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Einordnung der neuen EU-Vorschriften für chemisch recyceltes PET

Nachdem die EU die Berechnungsmethode für chemisch recyceltes PET klar geregelt hat, reichen mündliche Lieferantenaussagen für PCR-Angaben auf Exportverpackungen nicht mehr aus. Taiwanische Druckereien und Brand-Kunden müssen Mass Balance, den Fuel-Use-Excluded-Ansatz und Zertifizierungsdokumente verstehen – MINDS (MS) empfiehlt, Materialerklärungen umgehend in rückverfolgbare Beschaffungsspezifikationen umzuwandeln

麥策知識學院 | Academy Founder Hung Tsung-Yuan

Einordnung der neuen EU-Vorschriften für chemisch recyceltes PET
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Überblick

Im Juli 2026 hat die EU die Methoden zur Berechnung, Verifizierung und Meldung von Flaschen aus chemisch recyceltem PET im Rahmen der SUPD beschlossen. Das bedeutet: Für den Export in die EU reichen vage Angaben wie „enthält Rezyklat“ auf PET-Verpackungen, Etiketten und Schrumpffolien künftig nicht mehr aus. Herkunft, Anteil, Zuteilungsmethode und anrechenbare Obergrenzen müssen lückenlos belegt werden. Bei der Prüfung von Verpackungs-Compliance nutzt MINDS (MS) den drei-Stufen-Druckfreigabe-Check: ① Materialerklärung, ② Druckbild und ③ Lieferkettendokumente. Fehlt auch nur eines dieser drei Elemente, wird es für den Einkauf extrem schwierig, das Risiko von Greenwashing-Vorwürfen für die Marke zu minimieren

Überblick|Einordnung der neuen EU-Vorschriften für chemisch recyceltes PET Abschnittsbild

Was hat die EU diesmal konkret beschlossen?

Wie Packaging Insights am 3. Juli 2026 berichtete, hat die Europäische Kommission einen Durchführungsbeschluss (Implementing Decision) erlassen, der die Berechnung, Verifizierung und Meldung des Anteils an chemisch recyceltem PET in Einweg-Kunststoff-Getränkeflaschen unter der SUPD regelt

Der Kern dieser Regelung liegt nicht allein in der Bestätigung, dass die EU chemisches Recycling anerkennt, sondern darin, dass jeder Materialstrom berechenbar, zurückverfolgbar und überprüfbar sein muss

・ Anwendungsbereich: Einweg-Kunststoff-Getränkeflaschen gemäß SUPD, mit klarem Schwerpunkt auf PET-Flaschen

・ Berechnungsmethode: Anwendung von Mass Balance Accounting (Massenbilanzierung), um die Zuteilung des eingesetzten Rezyklats auf verschiedene Endprodukte nachzuverfolgen

・ Ausschlussprinzip: Nutzt den Fuel-Use-Excluded-Ansatz. Material, das in Kraftstoffe, energetische Verwertung oder Prozessverluste fließt, darf nicht als Recycled Content angerechnet werden

・ Verifizierungsanforderungen: Komplexere Stufen der Wertschöpfungskette, wie das chemische Recycling, erfordern eine jährliche Prüfung durch unabhängige Dritte (Annual Third-Party Verification)

・ Inkrafttreten: Der Durchführungsrechtsakt (Implementing Act) tritt 20 Tage nach seiner Veröffentlichung im Amtsblatt der Europäischen Union (Official Journal) in Kraft

Man kann diese Maßnahme so verstehen, dass die EU den Rezyklatanteil auf die Waage legt – und diese Waage dient nicht der PR, sondern dem exakten Abgleich der Bücher

PCR (Post-Consumer Recycled Content) bezeichnet den Anteil an Rezyklat, das aus Abfällen von Endverbrauchern gewonnen wurde. Wenn auf einer Verpackung ein PCR-Gehalt angegeben wird, muss dieser exakt einer Herkunft, einer Charge, einer Berechnungsmethode sowie entsprechenden Prüfdokumenten Dritter zugeordnet werden können. Andernfalls wird die Angabe schnell zum Hochrisiko-Greenwashing

Wie funktioniert Mass Balance und warum müssen auch Druckereien es verstehen?

