sammeldruck muss deine Farbe nicht leiden, weil gleichzeitig fremde Motive auf dem Bogen berücksichtigt werden müssen
Damit die eigene CMYK-Produktion möglichst nah an die Erwartung der Designer kommt, arbeiten wir intern mit der Praxis der „drei Farbabstimmungsstufen“ von MINDS (MS, gehobener, vollständig kundenspezifischer Akzidenzdruck)
・① Werte festlegen: Schon in der Gestaltung direkt mit einem CMYK-Druckfarbfächer arbeiten und die nächstliegenden Werte bestimmen. Niemals auf die automatische Umwandlung von RGB am Bildschirm verlassen
・② Proof freigeben: Vom Druckdienstleister einen Digitalproof oder einen echten Andruck verlangen. Der von beiden Seiten unterschriebene Proof wird dann zum einzigen Farbstandard für die Auflage
・③ Farbe an der Maschine feinjustieren: Bei wichtigen Projekten muss man selbst zur Druckabnahme an die Maschine. Vor Ort kann der Drucker die Farbzonen nachstellen und die Abweichung in einem visuell akzeptablen Bereich halten
Warum Nachdrucke trotz unveränderter Datei Farbabweichungen haben
Die Datei ist exakt dieselbe. Trotzdem sieht der Katalog, der ein halbes Jahr später nachgedruckt wird, farblich anders aus als beim letzten Mal
Viele Designer geben dann der Druckerei die Schuld. Tatsächlich steckt die Produktion aber voller Variablen
・Temperatur und Luftfeuchtigkeit: Im Sommer verhält sich Druckfarbe ganz anders als im Winter. Fließverhalten und Trocknung ändern sich und beeinflussen direkt, wie viel Farbe das Papier aufnimmt
・Unterschiede zwischen Papierchargen: Selbst aus derselben Papierfabrik schwanken Weißgrad und Laufrichtung von Charge zu Charge leicht
・Maschinenzustand: Der Alterungsgrad des Gummituchs verändert die Tonwertzunahme. Dadurch kann die Farbe dunkler oder heller ausfallen
Erfahrene Einkäufer verlangen von der Druckerei, dass ein „Referenzmuster“ der letzten Produktion aufbewahrt wird. Bei jedem Nachdruck wird dann gegen dieses Muster produziert. Das ist die fachlich saubere Methode, um Farbabweichungen zwischen Chargen zu verringern
Wer langfristig große Mengen Verpackungen mit extrem hoher Farbkonsistenz benötigt, kann auch den Newsletter der Mai Strategy Wissensakademie abonnieren und aktuelle Praxisansätze zum Management von Chargenfarbabweichungen erhalten

Kurz zusammengefasst
・Liegt die Markenfarbe außerhalb des CMYK-Farbraums, direkt Pantone wählen. Bei begrenztem Budget oder vielen Verläufen ist eine eigene CMYK-Produktion sinnvoller
・Sonderfarbnamen müssen in der AI-Datei absolut einheitlich sein. Sonst kann das RIP-System zusätzliche Druckplatten falsch anlegen und unnötige Kosten verursachen
・Bei eigener CMYK-Produktion müssen die drei Schritte sitzen: Werte festlegen, Proof freigeben, Farbe an der Maschine feinjustieren
・Der Schlüssel zu geringeren Farbabweichungen bei Nachdrucken ist ein von beiden Seiten freigegebenes Referenzmuster, nicht allein der Zahlenwert in der Datei
Weitergedacht
Ein Markenfarbsystem aufzubauen heißt nicht, einfach eine schöne Farbe auszuwählen. Es ist eine durchgängige Arbeit vom digitalen Ursprung bis zum realen Druck
In dem Moment, in dem ein Designer die LOGO-Farbe festlegt, sollte er bereits an die künftigen Kosten und Risiken auf Visitenkarten, Wellpappkartons oder Acrylschildern denken
Wer den Farbort bewusst steuert, erspart dem Unternehmen unzählige Abstimmungsschleifen und teure Fehldrucke
FAQ
- Was ist eine Sonderfarbe (Spot Color)?
- Eine von der Druckerei vorab in einem bestimmten Mischungsverhältnis angesetzte einzelne Druckfarbe. Sie kann sattere und leuchtendere Farben erzeugen als der Vierfarbdruck mit CMYK, verursacht aber für jede eigene Farbe zusätzliche Platten- und Farbmischkosten
- Was ist eine eigene CMYK-Produktion (Custom Plate)?
- Eine Produktionsweise mit eigenen Druckplatten für die Datei eines einzelnen Kunden. Die Maschine wird nur für dieses Design eingerichtet, und der Drucker kann die Farbmenge während des Drucks unabhängig nach dem freigegebenen Proof feinjustieren. Das kostet mehr, ist farblich aber deutlich präziser als Sammeldruck
- Warum sehen Farben am Bildschirm und im Druck nie ganz gleich aus?
- Ein Bildschirm arbeitet mit leuchtendem RGB-Licht, Druck mit CMYK-Farben, die Licht absorbieren und reflektieren. Die Farbräume sind grundsätzlich verschieden. Dazu kommt, wie stark das jeweilige Papier Farbe aufnimmt. Ein sichtbarer Unterschied ist daher unvermeidlich
- Was ist der Unterschied zwischen C und U im Pantone-Fächer?
- C steht für gestrichenes Papier (Coated), etwa Bilderdruckpapier, mit glatter Oberfläche und brillanterer Farbwiedergabe. U steht für ungestrichenes Papier (Uncoated), etwa Offsetpapier, das mehr Farbe aufsaugt und dadurch matter sowie dunkler wirkt
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