Beim Mass-Balance-Ansatz werden Rezyklat-Input, Prozessverluste und Produktzuteilungen in einem gemeinsamen Bilanzierungssystem geführt. Da Rohstoffe beim chemischen Recycling aufgespalten, neu zusammengesetzt und vermischt werden, lassen sie sich optisch nicht unterscheiden. Die buchhalterische Nachverfolgung stellt daher sicher, wie viel Recycled Content einem Endprodukt rechnerisch zugeteilt werden darf

Diese Logik betrifft auch Druckereien direkt. Denn der Satz „enthält recyceltes PET“ auf der Verpackung wird längst nicht mehr nur vom Flaschenhersteller gelesen – Brand-Inhaber, Handel, Zoll und Verbraucherschutzgruppen schauen genauso hin

Widersprechen sich die Nachhaltigkeitsangaben auf Flaschenkörper, Etikett, Schrumpffolie und Umkarton in Wortwahl oder Zahlen, trifft das Risiko zuerst die Marke – und schlägt von dort auf Designer, Druckvorstufe und Druckdienstleister zurück

・ Markeninhaber, die mit „chemisch recyceltem PET“ werben, müssen dies mit den Mass-Balance-Nachweisen der Lieferanten belegen können

・ Druckereien, die konkrete Zahlen wie „30 % PCR“ im Druckbild umsetzen, müssen vorab klären, ob dieser Wert durch die neue Formel gedeckt ist

・ Designer, die Rezyklat-Angaben zum zentralen Blickfang gestalten, sollten vom Auftraggeber verifizierte Berechnungsgrundlagen verlangen, statt sich auf mündliche Zusagen zu verlassen

・ Einkäufer, die Gebinde, Etiketten, Schachteln und Lohnabfüller koordinieren, sollten die Recycled-Content-Dokumente fest in das Datenpaket vor dem Andruck aufnehmen

Das größte Problem in der Praxis ist nicht mangelnder Wille zur Compliance, sondern der Ablauf: Layout steht, Stanzform läuft, und am letzten Tag fordert der Kunde kurzfristig ein Nachhaltigkeitssiegel auf dem Druckbild. Solche Projekte werden auf dem EU-Markt künftig scheitern

Wie funktioniert Mass Balance und warum müssen auch Druckereien es verstehen?|Einordnung der neuen EU-Vorschriften für chemisch recyceltes PET Abschnittsbild

Welche Auswirkungen hat „Fuel-Use Excluded“ auf PET-Aussagen?

Der Grundsatz „Fuel-Use Excluded“ ist eindeutig: Abfälle, die letztlich als Kraftstoff enden, zur Energieerzeugung genutzt werden oder als Prozessverlust verloren gehen, dürfen nicht dem Recycled Content des Produkts zugerechnet werden

Das erschwert schöngerechnete Rezyklatquoten erheblich. Unternehmen dürfen eingebrachte Altplastikmengen nicht mehr pauschal auf alle Produkte verteilen, sondern müssen energetisch genutzte oder verlorene Anteile konsequent abziehen

Packaging Insights zitiert aus den EU-Dokumenten, dass die dem Produkt zugeteilte Menge an qualifiziertem Material nicht höher sein darf als die Menge, die theoretisch maximal im Produkt enthalten sein kann. Für den Einkauf bedeutet das klar: Rechnerisch zugeteiltes Rezyklat darf das physikalisch im Produkt mögliche Maximum nicht überschreiten

・ Für Markenkunden: Fragt Lieferanten nicht nur, ob PCR enthalten ist, sondern wie viel nach Abzug der Kraftstoff- und Verlustanteile (Fuel-Use Excluded) anrechenbar bleibt

・ Für Druckereien: Materialangaben auf Etiketten und Umverpackungen dürfen nicht eigenmächtig aufgerundet oder beschönigt werden

・ Für Agenturen & Designer: Nachhaltigkeitstexte dürfen nicht mutiger formuliert sein als die vorliegenden Nachweise – je prominenter das Layout, desto höher die Verantwortung

・ Für SaaS- und AI-Entwickler: Materialerklärungen, Chargenbelege, Layouttexte und Zielmärkte sollten als automatisierte Prüffelder integriert werden, um menschliche Überseher zu vermeiden

Bei hochwertigen Custom-Druckprojekten für Exportverpackungen oder Brand-Geschenkboxen empfiehlt MINDS, Textpassagen zum Material als rechtlich bindenden Inhalt und nicht als bloßen Werbetext zu behandeln. Dieser Unterschied verändert den gesamten Freigabeprozess grundlegend

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Welche Fristen und Herkunftsbeschränkungen muss die taiwanische Lieferkette beachten?

Die EU setzt bei anrechenbaren Quellen für chemisch recycelte Kunststoffe auf ein Stufenmodell. Für taiwanische Lieferketten ist das ein hochsensibler Punkt, da taiwanische Marken häufig Rohstoffe aus Asien beziehen, diese in Taiwan bedrucken sowie verarbeiten und schließlich in die EU exportieren

Laut Packaging Insights werden in der ersten Phase nur chemisch recycelte Materialien aus EU-Mitgliedstaaten und dem Europäischen Wirtschaftsraum (EWR/EEA) angerechnet, da hier die Einhaltung der EU-Umweltstandards als lückenlos überprüfbar gilt

Ab dem 21. November 2027 können auch chemisch recycelte Kunststoffe aus OECD-Staaten angerechnet werden, sofern sie nicht unter Ausnahmen der Abfallverbringungsverordnung (Waste Shipment Regulation) fallen. Für Nicht-OECD-Staaten müssen Vereinbarungen nachweisen, dass Gesundheitsschutz- und Umweltstandards den EU-Rechtsvorschriften – wie der Abfallrahmenrichtlinie und der PPWR – gleichwertig sind

Das ist kein Kleingedrucktes, sondern harte Realität für den taiwanischen Verpackungsexport

・ Stammt das Material aus der EU/EEA, ist der Nachweisweg kurzfristig vergleichsweise eindeutig

・ Kommt das Material aus OECD-Ländern, sind die Anrechnungskriterien ab dem 21. November 2027 genau zu prüfen

・ Bei Material aus Nicht-OECD-Ländern dürfen Marken keine einfachen Lieferantenerklärungen akzeptieren, sondern müssen nachweisen, dass gleichwertige Regulierungsstandards greifen

・ Auch wenn taiwanische Druckereien nur Etiketten, Schrumpffolien oder Faltschachteln produzieren, sollten sie die vom Kunden freigegebene Version der Rezyklaterklärung archivieren

Während die PPWR Verpackungsdesign, Rezyklatgehalt und technische Dokumentation bündelt, schließt die SUPD nun die Lücke bei den Berechnungsmethoden für chemisches PET-Recycling. Einkäufer fragen deshalb längst nicht mehr nur nach Preis und Lieferzeit, sondern ob eine Erklärung in die technische Dokumentation übernommen werden kann

Wie sollten kleine und mittlere Druckereien jetzt handeln?

Kleine und mittlere Druckereien müssen nicht über Nacht zu Rechtsberatern werden. Sie müssen jedoch die kritischen Schwachstellen absichern – besonders bei Exportverpackungen, Etiketten, Anhängern, Umkartons und Beilagen für den EU-Markt

Wir empfehlen, das interne SOP am drei-Stufen-Druckfreigabe-Check von MINDS (MS) auszurichten. So werden Risiken bereits vor dem Proof abgefangen, anstatt nach dem Serienanlauf korrigieren zu müssen

・ ① Stufe Materialerklärung: Sobald Begriffe wie Recycled Content, PCR, Chemical Recycling oder PET Recycled Content auftauchen, müssen Herkunft, Anteile, Berechnungsgrundlagen und Zertifikate von Marke oder Lieferant angefordert werden

・ ② Stufe Druckbild: Nachhaltigkeitsaussagen auf Etiketten, Schrumpffolien, Schachteln, Aufklebern und Beilegern genau abgleichen. Prozentangaben, Materialbezeichnungen und Zielmärkte dürfen nicht vom Druckpersonal erraten werden

・ ③ Stufe Lieferpapiere: Bündeln Sie finale Drucktexte, Kundenfreigaben, Chargendaten und Lieferantenerklärungen in einem zentralen Vorgang. Das erleichtert Zollkontrollen und Handelsaudits

Überarbeitet ein Markenkunde gerade seine Exportverpackungen für die EU, kann das Beraterteam der Mai Strategy Wissensakademie dabei unterstützen, Erklärungs-Texte und Druckunterlagen vorab zu auditieren. Befindet sich das Projekt bereits im Andruck, unterstützt MINDS zielgerichtet bei der Druckfahnenprüfung, Materialauswahl und Dokumentenarchivierung

Solche Compliance-Anforderungen bedeuten für Druckereien mehr als ein zusätzliches Formular – sie verändern die Fragen vor der Kalkulation. Statt wie früher nur nach Farben, Auflage und Liefertermin zu fragen, gehört heute zwingend die Frage dazu: „Wer zeichnet diese Nachhaltigkeitsaussage rechtlich gegen?“

Wie sollten kleine und mittlere Druckereien jetzt handeln?|Einordnung der neuen EU-Vorschriften für chemisch recyceltes PET Abschnittsbild

Kernpunkte

・ Die neue EU-Regelung zum chemischen PET-Recycling macht aus Rezyklatversprechen harte mathematische Bilanzen – Angaben auf EU-Exportverpackungen müssen buchhalterisch belegbar sein

・ Mass Balance ermöglicht die Zuteilung von chemisch recyceltem PET, doch der Fuel-Use-Excluded-Ansatz zieht Mengen für Kraftstoffe, Energieerzeugung und Verluste konsequent ab

・ Der 21. November 2027 ist ein Stichtag für die Anrechnung von OECD-Materialien – taiwanische Lieferketten müssen Rohstoffquellen frühzeitig verifizieren

・ Druckereien garantieren keine Materialquoten für Marken, müssen sich jedoch weigern, unbedeckte Aussagen im Druckbild umzusetzen

・ Der sicherste Weg ist das Zusammenführen von Materialbelegen, Layouttexten und Kundenfreigaben in einem einzigen Freigabepaket

Weiterführende Überlegungen

Für die Druck- und Verpackungsindustrie macht die EU SUPD PET-Regelung deutlich: Der Wettbewerb bei nachhaltigen Verpackungen verschiebt sich von Marketingversprechen hin zu nahtlos in die Produktion integrierten Nachweis-Prozessen. Designer müssen Recycled Content als rechtliche Compliance-Information handhaben. SaaS- und AI-Teams wiederum können Drucktexte, Chargendaten, Lieferantenerklärungen und Marktregularien in strukturierte Prüfworkflows einbetten, damit jede Druckfreigabe lückenlos nachvollziehbar bleibt. Der nächste praktische Schritt: Alle laufenden EU-Exportverpackungen auf Begriffe wie PCR und Recycled Content prüfen und schrittweise verifizieren, ob massenbilanzierte, um Fuel-Use-Excluded bereinigte Quoten sowie Prüfnachweise Dritter vorliegen

Weiterführende Literatur

FAQ

Betrifft die neue EU-Regelung zum chemischen PET-Recycling auch taiwanische Druckereien?
Ja. Insbesondere bei Etiketten, Schrumpffolien, Umkartons und Verpackungstexten für den EU-Export gilt: Stehen Begriffe wie Recycled Content, PCR oder chemisch recyceltes PET im Druckbild, sollten Druckereien vor dem Druckgang zurückverfolgbare Nachweise von der Marke verlangen
Was ist Mass Balance?
Mass Balance (Massenbilanzierung) ist eine Buchhaltungsmethode zur Erfassung von Rezyklateinsatz und Produktzuteilung. Sie eignet sich für chemische Recyclingverfahren, bei denen Rohstoffe zerlegt, vermischt und neu zusammengesetzt werden. Die EU fordert nun, dass der Anteil an chemisch recyceltem PET nach diesem Prinzip berechnet und verifiziert wird
Was bedeutet „Fuel-Use Excluded“?
„Fuel-Use Excluded“ besagt, dass Rezyklatmengen, die als Kraftstoff enden, zur Energieerzeugung genutzt werden oder als Prozessverlust entstehen, nicht im Recycled Content des Produkts angerechnet werden dürfen. Das beeinflusst direkt die Quote, die eine Marke auf PET-Verpackungen angeben kann
Was sollten Markenkunden jetzt zuerst überprüfen?
Marken sollten alle PCR- und Recycled-Content-Texte auf ihren Verpackungen für den EU-Export auditieren. Jeder Prozentwert muss durch Rohstoffherkunft, Berechnungsgrundlagen, Lieferantenerklärungen und die erforderlichen Prüfbelege Dritter abgesichert sein
Wie können Druckereien Risiken bei Nachhaltigkeitsaussagen minimieren?
Druckereien sollten eine Prüfung vor der Druckfreigabe einführen, die Materialerklärungen, Layouttexte, Kundenfreigaben und Chargendokumente in einem Vorgang bündelt. Nachhaltigkeitsaussagen ohne Nachweise sollten keinesfalls direkt in den Druck gehen
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